Weil ihm das Lehrlingsgehalt nicht reicht

Azubi verscherbelt Ersatzteile seiner Firma heimlich auf Ebay

Um seiner Leidenschaft, dem Auto-Tuning, zu frönen reichte sein Lehrlingsgehalt nicht. Deshalb entwendete ein 21-Jähriger Computer-Ersatzteile und verkaufte sie bei Ebay. Dafür wurde er nun zu 800 Euro Geldauflage verurteilt.

Garmisch-Partenkirchen – Wenn man ein teures Hobby wie Auto-Tuning hat, jedoch als Lehrling nur 600 Euro im Monat verdient, kann es schon sein, dass man auf „dumme Gedanken“ kommt. So erging es auch einem 21-Jährigen in einer Garmisch-Partenkirchner Firma, die sich mit Computern beschäftigt: Im Laufe des vergangenen Jahres entwendete er aus dem Lager des Betriebs immer mal wieder allerlei wertvolle Ersatzteile und machte sie zu Bargeld, indem er sie per Ebay verscherbelte.

Insgesamt kam er so zu rund 1200 ergaunerten Euro, ehe er infolge eines Fehlers aufflog und jetzt auf der Anklagebank im Amtsgericht landete. Jugendrichter Andreas Pfisterer verurteilte ihn dafür jetzt zu einer Geldauflage von 800 Euro – das aber nur, nachdem sich der junge Mann verpflichtet hatte, die 1200 Euro in vier Raten an seinen früheren Arbeitgeber zurückzuerstatten.

Auf die Diebstahlsserie des Lehrlings sei dessen Chef nur durch einen Fehler des aus einem Loisachtal-Dorf stammenden 21-Jährigen gekommen, sagte der Richter: Die Verkaufs-Arrangements mit Ebay habe er nämlich leichtfertigerweise ausgerechnet am Computer seines Arbeitgebers abgewickelt, dem die Machenschaften auffielen. Geständnis, Entlassung und Strafanzeige waren prompt die Folge. Staatsanwältin Dr. Martina Reiser zählte in der Anklage penibel auf, welche Computer-Bestandteile er sich zwischen 1. Januar und 16. September 2016 in den insgesamt acht Diebes-Fällen zugeeignet hatte: einen Laptop ebenso wie eine Grafikkarte, acht Festplatten, ein Telefon und auch einen gebrauchten Computer. Zusammen hatten diese Teile einen Gesamtwert von 1178 Euro.

Vor Gericht räumte der junge Mann, der von Anwalt Michael Röhrig verteidigt wurde, sofort alle Diebstähle ein. Weil er seiner Mutter Schulden zurückzahlen habe müssen und obendrein mit dem Auto-Tuning ein teures Hobby hatte, habe er sich zu den Eigentumsdelikten hinreißen lassen. Ein Vergehen, das er jetzt überaus bedauerte: „Ich bereue die Diebstähle sehr, habe aber erst hinterher darüber nachgedacht, wie unverschämt es eigentlich war, meine Ausbildungsfirma zu bestehlen.“

Prompt ging er dann auch auf den Vorschlag des Richters ein, die Schadenssumme mithilfe eines zivilrechtlichen Vergleichs zurückzuerstatten: In vier Monatsraten trägt er jetzt die 1200 Euro Schulden, die er durch seine acht Taten bei seiner Firma aufgehäuft hat, ab. Was er durchaus kann, denn ausgelernt verdient er nunmehr im Monat 2000 Euro. Doch weil es sich dabei ja nur um die Rückzahlung von Schulden handelt, gab’s obendrein auch eine Jugendstrafe: Der 21-Jährige muss an den Kreisjugendring eine Geldauflage von 800 Euro zahlen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa Symbolbild

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