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Einige Großveranstaltungen hat Thomas Kirchleitner erlebt. Besonders in Erinnerung bleibt ihm der G7-Gipfel 2015. Fernsehauftritte wurden da zur Routine.

Beförderung ins Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Auftrag erledigt: Thomas Kirchleitner verlässt Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen

  • Katharina Bromberger
    VonKatharina Bromberger
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Thomas Kirchleitner verlässt die Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. Über neun Jahre lang hat er sie geleitet. Nun wurde er ins Präsidium nach Rosenheim befördert. Der 57-Jährige geht mit einem guten Gefühl. Und auch gerne. Es ist an der Zeit.

Garmisch-Partenkirchen – Minus 28 Grad. Thomas Kirchleitner überprüft die Temperaturanzeige im Polizeiwagen noch einmal. Das macht’s nicht besser, wärmer wird’s nicht. Minus 28 Grad. Na, sauber. Kein erfreulicher Einsatz für einen, der die Kälte nicht leiden kann. Der Sonne, Meer und Strand im Urlaub braucht, und nicht für viel Geld nach Norwegen reisen würde. Jetzt muss er da in die Gefriertruhe an der Kandahar. Als Leiter der Inspektion Garmisch-Partenkirchen und Sicherheitsverantwortlicher kann er den Ski-Weltcup nicht schwänzen. Käme für ihn auch niemals in Frage.

Was Kirchleitner macht, macht er zu 100 Prozent. Akurat, pflicht- und verantwortungsbewusst. Neuneinhalb Jahre hat der 57-Jährige nach diesen Prinzipien die Inspektion geleitet. Zum 1. November wechselt er ins Präsidium nach Rosenheim. Dort leitet er künftig für den Zuständigkeitsbereich von Oberbayern Süd das Sachgebiet Ordnungs- und Schutzaufgaben sowie Verkehr. Die Ernennung – für Kirchleitner eine Ehre und hohe Wertschätzung. Zudem ein großes Glück. Denn es ist für ihn „an der Zeit, zu gehen“. Seinen Wunschkandidaten hat auch das Präsidium als Nachfolger vorgeschlagen. Dem muss allerdings erst noch das Innenministerium zustimmen. 

Für die Ski-Weltmeisterschaften 2010 gekommen

2010 kam der Polizeidirektor von der Dienststelle Traunstein in die Marktgemeinde. Die Ski-Weltmeisterschaften 2011 standen an, man brauchte einen Fachmann. Zudem bekam er den Auftrag, das Verhältnis zu Behörden, Presse und intern zu verbessern. Auftrag erledigt, sagt Kirchleitner. Auch wenn er daran nicht immer geglaubt hat.

Einsatzbesprechung. Alle sitzen zusammen, die für die Sicherheitslage während der Ski-WM verantwortlich sind. Einen von vielen Punkten diskutiert die Gruppe gerade, einige – wichtige – Punkte stehen noch an. Da erhebt sich einer. Er müsse jetzt gehen. Müsse zum Aldi. Einkaufen. Die Frau habe ihm eine Liste geschrieben. Kirchleitner fiel vom Glauben ab. Hatte er gerade richtig gehört? Hatte er. „So kann man doch nicht arbeiten“, sagte er damals und sagt er heute. Mit diesem einen Auftritt verstieß der Mann gegen zwei Kirchleitner-Gebote: Professionalität und Teamwork.

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Kirchleitner schwärmt von seinem Team bei der Polizei in Garmisch-Partenkirchen

Ein paar Menschen traf er, die diese Regeln erst lernen mussten. Manche lernten sie nie. Denen weint er nicht nach. Seiner Mannschaft schon. „Toll, toll, toll.“ Nur eine von vielen positiven Eigenschaften, die er den über 50 Beamten seiner Inspektion zuschreibt. Das Klima nennt er sensationell, das Engagement herausragend. Nur mit einem solchen Team lassen sich in seinen Augen Veranstaltungen wie Ski-WM, Neujahrsspringen, Weltcup und G7-Gipfel, in den die ortskundigen Beamten entscheidend eingebunden waren, auf einem solch hohen Niveau stemmen. Hinzu kommt die tägliche Arbeit, für den Chef mindestens genauso wichtig.

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„Massig Dankschreiben“ erhalten die Kollegen. Kirchleitner sieht das als Zeichen dafür, dass sie sich als „Bürgerpolizei“ verstehen. Für ihn ein entscheidendes Wort, schließlich sei man für die Bürger da. Nur haben das seiner Meinung nach manche Behörden und Einrichtungen noch nicht verstanden. „Sie schieben die Arbeit weg, anstatt sich zu kümmern.“

Kirchleitner geht gerne - aber die Hotelgutscheine sind schon gekauft

Auch wenn er das Team vermissen wird – er geht gerne. Zu viele Abende hat er in der kleinen Wohnung, seinem Zweitwohnsitz, verbracht, zu wenige in seiner Heimat am Tegernsee. Mit Blick auf die Berge, bei seiner Familie, seiner Frau und den drei Töchtern. Gerade die Jüngste, 17, „braucht ihren Papa“. Und umgekehrt, auch wenn er das so nicht ausspricht.

Im Sommer 2016 begann Kirchleitner zu grübeln. Von einer Minute auf die andere war alles anders. Er musste am Herzen operiert werden. Fünf Monate fiel er aus. Noch länger dauerte es, bis er wieder ganz gesund war. „So etwas macht demütig.“ Mehr denn je wurde ihm bewusst: „Die Zeit ist ein wertvolles Gut.“ Die Jahre in Garmisch-Partenkirchen bereut er nicht. Bald wird er wiederkommen. Beruflich, weil er unter anderem für Großveranstaltungen zuständig ist. Und privat. Zwei Hotel-Gutscheine, jeweils drei Tage in Grainau und in Garmisch-Partenkirchen, hat er schon gekauft. Einlösen wird er sie mit seiner Frau wohl im Sommer.

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