1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

Demo gegen Corona-Politik: Auf die Straße, aber friedlich

Erstellt:

Von: Andreas Seiler

Kommentare

Friedlicher Protest: die Montagsspaziergänger in der Garmischer Fußgängerzone.
Friedlicher Protest: die Montagsspaziergänger in der Garmischer Fußgängerzone. © Seiler

Der Corona-Protest schwillt an: Bundesweit sind Montagsspaziergänger unterwegs - auch in Garmisch-Partenkirchen. Das Tagblatt verfolgte die Demo in der Fußgängerzone.

Garmisch-Partenkirchen – Der Ortsteil Garmisch hat seine „gute Stube“ fein herausgeputzt für die Winterzeit. Die festliche Beleuchtung und die hübsch dekorierten Schaufenster lassen die Fußgängerzone strahlen – und laden zum Bummeln und Flanieren ein. Man könnte meinen, die Pandemie ist vorbei.

Doch dies ist leider nicht der Fall. Daran erinnern jeden Montagabend die Spaziergänger, die wie in vielen anderen Kommunen Deutschlands auch gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung demonstrieren – ein Ausdruck einer Gesellschaft, die in der Frage nach dem richtigen Umgang mit dieser Krise tief gespalten ist. Am vergangenen Montag war es im Kreisort wieder soweit – zum fünften Mal.

Polizei zählt 450 Teilnehmer

Es ist gegen 18.30 Uhr, als sich der Richard-Strauss-Platz schlagartig mit Menschen füllt. Die Versammelten sind bunt gemischt, Jung und Alt, auch Familien mit Kindern sind darunter. Viele zünden Kerzen an oder haben Lichter dabei. Die Stimmung wirkt gelöst. Es wird geratscht, gelacht. Die verstreute Menge zu beziffern, ist schwierig. Die Polizei geht von 450 aus – etwas weniger als zuletzt. Ein Teilnehmer schätzt die Anzahl wesentlich höher ein, spricht von 1200 bis 1500.

Für die Behörden ist der Corona-Protest eine Herausforderung, weil er für die Bürokratie schwer zu greifen ist. Der Umzug wurde, wie auch bei den zurückliegenden Terminen, weder angezeigt, noch gibt es einen offiziellen Versammlungsleiter. Niemand hält eine Rede, niemand skandiert Sprüche, niemand trägt, als sich die Menge in Bewegung setzt und durch die Fußgängerzone zieht, ein Schild oder ein Plakat vor sich her. Lediglich zwei junge Männer streifen sich Armbinden über, auf denen „Ungeimpft“ steht – eine Provokation am Rande.

Es sind vorwiegend Impfgegner und -skeptiker, das ist allgemein bekannt, die sich über Mundpropaganda oder die sozialen Medien zu den Montagsspaziergängen verabreden. In Garmisch-Partenkirchen endet der Corona-Protest, der sich nach einer guten Stunde wieder auflöst, ohne Zwischenfälle. „Es lief alles sehr friedlich ab“, bilanziert Markus Stückl, Sprecher der Polizeiinspektion. Keine Auffälligkeiten, keine Gegendemos. Auch habe man keine Vertreter der rechten Szene bemerkt.

Dies ist nicht überall der Fall. Rechtsextreme, etwa die Kleinstpartei „Der Dritte Weg“, versuchen, die Bewegung zu vereinnahmen und für ihre Interessen zu instrumentalisieren. Auf Terminlisten stehen auch die Veranstaltungen hier im Landkreis. Viele Kommunalpolitiker sind daher alarmiert, etwa in Murnau, wo die Grünen am Montag – wie auch Impfbefürworter – eine Gegenveranstaltung auf die Beine stellen. Die Gemeinde- und Kreisrätin Veronika Jones warnt auf ihrer Facebook-Seite vor einer Unterwanderung: „Ich laufe nicht bei Spaziergängen und Demos mit, die von Nazis beworben, unterstützt und mitorganisiert werden.“

Doch zurück nach Garmisch-Partenkirchen: Dort fühlen sich die Teilnehmer offenbar nicht gefährdet. „Ich habe noch keinen von der rechten Szene hier getroffen oder gesehen“, sagt Mario Bichler. Natürlich würde er sich davon sofort distanzieren. Ein „Beobachter“, wie sich ein anderer Mann bezeichnet, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat eine andere Sicht der Dinge. „Das ist sehr beängstigend“, kommentiert er die aktuelle Entwicklung und verweist auf einige AfD-Vertreter, die er vor Ort ausfindig gemacht hat.

Mit Corona-Politik nicht einverstanden

Doch was treibt die Montagsspaziergänger an, auf die Straße zu gehen? Die geführten Tagblatt-Gespräche zeichnen ein einhelliges Bild, auch wenn damit kein Anspruch auf Repräsentanz erhoben werden kann: Es handelt sich um Bürger, die mit der Corona-Politik nicht einverstanden oder zumindest sehr skeptisch sind. Und die sich häufig nicht ausreichend oder gar falsch informiert fühlen. Aber es fällt auch auf, dass Forschungsergebnisse, Statistiken oder Impfempfehlungen renommierter Institute schnell in Frage gestellt werden, wenn sie der eigenen Überzeugung widersprechen – was eine Debatte nicht einfacher macht. Und auch so manch eine Verschwörungserzählung ist zu hören. Etwa die absurde Vorstellung, dass alle Medien von der Politik gesteuert seien.

Im Mittelpunkt stehen aber die bekannten Einwände und Bedenken der Corona-Kritiker. „Ich bin gegen eine Impfpflicht und für eine freie Impfentscheidung“, sagt beispielsweise ein Beteiligter, der ebenfalls anonym bleiben möchte. „Ich habe Angst vor Impfschäden“, erklärt Thorsten Kraus, der in der Medizinbranche tätig ist. Seiner Ansicht nach sind die Risiken, an den Nebenwirkungen der Vakzine zu erkranken, bei weitem nicht so gering, wie immer dargestellt werde. Er habe schon selbst Corona gehabt, so Kraus weiter. „Das war nicht mehr als eine Erkältung.“ Und Katja Bichler meint: „Ich sehe den Nutzen der Impfung nicht.“ Denn auch Geimpfte erkrankten mitunter schwer an Covid-19 und landeten auf der Intensivstation – oder überlebten die Infektion nicht.

Auch interessant

Kommentare