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Unzählige Kerzen und Blumen erinnern am Breitscheidplatz in Berlin an die Opfer des Terroranschlags.

Terroranschlag in Berlin

„Der Wahnsinn“: Garmisch-Partenkirchner erleben Tragödie mit

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Garmisch-Partenkirchen - Berlin steht nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt unter Schock. Zwei Garmisch-Partenkirchner, Nic und Barbara Nagel, haben die Tragödie fast hautnah miterlebt.

Eigentlich fehlen Nic Nagel die Worte. Für das, was am Montagabend in Berlin passiert ist, gibt es auch keine passenden. „Wahnsinn“ ist eines, das dem Garmisch-Partenkirchner über die Lippen kommt. „Bitter“ trifft seine Empfindungen auch. Der 43-Jährige ist fassungslos angesichts des schrecklichen Anschlags, der sich nur wenige Meter Luftlinie von seinem Hotel entfernt ereignete. Den Blick aus dem Fenster hatte er gleich nach seiner Ankunft am Montagnachmittag festgehalten: die Gedächtniskirche mit dem hell erleuchteten Weihnachtsmarkt. Wenige Stunden später waren die Lichter aus, die Verkaufsstände geschlossen. Unmengen von Blumen und Kerzen erinnern am Tag darauf an die Tragödie, die sich dort am Montag gegen 20 Uhr abgespielt hat. Ein Unbekannter raste mit einem Lastwagen mitten in den Markt auf dem Breitscheidplatz. Mindestens 12 Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, rund 50 verletzt, davon 18 schwer.

Nic Nagel.

Drei unbeschwerte Tage wollten Nagel und seine Frau Barbara in Berlin verbringen, berufliche Termine und eine Weihnachtsfeier standen auf ihrer Agenda. Und das Wiedersehen mit Freunden und guten Bekannten. Bis die Garmisch-Partenkirchner ankamen, stärkten sich einige aus der Gruppe auf dem Weihnachtsmarkt. Der liegt ja praktisch, gleich gegenüber von dem Hotel, in dem sie alle für die zwei Nächte untergebracht sind. „Da hätte sich eigentlich angeboten, dass wir den abends auch besuchen“, sagt Nagel. Aber die Organisatoren vor Ort hatten andere Pläne – und haben am Markt am Alexanderplatz reserviert. „Ein Glück“, meint Nagel.

In dem Trubel in Berlin-Mitte überraschte ihn dann die Frage per WhatsApp, ob es ihm und seiner Frau gut gehe. „Erst einmal wussten wir gar nicht, was los ist.“ Als immer mehr Nachrichten eintrudelten, einer seiner Freunde einen Screenshot von einer Fernsehsendung schickte, wurde ihm langsam bewusst, was passiert war. Dass nebenan noch Weihnachtsschlager aus den Lautsprechern plärrten und Leute tanzten, empfanden er und seine Frau fast als surreal. „So um 21 Uhr haben sie die Musik ausgestellt und durchgesagt, dass man öffentliche Plätze meiden und Ruhe bewahren soll“, erzählt der Inhaber der Werbeagentur Nagel. Zurück ins Hotel konnten sie aber auch nicht, das ganze Gebiet rund um die Unglücksstelle war schließlich weiträumig abgesperrt.

In einer Bar überbrückten sie die Zeit, verfolgten die Schreckensmeldungen im Fernsehen und realisierten, wie nah sie dem Terror gekommen sind. Per Taxi gelangten sie gegen 1 Uhr zurück in ihre Unterkunft. Unwirklich sei die Fahrt durch das völlig ausgestorbene Berlin gewesen. Auch am Bahnhof Zoo, wo sie aussteigen mussten, waren keine Passanten auf der Straße. Nur jede Menge Polizei und Kamera-Teams aus der ganzen Welt.

Am Dienstag, am Tag nach der Tragödie, habe „eine Scheißstimmung“ in der Hauptstadt geherrscht. Geschäfte blieben geschlossen, nur einige Cafés hatten geöffnet. Und der Großteil der Menschen wagte sich weiterhin nicht raus. Dass der Täter noch gesucht wurde, tat sein Übriges. Kein Wunder, dass auch die Nagels wenig Lust auf Unternehmungen verspürten. Von ihrem Fenster aus verfolgten sie den Abtransport des Todes-Lkw. Und blickten auf den verwaisten Markt. Nachdem Nic Nagel von seinem Geschäftstermin zurückkehrte, „sind wir im Hotel geblieben, haben auch hier gegessen“.

Was sie am Mittwoch, am Tag ihrer Abreise erwartet, konnten sie da noch nicht abschätzen. „Die Flüge gehen wohl normal“, meint Nagel. Um zum Flughafen zu gelangen, müsse man sicher mehr Zeit einkalkulieren. Berlin steht unter Schock. Genau wie er und seine Frau. „Der Wahnsinn“, sagt Nagel noch einmal.

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