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Auf der Suche nach Futter: Rehwild tut sich schwer mit der Nahrungsbeschaffung in diesen Tagen.

Mühsame Nahrungssuche

Appell an die Jagdbehörde: Nur Notzeitfütterung kann Leid der Tiere lindern

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Mit einem emotionalen Aufruf hat Tessy Lödermann die Untere Jagdbehörde gebeten, dringend auf die Notzeitfütterung für Wildtiere hinzuweisen. Sie vermutet aktuell ein dramatisches Sterben in den verschneiten Wäldern. Landrat Anton Speer hat reagiert.

Garmisch-Partenkirchen – Die Lage ist noch nicht entschärft. Auch wenn offiziell kein Katastrophenfall mehr im Landkreis Garmisch-Partenkirchen herrscht, hat sich die Situation der Wildtiere im Wald keineswegs gebessert. Da ist sich Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen, sicher. Im Gegenteil: „Die Verhältnisse haben sich noch verschlimmert.“

Die enormen Schneefälle haben für eine bis zu drei Meter hohe Schicht im Wald gesorgt. Das macht es den Wildtieren seit Anfang Januar in vielen Bereichen des Landkreises „schier unmöglich, an Äsung am Boden zu gelangen“. Vor allem im Isartal, Ammertal sowie die höheren Bereiche des Oberen Loisachtals sind die Schneedecken Lödermann zufolge „sehr tief verharscht“. Die Tiere würden kaum vorwärts kommen und könnten keine Nahrung ausscharren.

Auch Hubert Hertlein, Wildbiologe und Tierfotograf, macht sich Sorgen: „Das Wegschlagen des gefrorenen Schnees ist kaum noch möglich.“ Die Futtersuche gestalte sich so mühsam, „als würde ein Mensch versuchen, momentan mit zwei Fingern eine Grasfläche von 20 auf 30 Zentimeter frei zu legen“. Das müsse ein Reh aber viermal am Tag machen, um seinen Nahrungsbedarf zu decken.

Notstand noch lange nicht vorbei

Lödermann und er appellieren deshalb mit einem Schreiben an die Untere Jagdbehörde, dass das Amt dringend alle Berufsjäger auf die Fütterung in der Notzeit aufmerksam zu machen. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) hat auf den Appell reagiert. Mit einem Schreiben an die Jagdausübungsberechtigten von Rot- und Rehwildrevieren im Landkreis weist er auf die Fütterung in der Notzeit hin. „Es ist mir ein persönliches Anliegen“, teilt er mit.

Mit seiner Aufforderung rennt er bei den Forstbetrieben offene Türen ein. „Wir unterstützen momentan auch jene Tiere, die nicht in die eingezäunten Wintergatter kommen“, erklärt Nikolaus Stöger, Forstbetriebsleiter in Oberammergau. Dort wurden sogar Überlegungen laut, das Wild per Hubschrauber zu versorgen. „Das würde sie aber aufschrecken“, erklärt Stöger. „Dadurch werden die über den Sommer über angefressenen Fettreserven zu schnell verbraucht.“

Diese Schwächung wäre fatal, denn vorbei ist der Notstand noch lange nicht, weiß auch Lödermann. „Die Situation wird sich in den nächsten Tagen weiter verschärfen“, sagt Lödermann, Leiterin des Tierheims Garmisch-Partenkirchen. „Es scheint jetzt immer wieder die Sonne, der Nacht sind Minustemperaturen angekündigt.“ Diese Wettersituation führt zu scharfkantigem Harsch. Schon jetzt würden Blutspuren, im Fachjargon Schweiß genannt, im Schnee zu sehen sein. „Das Wild schneidet sich die Läufe auf.“

Bilder von toten Rehen, Gämsen und Feldhasen

Diese massive Notzeit dauere nun schon seit nahezu drei Wochen an. „Ich will gar nicht daran denken, wie viele Tiere ihr bereits zum Opfer gefallen sind.“ Entsprechende Bilder von verendeten Rehen, Gämsen oder Feldhasen liegen ihr vor.

Wie viele Opfer dieser Winter gefordert hat, kann Stöger noch nicht genau sagen. „Das stellt sich erst im Frühjahr heraus, wie hoch der Falltier-Anteil ist.“

Nach dem Bayerischen Jagdgesetz ist der Revierinhaber verpflichtet, in der Notzeit für eine angemessene und artgerechte Wildfütterung zu sorgen und die erforderlichen Fütterungsanlagen zu unterhalten. Die Hege hat die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestand sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen zum Ziel. Mit der Notzeitfütterung soll zudem ein intensiver Verbiss an den Bäumen eingedämmt werden. So ist es laut Landratsamt lediglich in der Notzeit erlaubt, Schalenwild, also Rot- Reh- und Gamswild, zu füttern.

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