+
Verwaist: das künftige Nordportal des Kramertunnels. Wann wieder gearbeitet wird, steht nicht fest.

Seit 2013 herrscht Stillstand

Arbeiten am Kramertunnel: Fortsetzung mit Fragezeichen

  • schließen

Noch ruhen die Arbeiten am Kramertunnel. Noch liegt kein ergänzender Planfeststellungsbeschluss vor. Derzeit werden die Einwände von öffentlichen und privaten Stellen behandelt. Wann die Genehmigung vorliegt, kann die Regierung von Oberbayern nicht abschätzen.

Garmisch-Partenkirchen – Michael Kordon hofft. Darauf, dass er bald weitermachen kann mit dem Erkundungsstollen für den Kramertunnel. Seit 2013 herrscht Stillstand auf der Baustelle, durch die der Ortsteil Garmisch von der Verkehrslast befreit werden soll. Unbefriedigend für den Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, unter dessen Regie das 176-Millionen-Euro-Projekt läuft. Ein unerwarteter Wassereintritt im Bergsturzbereich erforderte allerdings ein Umplanen. Und da war guter Rat teuer, schließlich beschäftigte die Experten nicht nur die Frage, wie sie damit umgehen sollen, sondern auch das Problem bereits entstandener Umweltschäden. Drei Quellen sind Kordon zufolge schließlich schon trocken gefallen. Im Gegensatz zu den Naturschützern ist er aber sicher, dass „das Wasser nicht mehr anspringt“. Wie das Großprojekt nun fortgesetzt werden kann, darüber sind sich die Planer mittlerweile einig und haben längst ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren beantragt.

Bis zum Beschluss dauert’s noch 

Bis dieses jedoch in einen Beschluss mündet, was im Kleinen einem genehmigten Bauantrag gleich kommt, dauert’s noch. „Das Staatliche Bauamt Weilheim bearbeitet zurzeit die Stellungnahmen und Einwendungen der im Anhörungsverfahren beteiligten Träger öffentlicher Belange und Privatpersonen“, erklärt Dr. Martin Nell, Sprecher der Regierung von Oberbayern. Zwölf Einwendungen seien eingegangen, zu denen sich die Weilheimer Behörde nun äußern und darüber hinaus ihren eigenen Standpunkt kundtun muss. „Dafür gibt es aber keinen Termin“, unterstreicht Nell.

„Der Bund Naturschutz in Bayern lehnt das Projekt und die dazu geplanten Planänderungen weiterhin aus verschiedenen Gründen grundsätzlich ab“, sagt der Regierungssprecher. „Insbesondere kritisiert er die hydrogeologischen Untersuchungen, die naturschutzfachlichen Bewertungen und die gewählte Baumethode im Kramermassiv.“ Alles nichts Neues, bekräftigt Kordon. Dabei ist auch ihm bewusst, dass die Naturschützer mit dem Weg, den das Straßenbauamt einschlagen will, wohl nicht einverstanden sind.

Bereits eingetretene Schäden werden kompensiert

Wie mit den Problemstellen im Kramer umgegangen werden soll, verdeutlicht Nell: Im so genannten Bergsturzbereich, der circa 600 Meter nach dem Nordportal beginnt und der etwa 350 Meter misst, „ist eine Änderung des Verfahrens mit temporärer Grundwasserabsenkung in Verbindung mit einer bauzeitlichen Bewässerung der Hangquellmoore vorgesehen“. Im schwierigen Teil des Hauptdolomits, der sich etwa in der Mitte der 5,6 Kilometer langen Umfahrung befindet, „werden, wie ursprünglich vorgesehen, keine Injektionen mehr zur Abdichtung ergriffen, sondern die Einspiegelung eines niedrigeren Bergwasserspiegel beibehalten“. Die bereits eingetretenen Schäden, zu denen auch besagte ausgetrocknete Quellen zählen, werden durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert. An der Stelle, wo die Durerlaine die Röhre quert, macht den Arbeitern Lockergestein zu schaffen. In diesem Bereich am Südportal soll Nell zufolge während des Baus eine Umleitung des Bergwassers erfolgen.

Sobald alle Stellungnahmen in München vorliegen, „werden diese gesichtet“, verdeutlicht Kordon das Vorgehen. Möglich wäre, dass ein weiteres Gutachten gefordert wird. „Klassischerweise findet dann ein großer Erörterungstermin statt.“ Das ist aber kein Muss, das liegt allein im Ermessen der Genehmigungsbehörde, sprich der Regierung von Oberbayern.

Der Zeitrahmen kann noch nicht eingeschätzt werden

Ob sich Kordons Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme der Arbeiten erfüllt, vermag Nell nicht zu sagen. „Der Zeitrahmen kann noch nicht konkreter abgeschätzt werden, da dies von der abschließenden Stellungnahme des Staatlichen Bauamts Weilheim, dem Erfordernis eines Erörterungstermins und gegebenenfalls von den Resultaten eines Erörterungstermins abhängig ist.“ Erst nach all diesen Verfahrensschritten wird über die Frage entschieden werden, ob das angestrebte Procedere zulässig ist. „Zudem kann eine Klage gegen den Planänderungsbeschluss zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden“, betont Nell. „Dann käme die Dauer des gerichtlichen Verfahrens hinzu.“ Und das würde Kordons Hoffnungen zunichte machen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Außenseiter fordern Politprofi
Seit 2002 hat Alexander Dobrindt stets überlegen das Direktmandat im Bundeswahlkreis 226 gewonnen. Zwar ist der Verkehrsminister auch 2017 Favorit, ob ihm allerdings ein …
Außenseiter fordern Politprofi
Autobahnende Eschenlohe: Cannabis im Pkw, unerlaubte Einreise 
Gut zu tun hatten die Polizisten der Schleierfahndung am Autobahnende bei Eschenlohe. Gleich mehrere Personen gingen ihnen ins Netz. Unter anderem wegen dem Besitz von …
Autobahnende Eschenlohe: Cannabis im Pkw, unerlaubte Einreise 
Lernen als Reichtum und Chance
„Dialog und Begegnung“, so heißt das neue Programmheft für die Wintersaison 2017/18 des Katholischen Kreisbildungswerkes (KBW) Garmisch-Partenkirchen, das nun …
Lernen als Reichtum und Chance
Bierzelt-Pause in Ohlstadt
„Ziag o“ hieß es heuer des Öfteren in Ohlstadt. Und zwar immer dann, wenn ein Festzelt aufgebaut wurde. Damit ist nächstes Jahr Schluss. Im Bobfahrerdorf soll kommendes …
Bierzelt-Pause in Ohlstadt

Kommentare