Menschen stehen im Abstand vor einer Apotheke.
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Lange Schlangen bildeten sich unter anderem vor der Alten Apotheke am Marienplatz in Garmisch.

Kontrolle von Risikogruppen kaum Möglich

„Wahnsinn“: Ansturm auf Gratis-Masken in Apotheken

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Lange Schlangen haben sich am Dienstag vor Apotheken im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gebildet. Es war der erste Tag, an dem die Gratis-FFP2-Masken ausgegeben wurden. Eigentlich nur an Risikogruppen. Doch eine Kontrolle ist kaum möglich.

Landkreis – Die Garmischer Fußgängerzone am Dienstagvormittag: Ein paar wenige Menschen bummeln, ein paar wenige kaufen ein. Das Einkaufszentrum GEP am Dienstagmittag: Ein paar wenige Menschen suchen nach Weihnachtsgeschenken, ein paar wenige stehen an der Supermarktkasse. Die Apotheken in Garmisch und Partenkirchen zur selben Zeit: lange, sehr lange Schlangen vor den Eingängen. Als würde die Menschen an diesem Tag vor dem Lockdown – der Apotheken nicht einmal betrifft – nichts anderes interessieren als FFP2-Masken.

Eine Momentaufnahme natürlich. Doch Verena Bockhorni sagt auch: „Wahnsinn.“ Und: „Mir tun meine Leute leid.“ Permanent hielt sich die Pressesprecherin der Apotheker im Landkreis und Inhaberin der Alten Apotheke im Ortsteil Garmisch bei Kollegen und Mitarbeitern auf dem Laufenden. Selbst konnte sie nicht mithelfen, liegt krank – eine Erkältung, kein Covid-19 – zu Hause. Doch bekam sie Zahlen und Bilder geschickt. Von Schlangen vor Apotheken, wie man sie nicht kennt. Zum Teil entstanden sie wegen der Mindestabstände. Zum Teil wegen des Ansturms. In den ersten zweieinhalb Stunden haben Bockhornis Mitarbeiter in der Alten Apotheke am Marienplatz etwa 200 Kunden mit FFP2-Masken versorgt. Noch einmal so viele waren es in der Ludwigs-Apotheke in Partenkirchen, die Bockhorni ab 1. Januar von ihrer Mutter übernimmt. Gut, nicht jeder kam persönlich. Einige nahmen die Masken etwa für Familienmitglieder oder Bekannte mit. „Sonst wär’ das ja Wahnsinn.“ War es ja so schon.

Apotheken verteilen jeweils drei FFP2-Masken pro Person

Jeweils drei Stück der dichteren und damit sichereren Mund-Nasen-Bedeckungen werden seit gestern kostenlos an Menschen über 60 Jahre oder solche mit einer bestimmten Vorerkrankung verteilt. An die sogenannte Risikogruppe. Und Bockhorni, die extra einen Lieferdienst eingerichtet hat, versteht, weshalb Betroffene nicht ein paar Tage mit dem Abholen warten. Die meisten wissen: „Wenn die Masken aus sind, sind sie aus.“

Wie viele eine Apotheke bekommt, hängt vom Umsatz ab, weshalb die 42-Jährige für ihre Häuser keine konkreten Zahlen nennt. Als Berechnungsgrundlage dient das dritte Quartal. Jede Apotheke reichte die rezeptpflichtigen Packungen beziehungsweise Medikamente ein, die sie in dieser Zeit an privat oder gesetzlich versicherte Kunden ausgegeben hat. Pro Packung bekommt die Apotheke 2,50 Euro. Vom Gesamtbetrag kaufte sie die zertifizierten Masken für sechs Euro das Stück. Mehr gibt’s nicht. Außer die Unternehmer übernehmen die Kosten selbst – was wirtschaftlich gedacht keinen Sinn macht. Zumal schon jetzt die Preise massiv steigen, zum Teil verdoppeln sie sich. Bockhorni weiß das deshalb so genau, weil sich täglich Händler mit Angeboten bei ihr melden.

Apothekerin Bockhorni befürchtet: Die Masken werden nicht reichen

Die Anzahl an Masken in den Landkreis-Apotheken kennt Bockhorni nicht. Aber sie befürchtet: Sie werden nicht reichen, um jeden zu versorgen. Zumal sich theoretisch jeder mit Gratis-FFP2-Schutz eindecken kann. Das Alter lässt sich über den Personalausweis problemlos kontrollieren. Die Vorerkrankungen aber? „Ich will niemandem etwas unterstellen. . .“, sagt sie, führt den Satz nicht zu Ende. Muss sie nicht. Mit einer Selbsterklärung können sich die Patienten die Masken holen. Nicht einmal die ist Pflicht. Man kann nur an die Vernunft und die Verantwortung der Menschen appellieren, an deren Ehrlichkeit. Bis Dienstagabend wussten Bockhorni und ihre Kollegen nicht, ob sie nachweisen müssen, wer sich mit Masken eingedeckt hat. Es wird lediglich empfohlen. Vorsichtshalber sammeln Bockhornis Mitarbeiter Namen und Unterschriften auf Kassenzettel.

Tatjana Bockhorni ist Sprecherin der Apotheken im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Ändern wird sich die Situation im neuen Jahr, voraussichtlich ab 6. Januar. Dann stehen jedem aus der Risikogruppe sechs Masken bei zwei Euro Selbstbeteiligung zu – gegen Vorlage eines Bezugsscheins, die Krankenkassen an Berechtigte verschicken. Diese Coupons reichen die Apotheken ein und bekommen die Masken erstattet.

Auch wenn Bockhorni den Gedanken – man will Risikogruppen Weihnachten mit höherem Schutz ermöglichen – hinter der Schnell-Schnell-Aktion versteht: Sie hätte sich mehr Vorlaufzeit gewünscht. Und von Anfang an die Coupon-Lösung. Damit könnte sich jeder seine FFP2-Masken an einem beliebigen Tag holen. „Dann hätte es von Anfang an keine Panik gegeben.“

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