Arabische Nächte in Werdenfels

Garmisch-Partenkirchen - Nicht Italiener, Japaner oder Russen beherrschen derzeit die abendliche Kneipen-Szene in Garmisch-Partenkirchen. Es sind Gäste aus dem Oman. Hintergrund: Deren Staatschef, Sultan Qabus ibn Said al-Said, hält sich derzeit in der Marktgemeinde auf.

Sie gehen in weißen Hemden und dunklen Sakkos aus, manche auch in ihren landestypischen Gewändern. Mal zu dritt oder zu viert, mal in 20- bis 30-köpfigen Gruppen. Beinahe jeden Abend schwärmen die männlichen Mitglieder der majestätischen Delegation aus, um in örtlichen Lokalen ihren Feierabend zu genießen. "Mit einigen haben wir uns sogar angefreudet", erzählt Pana Christakakis, der Geschäftsführer des "Peaches" am Marienplatz. Als "sehr angenehm" beschreibt er seine Gäste aus dem Oman ­ und als sehr großzügig. "Sie geben wirklich gute Trinkgelder", weiß der Gastronom.

Die Mitarbeiter des Sultans kommen in der Regel mit Begleitpersonal. Draußen warten die Chauffeure der angemieteten Luxus-Limousinen (vorwiegend vom Typ Audi A8-V12), drinnen unterhalten sich die Leibwächter mit den Türstehern des Lokals. Es herrscht eine lockere Atmosphäre.

Arabische Nächte in Werdenfels. Auch ins "Sausalitos" am Bahnhof kehren die Herren aus dem Sultanat gerne ein, gönnen sich den einen oder anderen Fruchtcocktail. Egal, in welcher Kneipe sie sich vergnügen -­ das Alkoholverbot für Muslime legen die Besucher aus dem relativ liberalen Oman mehr oder weniger streng aus. Und sie sind offenbar auch den weiblichen Reizen nicht ganz abgeneigt. Besonders haben es ihnen -­ ein wahres Klischee ­- blonde Damen angetan. Bei der Suche verirrt sich der eine oder andere dann schon mal in die Table-Dance-Bar am Bahnhof, wie andere Nachtschwärmer übereinstimmend berichten. Plumpe Annäherungsversuche seien jedoch die Ausnahme ­ im Gegenteil: "Diese Araber sind wirklich höflich, kultiviert und gebildet", bestätigen mehrere Werdenfelserinnen.

Doch so ausgelassen die Araber feiern, so diszipliniert springen sie am nächsten Tag aus den Federn und treten um 8 Uhr morgens wieder ihren Dienst an -­ mit fast schon deutscher Pünktlich- und Gründlichkeit. Denn während ihr Sultan Quabus ibn Said al-Said Urlaub macht, müssen die Bediensteten in Garmisch-Partenkirchen hart arbeiten. Ganze Computersysteme waren vor dem Eintreffen der Delegation extra installiert worden. Was genau die Mitarbeiter des Herrschers alles erledigen, darüber halten sie sich allerdings bedeckt.

Ihr Chef, inzwischen 67 Jahre alt, gilt nicht nur als großzügiger Herrscher, sondern auch als kluger Geschäftsmann mit ungewöhnlichen Ideen. Bereits vor 25 Jahren entschied er, dass das Land einen ganz eigenen Duft brauche und ließ ein Staatsparfüm entwickeln. Vom Rosenwasser über Myrrhe bis hin zu Zedernholz und Weihrauch -­ der Pariser Parfümeur Guy Roberts mischte 120 verschiedene natürliche Öle und Essenzen. Heraus kam "Amouage Gold". Es galt lange als der teuerste Duft der Welt, eine edelbsteinbesetzte Flasche der "Heritage Collection" aus vergoldetem Sterling-Silber kostet bis zu 6000 Euro. Heute trägt "Amouage" den Untertitel "The Gift of Kings" ­ das Geschenk der Könige. Sultan Quabus überreicht es Staatsgästen, die Prachtstücke stehen unter anderem bei Prinz Charles im Londoner Buckingham Palace und im Moskauer Kreml. In Deutschland gibt es inzwischen neun verschiedene "Amouage"-Düfte zu kaufen. Die sind zwar billiger als die Edel-Versionen, 50 Milliliter kosten aber immer noch bis zu 358 Euro.

Von der "Globalisierungs-Politik" profitiert übrigens nicht nur der steinreiche Sultan, sondern auch sein Volk: Im Oman, der sich wirtschaftlich enorm entwickelt hat, ist die medizinische Versorgung für jeden Bürger gratis, Sozialwohnungen sollen so groß wie Zweifamilienhäuser sein, und niemand muss Steuern zahlen. Märchenhafte Verhältnisse wie diese gibt es eben nur in der Welt von 1001 Nacht. . .

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare