An B2 und B23 in Garmisch-Partenkirchen wird Abgas-Belastung nicht gemessen

Luftqualität an der Bundesstraße: Die große Unbekannte

Es sind die beiden Hauptverkehrsadern in Garmisch-Partenkirchen. Doch wie gut beziehungsweise schlecht die Luftqualität direkt an den Bundesstraßen B2 und B23 tatsächlich ist, kann auf Tagblatt-Anfrage niemand beantworten. 

Garmisch-Partenkirchen – Klar, besonders gut wird sie nicht sein, die Luftqualität direkt an den beiden Hauptverkehrsadern in Garmisch-Partenkirchen. Dort, wo täglich 30 000 Fahrzeuge unterwegs sind. Doch offizielle Zahlen über die Belastung mit Stickstoffdioxid, Feinstaub und CO2 im unmittelbaren Umfeld der B2 und B23 scheint es nicht zu geben. Zumindest weiß keiner der vom Tagblatt Befragten etwas davon.

Andernorts in Garmisch-Partenkirchen wird allerdings schon gemessen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) unterhält eine Station am Wasserwerk am Tegernauweg. Von Grenzwerten ist man aber meilenweit entfernt. Am Sonntag, 23. Juli, wurde zum Beispiel um 11 Uhr ein Wert von 2 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter registriert. Der Ozon-Wert lag bei 65 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch das ist kein hoher Wert. Von einer Situation wie in München ist man im Markt weit entfernt. Dort wird wegen der Luftbelastung über ein Fahrverbot für Dieselautos nachgedacht.

Regelmäßige Tests im Heilklimatischen Kurort

Nicht nur das LfU prüft in Garmisch-Partenkirchen. Regelmäßige Tests stehen an, weil die Kommune Heilklimatischer Kurort ist. Heuer wurde sie erneut mit dem Zertifikat „Premium Class“ ausgezeichnet. Dieses Gütesiegel tragen derzeit nur 16 von 51 Heilklimatischen Kurorten.

„Große Messungen gibt es alle zehn Jahre, kleine alle fünf Jahre“, sagt Rathaus-Sprecherin Ute Leitner. Untersucht wird die Luftqualität nach dem INBEKO-Modell. Dies erledigt die Forschungsaußenstelle Bad Wörishofen des vormaligen Instituts für medizinische Balneologie und Klimatologie der Ludwig-Maximilian-Universität München. 2008 maßen die Mitarbeiter Stickstoffdioxid im Kurpark Garmisch sowie gegenüber dem Haupteingang zur zentralen Touristinformation. „Es wurden niemals irgendwelche Überschreitungen festgestellt“, betont Leitner. „Noch nicht“, glaubt Dr. Andreas Keller, stellvertretender Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN). Eine Überschreitung sei eine Frage der Zeit. Denn der Verkehr nehme zu. Die Naturschützer vertreten die Ansicht, dass der Kramertunnel zur Luftverbesserung im Ort „praktisch nichts“ beitragen wird. Sie berufen sich dabei auf eine Untersuchung des Büros ILF beratende Ingenieure aus dem Jahr 2007. Die Fachleute stellten damals die lufthygienischen Auswirkungen des Kramertunnels der Situation gegenüber, dass die Röhre nicht gebaut wird.

Streitfrage: Verbessert der Kramertunnel die Luft im Ort?

Realisierung oder nicht: Aus den Ergebnissen kann laut BN abgeleitet werden, dass in etwa dieselbe Belastung vorhanden ist, was Dreck und Abgase betrifft. „Der Kramertunnel ist keine Maßnahme, die dem Ort in dieser Hinsicht hilft“, betont Keller. „Da wird immer viel zu viel erwartet.“

Über diese Frage wurde schon 2009 leidenschaftlich gestritten: Eine Leserin zitierte damals aus dem Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern. „Die Gesamtlärm- und Schadstoffbelastung durch die B 23 zwischen den Anschlussstellen Garmisch und Burgrain und Garmisch und Grainau nimmt gegenüber dem Bestand damit erheblich ab.“ Und weiter: „Es erfolgt eine Verlagerung der betriebsbedingten Schadstoffemittenten aus der Ortschaft hinaus und daher kommt es zu einer Entlastung der Siedlungsräume.“ Allerdings ist dort auch zu lesen, dass die Entlastungswirkungen insgesamt als gering bewertet werden.

Wie auch immer: Eine spürbare Verbesserung der Luftqualität im gesamten Ortsbereich ist aus Sicht des Bund Naturschutz nur mit Maßnahmen im Ort selbst zu erreichen. Und zwar, indem man die Luftverschmutzung in emissionsrelevanten Bereichen verringert. Hierzu gehöre neben dem Hausbrand und der Emission aus Gewerbebetrieben in erster Linie der Individualverkehr.

Roland Lory

Rubriklistenbild: © dpa

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