790 Kinder wurden heuer schon in Garmisch-Partenkirchen geboren. 

Geburtshilfe in der Komfortzone

Baby-Boom am Klinikum Garmisch-Partenkirchen

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Über 1000 Kinder werden wohl heuer im Klinikum Garmisch-Partenkirchen geboren. So viele wie noch nie. Die dreimonatige Schließung der Geburtshilfe am Krankenhaus Weilheim hat jedoch kaum Einfluss auf diese Zahlen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Hebammen schlagen Alarm – in München, wo vom nahenden Kollaps der Geburtshilfe die Rede ist. Auch vom Weilheimer Krankenhaus gibt’s Hiobsbotschaften. Die Station schließt im Oktober für drei Monate. Aus Mangel an fachkundigen Mitarbeitern. Werdende Mütter sollen in einer der umliegenden Kliniken entbinden. Zustände, die Dr. Rainer Wahl völlig fremd sind. „Im Vergleich dazu stehen wir recht komfortabel da“, sagt der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Damit spielt er auf die Ausstattung an Mitarbeitern an und auf die Nachfrage. Seit seine Abteilung umgebaut wurde, steigt diese kontinuierlich. Im vergangenen Jahr erblickten 939 Buben und Mädchen an der Auenstraße das Licht der Welt – zum Vergleich: 2015 waren es noch 773 gewesen. „Heuer werden wir wohl die 1000 überschreiten“, prognostiziert Wahl. Eine Vorhersage, die realistisch scheint. Bis Ende September wurden bereits 790 Kinder geboren.

Durch die dreimonatige Schließung der Weilheimer Geburtshilfe erwartet Wahl keinen eklatanten Anstieg. Zumal sich die Zahlen der Kollegen aus dem Nachbar-Landkreis deutlich von seinen unterscheiden. 186 Babys wurden dort bis August geboren, im Schongauer Krankenhaus waren es 303. Die Frauen, die sich nun eine Alternative überlegen müssen, werden nicht allein nach Garmisch-Partenkirchen ausweichen. „Das verteilt sich auch noch auf Starnberg, Wolfratshausen und Schongau“, betont Wahl. Bislang hätten sich zehn werdende Mütter in seiner Station erkundigt. „Ich denke nicht, dass es sehr viel mehr werden.“ Wenn doch, hat der Chefarzt keinen Zweifel, auch das mit seinem Team stemmen zu können. „Bei uns wird niemand weggeschickt, was in München inzwischen an der Tagesordnung ist.“

In Garmisch-Partenkirchen stehen die Zeichen vielmehr auf Erweiterung. Vier neue Pflegekräfte fangen zum 1. Oktober an und unterstützen die 19 Mitarbeiter, von denen einige Teilzeit arbeiten. Zwei Hebammen (aktuell: 12) – „wir sind aber weiter auf der Suche“, unterstreicht Wahl – und zwei Ärzte (aktuell ebenfalls 12) haben bereits im Lauf des Jahres auf seiner Station begonnen. Auch die Bettenkapazität wurde von 18 auf 26 erhöht. Im kommenden Jahr wird zudem der Stationsstützpunkt verlegt, so dass für die Mütter und ihren Nachwuchs noch mehr Platz zur Verfügung steht. Dafür wird Klinikumssprecherin Gudrun Stadler zufolge eine mittlere fünfstellige Summe in die Hand genommen.

All diese Bemühungen zahlen sich aus. Davon ist Wahl überzeugt. Und das belegen auch die Zahlen. Immer mehr Frauen aus den Nachbar-Landkreisen zieht es nach Garmisch-Partenkirchen. „Wir merken auch, dass die Asklepios Stadtklinik Bad Tölz ihre Entbindungsstation geschlossen hat.“ Dazu kommt, dass vielen werdenden Eltern die direkte Anbindung an eine Kinderklinik, die an der Auenstraße und dann erst wieder in Starnberg gegeben ist, wichtig ist. Auch das ist ein Pluspunkt fürs hiesige Mutter-Kind-Zentrum.

Dort gehen Wahl und seine Kollegen „einer großartigen Aufgabe nach“, sagt er. „Vor allem das Ergebnis ist immer ein schönes.“ Auch die erfahrenen Mediziner, Hebammen und Pflegekräfte sind ihm zufolge nach wie vor fasziniert von den kleinen Wundern, denen sie auf die Welt helfen.

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