Auf den Baustellen am Kramertunnel in Garmisch-Partenkirchen laufen die Arbeiten wieder auf Hochtouren: Nach dem zwischenzeitlichen Baustopp im März wird seit gestern sogar von beiden Seiten am Hauptstollen gearbeitet. Personal ist wieder genügend vorhanden, die Hygienevorschriften wurden verschärft, die Quartiere der Arbeiter umgerüstet.
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Die ersten Schritte im Süden: Für den Hauptstollen wird zunächst die Bohrpfahlwand aufgeschnitten. 

Kramertunnel: Nun wird von beiden Seiten gebohrt

Auf den Baustellen am Kramertunnel in Garmisch-Partenkirchen laufen die Arbeiten wieder auf Hochtouren: Nach dem zwischenzeitlichen Baustopp im März wird seit gestern sogar von beiden Seiten am Hauptstollen gearbeitet. Personal ist wieder genügend vorhanden, die Hygienevorschriften wurden verschärft, die Quartiere der Arbeiter umgerüstet.

Garmisch-Partenkirchen – Es brummt und scheppert am Kramertunnel. Bereits in der vergangenen Woche begann der Vortrieb von Norden her wieder, im Berg wird bereits an einer Querung zwischen Hauptröhre und Rettungsstollen gearbeitet. Gestern fiel nun auch am Südportal in der Schmölz der Startschuss: Die Tunnelbau-Experten rücken dem Berg dort erstmals zu Leibe. „In wenigen Tagen kann der Kramertunnel dann von beiden Seiten vorangetrieben werden“, freut sich Raphael Zuber, Abteilungsleiter für den bergmännischen Tunnelbau am Staatlichen Bauamt Weilheim. Ein großer Schritt, nachdem Mitte März durch Personalengpässe beim Bau der Röhren plötzlich kompletter Stillstand geherrscht hatte.

Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. Die größten Probleme scheinen überwunden. Nach rund einem Monat Auszeit läuft der Betrieb fast wieder in normalem Umfang. Die Tunnelbauer mussten dazu einiges ändern. Die einzelnen Schichten der Arbeiter wurden umstrukturiert, sodass immer dieselben Kräfte zusammenbleiben. „Die Teams sind getrennt worden, auch nach Nord- und Südportal“, erklärt Zuber. Dadurch arbeiten die Tunnelbauer stets mit denselben Kontaktpersonen. Derzeit sind acht Mannschaften mit dem Vortrieb in den Berg beschäftigt. Hinzu kommen zwei Gruppen in den Werkstätten an der Halle sowie weitere zwei von Nachunternehmen, die im Gewässerschutz tätig sind. Eine Schichtmannschaft bestehe aus jeweils drei bis fünf Arbeitern, sagt Zuber.

Als weitere Neuerung wurden die Wohnlager im Bereich Am Brünnl umgebaut, um mehr Duschmöglichkeiten zu schaffen und eine Einzelbelegung der Zimmer zu ermöglichen. Dort wurden auch die Hygieneregeln verschärft. So gab es für die Arbeiter „strenge Unterweisungen“ von den jeweiligen Baufirmen, betont Zuber. „Wo möglich, muss im Tunnel der Abstand eingehalten werden.“ Bei Spritzbetonarbeiten bestehe ohnehin Mundschutzpflicht, darüber hinaus wurden Waschgelegenheiten an den Baustellen geschaffen. Es werde darauf geachtet, dass die rigiden Hygienevorschriften auch eingehalten werden.

Die Personalprobleme sind mittlerweile weitestgehend gelöst. Die Arbeiter der Fachfirmen reisen wieder in einem regelmäßigen Turnus aus unterschiedlichen EU-Staaten an. „Nach den Osterfeiertagen ist uns es jetzt gelungen, eine entsprechende Personalstärke bei den Vortriebs-Mannschaften wiederherzustellen“, betont Zuber erleichtert. Außerdem seien die Lieferketten für Material nach Aussage der Baufirma vor Ort gesichert. Weiterhin müssen sich die Arbeiter den Herausforderungen des Grenzübertritts stellen. Bei der Rückkehr drohen Quarantäne-Maßnahmen. Laut Zuber gibt es im Tunnelbau Wochenpendler, einen Dekadenbetrieb – die Arbeit im zehntägigen Rhythmus – und längere Sonderschichten. Alexander Kraus

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