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Nahverkehrsplan für Landkreis: Umsetzung kostet zwei bis vier Millionen Euro pro Jahr

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Von: Andreas Seiler

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Die wichtigsten Verkehrsachsen im Landkreis: die Zugverbindungen (grün) und die beiden Buslinien Richtung Füssen und Kochel (blau). Neu hinzukommen soll eine Expressbuslinie, die die beiden Hauptorte Murnau und Garmisch-Partenkirchen im Stundentakt miteinander verbindet.
Die wichtigsten Verkehrsachsen im Landkreis: die Zugverbindungen (grün) und die beiden Buslinien Richtung Füssen und Kochel (blau). Neu hinzukommen soll eine Expressbuslinie, die die beiden Hauptorte Murnau und Garmisch-Partenkirchen im Stundentakt miteinander verbindet. © Gevas Humberg & Partner

Der Landkreis-Garmisch-Partenkirchen möchte den Umstieg auf Bus und Bahn erleichtern und die entsprechenden Angebote ausbauen. Ein jetzt vorgestellter Nahverkehrsplan soll hierfür als Richtschnur dienen. Doch die erhoffte Mobilitätswende wird nicht ganz billig. Im Raum stehen Mehrkosten in Millionenhöhe.

Landkreis – Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat bekanntlich ein gewaltiges Verkehrsproblem – und droht unter den Blechlawinen zu ersticken. Die Kreispolitik hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Alternativen zum Auto zu stärken. Hierfür wurde die Neuauflage des so genannten Nahverkehrsplans in Auftrag gegeben – eine Art Rahmenkonzept, das reichlich Empfehlungen für die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region zwischen Staffelsee und Karwendel in den nächsten Jahren liefert.

Kreistag hat das letzte Wort

Das fast 280 Seiten dicke Werk, für das das Münchner Fachbüro Gevas Humberg & Partner verantwortlich ist, wurde jetzt auf der Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses, der im Spatzenhauser Haus des Gastes tagte, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt – und mit einigen Ergänzungen abgesegnet. Das letzte Wort hat der Kreistag, der sich am 16. Dezember mit der schwierigen Materie beschäftigt, die viele Facetten der Verkehrspolitik erfasst. Die ersten Reaktionen in der Vorberatung fielen positiv aus. „Ich finde den Plan genial“, befand etwa Schwaigens Gemeindechef Hubert Mangold.

Allerdings, dies wurde in der Debatte schnell klar, stehen die eigentlichen Hürden erst noch bevor. Wenn es nämlich um die Frage geht, wie die vielen Ideen, die in erster Linie darauf abzielen, die Bus-Verbindungen auszubauen, finanziert werden sollen. „Das muss bezahlbar sein“, mahnte Landrat Anton Speer (Freie Wähler).

Die Verkehrsplaner aus der Landeshauptstadt – in die Ausschusssitzung war Jan Nitsch als Vertreter gekommen – haben schon mal grob überschlagen, wie hoch die zusätzlichen Kosten der neuen beziehungsweise erweiterten Buslinien summa summarum sind. Das Ergebnis: rund zwei bis vier Millionen Euro – und zwar jedes Jahr. „Eigenwirtschaftlich wird das nicht zu erbringen sein“, betonte Nitsch. Allerdings kann der Kreis auf dicke Finanzspritzen hoffen, die in der Kalkulation noch nicht berücksichtigt sind. Dr. Elisabeth Zeitler, Mobilitätsmanagerin im Landratsamt, rechnet im Schnitt mit 40 Prozent an Zuschüssen.

Unmengen an Daten ausgewertet

Einen Nahverkehrsplan zu erstellen, ist eine Wissenschaft für sich – und ein Fest für Statistiker. Denn im Vorfeld wurden Unmengen an Daten gesammelt und ausgewertet, um überhaupt die Ausgangslage, die Schwachstellen und Bedürfnisse zu ermitteln – und um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, wo Investitionen sinnvoll sind. So wurden beispielsweise die Bürger, Verkehrsunternehmen und Gemeinden befragt. Die Gutachter nahmen die Verkehrsströme unter die Lupe, analysierten Pendlerverflechtungen und den Schülerverkehr. Und sie sahen sich beispielsweise genau an, ob wichtige Ziele wie Bahnhöfe oder Ortszentren gut zu erreichen sind und wie es um die Vernetzung der Verkehrsmittel untereinander bestellt ist. Herauskam schließlich ein dickes Maßnahmenpaket.

In den Fokus rücken rund zehn Buslinien, die besonders wichtig sind – für Einheimische, aber auch für Urlauber. Eine Verkehrsachse, die neu geschaffen und den Norden mit dem Süden verbinden soll, sticht dabei besonders hervor: ein Expressbus zwischen den beiden Hauptorten Garmisch-Partenkirchen und Murnau, der im 60-Minuten-Takt fährt – als Ergänzung zur Schiene. Der Hintergrund: Ganz oben im Forderungskatalog der Experten steht der seit Langem ersehnte Halbstundentakt der Werdenfelsbahn. Dass dieser große Wurf in den nächsten fünf bis zehn Jahren Realität wird, dürfte jedoch reines Wunschdenken sein. Daher das zusätzliche Busangebot.

Der Nahverkehrsplan regt des Weiteren an, bereits bestehende Verbindungen aufzuwerten, etwa mit einer Taktverdichtung, optimierten Umsteigemöglichkeiten oder verbesserten Weiterführungen in die Nachbarlandkreise. Zwei Busachsen spielen in diesem Zusammenhang eine herausgehobene Rolle: zum einen die Linie 9606 von Garmisch-Partenkirchen durchs Ammertal zur Echelsbacher Brücke (Richtung Füssen) und zum anderen die Linie 9608/9618 von Garmisch-Partenkirchen nach Wallgau (Richtung Kochel). Auf der To-do-Liste stehen zudem die Linien 9601/9641 (Weilheim-Murnau), 9620 (Murnau-Riegsee), 9621 (Grafenaschau-Murnau), 9622 (Oberammergau-Schloss Linderhof), 9611 (Kochen-Murnau) sowie der Eibseebus. Auch der geplante Alpenbus (von Murnau nach Rosenheim), der 2024 an den Start gehen soll, taucht in der umfangreichen Studie auf.

Damit ist der Vorschlagsreigen noch nicht zu Ende. Die Fachleute haben viele weitere Überlegungen angestellt, sei es in Sachen Infrastruktur, Barrierefreiheit oder Tarifgestaltung. Interessant ist die Idee, Mobilitätsstationen zu schaffen, die mit „Park and Ride“-Plätzen oder Car-Sharing einen komfortablen Umstieg auf Bus oder Bahn ermöglichen. Aus den Reihen des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses kamen zusätzliche Wünsche, die aufgenommen wurden. Zum Beispiel regte Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an, an bestimmten Knotenpunkten Toilettenanlagen zu errichten.

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