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Einen Blick auf die Berge bietet das Zugspitz-Restaurant Panorama 2962.

Neue Gastronomie auf dem Gipfel

Auf der Zugspitze geht‘s aus der Steinzeit ins 21. Jahrhundert

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Sechs Millionen Euro investiert die Bayerische Zugspitzbahn in die neue Gastronomie auf Deutschlands höchstem Berg. Und krempelt damit alles um. Ab Sonntag, 1. Juli, werden die Gäste bewirtet. Das Probekochen hat schon mal funktioniert.

Garmisch-Partenkirchen – Nicht so lange her, da bekam Matthias Stauch zu Hause eine neue Küche. Samt neuer Geräte. „Den Herd hab’ ich erst gar nicht anbekommen.“ Funktioniert ja heutzutage alles anders, alles ist Hightech. Stauch lacht. Wenn er schon mit dem Induktionsherd daheim so seine Anfangsschwierigkeiten hat – der Kaufmännische Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) will nicht in der Haut der Mitarbeiter stecken, die sich aktuell auf der Zugspitze mit der top-modernen Ausstattung vertraut machen. Sie studieren Betriebsanleitungen, lassen sich einweisen. „Wir wechseln gleichsam von der Steinzeit ins 21. Jahrhundert.“ Stauch formuliert’s überspitzt, macht damit aber deutlich, wie viel sich bei Deutschlands höchster Gastronomie in den vergangenen Monaten verändert hat. Quasi alles. Ab 1. Juli stehen die vielfältigen Angebote im Restaurant „Panorama 2962“ den Besuchern offen. Stauch verspricht: Sie werden staunen. Und sich nicht mehr auskennen.

Oft hat er die Baustelle auf der Zugspitze besucht. Im vergangenen Jahr wegen des Neubaus der Seilbahn Zugspitze. Ab dem 8. Januar wegen der Arbeiten für die neue Gipfelgastronomie. Jeden Fortschritt verfolgte Stauch. Und steht immer wieder oben – fassungslos. Im besten Sinn. „Es ist ein Wahnsinn, was dort in den vergangenen Monaten entstanden ist – quasi aus einer Ruine.“

Seit 1963 „hat man nur rumgebastelt“. Bis jetzt. Das alte Gebäude wurde entkernt und saniert. Überraschungen inklusive. Leitungen verliefen nicht da, wo sie die Arbeiter vermutet hatten, Isolierung fehlte, wo eine hätte sein sollen, Feuchtigkeit trat auf, wo man sie nicht gebrauchen konnte. Kostentechnisch gibt sich Stauch dennoch zuversichtlich. Sechs Millionen Euro hatte die BZB für das Projekt eingeplant, zu dem auch unter anderem neue Toilettenanlagen gehören. „Ich bin guten Mutes, dass wir eine Punktlandung hinbekommen.“ Es wäre die zweite nach dem Bau der Seilbahn Zugspitze, für die 50 Millionen einkalkuliert waren. Dabei blieb es.

Ursprünglich war geplant, mit dem Budget das Sonnalpin auf dem Zugspitzplatt zu erneuern. Doch widmeten sich die Verantwortlichen zuerst lieber dem Gipfel. „Wir haben eine super Bahn – da muss das Außenherum auch passen.“

Stauch redet das bisherige gastronomische Angebot auf der Zugspitze nicht schön. Die Gäste, sagt er, „waren nicht gerade verwöhnt“. Damit meint er nicht die fünfmonatige Bauzeit, in der Besucher nur auf dem Platt bewirtet wurden. Oft waren im regulären Betrieb Gipfelalm und Panoramalounge mit 300 Sitzplätzen samt Biergarten mit weiteren 140 überfüllt. Künftig finden auf der Terrasse rund 850 Gäste Platz, 450 im Innenraum.

Viel wird sich für die rund 80 BZB-Mitarbeiter in der Gastronomie ändern. Bislang stellte sie die Bewirtung vor logistische Herausforderungen. Eine geräumige Kühlung, Lagerräume oder eine Großküche – bislang Fehlanzeige auf dem Gipfel. Für Veranstaltungen wurden Speisen im Sonnalpin vorbereitet und in der Gondel hinaufgefahren. Die meisten Lebensmittel bringt weiterhin die Zahnradbahn: erst aufs Platt, dann mit der Gletscherbahn auf den Gipfel. Doch mit einem neuen Lager an der Talstation der Seilbahn Zugspitze und der Bahn selbst „haben wir die Möglichkeit, schneller zu reagieren“, sagt BZB-Sprecherin Verena Lothes. Auch das Liefern von frischen Produkten wie Obst und Gemüse wird erleichtert.

Ins Schwärmen bringt Lothes wie Stauch die neue Optik. Dazu gehört ein Gemälde in der Kaffeebar von Illustratorin Ameli Neureuther. Das Gesamtpaket überzeugt Stauch. „Wahnsinn.“ Dieses Wort benutzt der Vorstand im Gespräch über die Gipfelgastronomie oft. Auch, als es um die Leistung der Arbeiter geht. Zum Teil werkelten 40 Gewerke gleichzeitig auf der Baustelle. „Es wuselte wie im Ameisenhaufen.“ Großes Lob spricht er allen Beteiligten aus. Nur dank ihnen habe man den ehrgeizigen Zeitplan eingehalten.

Stauch zweifelt nicht daran, dass das Team auch die technischen Herausforderungen bewältigt. Bei einer internen Eröffnungsfeier samt Probekochen für etwa 300 Mitarbeiter und Helfer jedenfalls hatte es die Hightech-Geräte im Griff. Das Essen überzeugte Stauch und Lothes. Und an den Schankanlagen, sagt der Vorstand, kam Cola raus, wo Cola draufstand – und kein Rotwein.

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