Ein leere Skistadion, fotografiert von einer Anhöhe.
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Mit Corona gab es beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen nicht einen Zuschauer am Neujahrstag im Skistadion.

SC Partenkirchen als Organisator „bilderbuchmäßig“

Das erste Geister-Neujahrsspringen: Auch ohne Stimmung glanzvoll

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Keine Zuschauer beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Eine Premiere. Die Organisatoren des SC Partenkirchen bekommen viel Lob. Von Corona blieben aber auch sie nicht ganz verschont.

So sieht‘s ohne Corona aus: Exakt ein Jahr zuvor haben an die 24 000 Fans das Springen verfolgt.

Garmisch-Partenkirchen – Der große Felsbrocken fiel Sabrina Pieri schon am Donnerstagabend vom Herzen. Nach der Qualifikation, einen Tag vor dem eigentlichen Wettkampf am Neujahrstag. Denn – wie sollte es anders sein – erwischte es auch die Partenkirchner mit der Corona-Thematik – wie zuvor die Kollegen in Oberstdorf. Ein russischer Springer war plötzlich positiv. Bei der Abfahrt aus dem Allgäu waren am 29. Dezember alle Athleten nochmals getestet worden. Um 2 Uhr morgens am Qualitag in Garmisch-Partenkirchen trudelte besagtes Ergebnis ein. „Aber wir sind alle ruhig geblieben“, betont Pieri. Die Generalsekretärin des Organisationskomitees war quasi die Spitzenfunktionärin vor Ort und vertrat OK-Chef Michael Maurer. Der musste bekanntlich in heimischer Quarantäne das Springen am TV verfolgen und entsendete nur via Videobotschaft ein paar Neujahrsgrüße an sein Team.

Ein Russe ist positiv auf das Virus getestet: der Einstieg ins Neujahrsspringen

Also ein Russe positiv. Was für ein Einstieg in die zwei Tage des Neujahrsspringens. Um 8 Uhr folgte das erste Treffen mit dem Skiweltverband FIS und dem Gesundheitsamt – und eine klare Entscheidung: drei Mann in Quarantäne. „Danach konnte ja fast schon nichts mehr kommen“, sagt Pieri und lacht.

Und tatsächlich: Weder die Russen murrten, noch gab es Probleme an den Wettkampftagen. Das Neujahrsspringen 2021 entwickelte sich zu einer glanzvollen Veranstaltung – auch ohne die Komponente Stimmung. Sportlich war’s ein Krimi, einer mit neuem Schanzenrekord durch den späteren Sieger und Vorjahresdritten Dawid Kubacki aus Polen. Und auch wenn wieder kein Deutscher gewonnen hat – „für die widrigen Corona-Umstände ist es wirklich hervorragend gelaufen“, bilanziert Pieri. „Der Zuspruch von allen Seiten ist gigantisch, sowohl von der FIS, vom Verband, insbesondere aber auch von den Athleten.“

DSV-Präsident Steinle an den SC Partenkirchen: „Ganz großes Lob“

Eine Aussage, die Franz Steinle, Präsident des DSV, gerne stützt. „Ganz großes Lob“, entfährt es ihm. „Es ist bilderbuchmäßig, wie das alles hier gehandhabt wird, die Abläufe waren alle reibungslos, die Teams loben die gute Organisation. Es war alles in sich stimmig.“

Sie und ihr Team bekommen viel Lob: Sabrina Pieri vom SC Partenkirchen.

Dafür haben die Verantwortlichen auch lange gekämpft. Pieri erinnert nochmals an die Strapazen im Vorfeld. „Seit Juni haben wir mit den Bereichsleitern viele, viele Stunden verbracht. Und nur denen ist es zu verdanken, dass alles so gut geklappt hat.“ Sie nennt ein Beispiel. Der Schneefall vom Abend des 30. Dezember hatte den Organisatoren noch eine letzte Herausforderung beschert. „Um 5.49 Uhr haben wir Meldung gegeben, um 5.50 Uhr kam die Antwort. Alle stehen parat.“ Pieri preist den Teamgeist in der Mannschaft des SCP an. „Vielleicht hat die Corona-Situation alle sogar noch ein bisschen mehr beflügelt.“

Neujahrsspringen: Manche Idee aus der Not findet Gefallen

Und wie es immer so ist: Manche Neuerung aus der Not entpuppt sich am Ende tatsächlich als gute Idee, als Verbesserung. Bei einer ersten Manöverkritik erntete speziell das neue Athletendorf am Fuße des Auslaufs im nördlichen Teil des Stadions Bestnoten. „Das ist unglaublich gut aufgenommen worden“, bestätigt Pieri. Intern und mit der FIS hat es bereits Gespräche gegeben, ob es für die Zukunft nicht in der Art bestehen bleiben sollte. „Die Sportler fühlen sich dort superwohl.“ Der Grund: Das Areal ist ebenerdig, es ist viel mehr Platz für die Container, die in ausreichender Zahl vorhanden sind. „Sonst sind sie im hintersten Eck des Stadions, müssen Treppen rauf und runter mit ihren starren Springerschuhen“, merkt das OK-Mitglied an. „Auch für die Zuschauer wäre es eine absolute Attraktion.“ Das großflächigere Abriegeln des Geländes fand ebenso Zuspruch. „Die Parksituation war so entspannt wie nie, weil nur die da geparkt haben, die beim Springen involviert sind.“

Lehren des Geisterspringens. Für 2022 wünschen sich aber doch alle die Fans zurück.

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