Augen zu und durch: Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch beim Corona-Test an der Station am Alpspitz-Wellenbad. Die Archiv-Aufnahme entstand vergangenes Jahr.
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Augen zu und durch: Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch beim Corona-Test an der Station am Alpspitz-Wellenbad. Die Archiv-Aufnahme entstand vergangenes Jahr.

Elisabeth Koch im Interview

Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin auf Impfmission

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch macht sich Sorgen über die aktuelle Entwicklung bei den Inzidenzen. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen der vierten Corona-Welle.

Garmisch-Partenkirchen – Corona hat den Landkreis fest im Griff. Die vierte Welle lässt die Inzidenzzahlen nach oben schnellen. „Die Situation ist dramatischer denn je“, schrieb Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) kürzlich auf ihrer Facebook-Seite. Die Rathaus-Chefin wirbt daher eindringlich dafür, sich gegen Covid-19 immunisieren zu lassen. Ihr Credo lautet: „Impfen rettet Leben“. Das Tagblatt befragte die Kommunalpolitikerin zu ihrer Einschätzung der Corona-Krise, zur aktuellen Situation in der Rathaus-Verwaltung und zum Umgang mit Impfverweigerern.

Die vierte Corona-Welle hat Deutschland mit voller Wucht erfasst – eine Entwicklung, die nicht überraschend kam. Hat es die Politik im Sommer versäumt, das Land ausreichend darauf vorzubereiten?
Ich denke, wir alle, auch die Experten, wurden von der Massivität dieser Welle überrascht. Es war aber in meinen Augen ein Fehler, die kostenlosen Tests aufzugeben, denn auch Geimpfte können Virenträger sein.
Die Inzidenzzahlen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen explodieren förmlich und liegen weit über dem Bundesschnitt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Das weiß ich wirklich nicht. Ich habe aktuell auch den Eindruck, dass sich das niemand so recht erklären kann, warum wir und so viele andere Landkreise in diese Situation geraten sind – schlimm genug, dass es so ist.
Wie wollen Sie die Impfverweigerer und -skeptiker davon überzeugen, sich doch impfen zu lassen?
Ich möchte niemanden überzeugen oder überreden, ich gehe ganz einfach mit gutem Beispiel voran. Ich muss es akzeptieren, dass jeder Einzelne für sich entscheiden kann, ob er sich impfen lässt – oder eben auch nicht. Persönlich muss ich ehrlich sagen, dass ich manche Entscheidungen gegen eine Impfung nicht ganz nachvollziehen kann. Vor allem wenn gesundheitlich nichts dagegen spräche. Für mich ganz persönlich liegt hier nämlich der Schlüssel, um diese Pandemie eindämmen zu können. Ich selbst bin seit Kurzem dreimal geimpft und teste mich täglich. Ich bin Verantwortungsträgerin nicht nur für meine Familie, sondern auch für meine Mitarbeiter. Das einzige und nachweisliche Mittel der Wahl ist in meinen Augen die Impfung.
Wie sieht die Situation in Ihrer Rathaus-Verwaltung aus? Wie hoch ist der Anteil der Ungeimpften?
Das Team im Rathaus ist insgesamt noch gut aufgestellt. Wir gehen auch sehr solidarisch miteinander um und testen uns alle regelmäßig mehrmals die Woche – Geimpfte wie Nichtgeimpfte. Ich gehe davon aus, dass der Anteil der ungeimpften Mitarbeiter des Marktes Garmisch-Partenkirchen dem allgemeinen Durchschnitt entspricht. Als Dienstvorgesetzte darf ich nicht nach dem Impfstatus fragen. Von meinen Mitarbeitern in Führungspositionen erwarte ich jedoch, dass sie sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst sind. Wir sind es schließlich, die den Ort am Laufen halten müssen. Hierfür werden wir alle mit Steuergeldern bezahlt.
Wie gehen Sie mit den Impfmuffeln in den eigenen Reihen um?
Da tue ich mich zugegebenermaßen schwer. Ich erinnere mich noch gut an die Verzweiflung in meinem Umfeld, die im letzten Lockdown geherrscht hat, und wie um das wirtschaftliche Überleben gebangt wurde. Jetzt, da Impfstoff in ausreichendem Maße vorrätig ist, verblasst die Erinnerung an diese Situation offensichtlich und die Impfung wird verweigert. Hierfür habe ich wahrlich kein Verständnis.
Wie viele Ihrer Mitarbeiter sind aktuell coronapositiv? Ist der Verwaltungsbetrieb gewährleistet?
Aktuell hält sich die Infektionsrate bei unseren Mitarbeitern glücklicherweise in Grenzen und wir können den Verwaltungsbetrieb noch aufrecht erhalten. Wie die letzte Woche allerdings gezeigt hat, sind wir aber auch nicht jederzeit davor bewahrt, nicht doch eine komplette Abteilung für kurze Zeit schließen zu müssen. Wir können diese kurzen Ausfälle bis dato aber noch ganz gut abfangen, hoffen aber natürlich, dass dieses Szenario nicht allzu häufig eintrifft. Als Rathaus-Chefin lege ich größten Wert auf die penible Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und gehe Verstößen dagegen auch nach.
Der Tourismusort Garmisch-Partenkirchen steht vor der wichtigen Skisaison. Befürchten Sie einen erneuten Lockdown?
Ja, das befürchte ich, ganz einfach deshalb, weil es bei weiter steigenden Inzidenzen keinerlei andere Möglichkeit mehr gibt, um dem Kollaps unseres Klinikums zu entgehen. Daher mein erneuter Appell: Denken Sie an sich und die anderen. Lassen Sie sich impfen.

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