Keine Vorwarnung für die Betroffenen

Lärm mitten in der Nacht: Anwohnerin kritisiert Deutsche Bahn

Laut und hell: Eine Familie aus Garmisch-Partenkirchen wurde nachts aus dem Schlaf gerissen. Die Deutsche Bahn hat am Bahnhof gewerkelt, allerdings ohne die Anwohner zu informieren. 

Garmisch-Partenkirchen – Auf einmal war es nur noch laut. Mitten in der Nacht. Um zwei Uhr morgens. Barbara Mayr-Hellweger (64) kannte sich gar nicht mehr aus, als sie plötzlich aus dem Schlaf gerissen wurde. Kerzengerade saß sie im Bett. Doch nicht nur ihr ging es so. Auch ihr Mann Helmut (67) und ihre Tochter samt Schwiegersohn wurden von dem schrecklichen Lärm wach. Die sechsjährige Enkelin Luisa lief verstört umher, erinnert sich die Garmisch-Partenkirchnerin. „Es war schrecklich.“ Mayr-Hellweger, die am Wannerweg – also nur wenige Häuser vom Garmisch-Partenkirchner Bahnhof entfernt – lebt, verstand die Welt nicht mehr. Grelles Licht drang in die Fenster ihrer Wohnung hinein. „Taghell war es“, sagt sie. Was um Himmels Willen war passiert?

Das helle Licht stammt offenbar von grellen Scheinwerfern am Bahnhof. Der Lärm von Bauarbeiten. Auf Tagblatt-Nachfrage bei der Pressestelle der Deutschen Bahn teilte eine Sprecherin mit, dass „routinemäßige Instandhaltungsarbeiten“ in der Nacht am Bahnhof stattgefunden hätten. Genau genommen war „eine sogenannte Stopfmaschine im Einsatz“, heißt es im Schreiben. Diese Maschinen sind mehrere Tonnen schwer, fahren auf den Gleisen und sorgen dafür, dass der Schotter des Betts stabilisiert wird, damit die Gleise in der richtigen Richtung liegen. Dabei kann es offenbar auch mal lauter werden. Zu laut für die Anwohner, wenn es nach Mayr-Hellweger geht. Sie ist sich sicher, dass auch sonst in der Nachbarschaft niemand mehr ein Auge zumachen konnte. „Ich finde, das ist eine Unverschämtheit“, sagt sie. „Warum wird nachts gewerkelt?“

Keine Vorabinformation an die Anwohner

Dies hat nach Aussage der Deutschen Bahn einen Grund: Arbeiten wie diese müssen in der Sperrpause getätigt werden – eben dann, wenn gerade keine Züge fahren. Das sieht Mayr-Hellweger ein. Weniger verständlich findet sie jedoch, dass sie und die restlichen Anwohner vorab nichts darüber wussten. „Wir müssen uns doch darauf einstellen, wenn es am Abend so laut wird“, betont sie. Für die Unannehmlichkeiten bittet die Deutsche Bahn um Entschuldigung. „Da es sich um kurzfristige Arbeiten im Rahmen der routinemäßigen Instandhaltung handelte, gab es keine Vorabinformation an die Anwohner“, teilt die Sprecherin mit. Im Vorfeld wurde in einem Fahrplan immerhin auf die Gleisarbeiten hingewiesen, da sich dadurch auch die Fahrzeiten zwischen München und Mittenwald verschoben haben. Mayr-Hellweger und ihre Familie hätten sich jedoch gewünscht, dass sie extra angeschrieben worden wären. „Das wäre schon das Mindeste gewesen.“

Die Kosmetikerin und Yogalehrerin findet die Aktion seitens der Deutschen Bahn nicht nur dreist, sondern auch gefährlich. „Stellen Sie sich vor, jemand ist krank oder hat ein schwaches Herz“, betont sie. „Das könnte auch ins Auge gehen.“ Als Anwohnerin des Bahnhofs ist sie gewohnt, dass es dann und wann lauter sein kann. „Damit müssen wir leben.“ Das nächste Mal will sie jedoch vorgewarnt werden, wenn sie nachts wegen Bauarbeiten auf ihren Schlaf verzichten muss. „Weil so geht es wirklich nicht.“

Magdalena Kratzer

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Abschied von Pfarrer Bartholomäus Sanftl
Er gehörte zum Soier Dorfleben dazu, brachte sich ein, gestaltete mit. Nun ist Pfarrer Sanftl mit 86 Jahren gestorben. 
Abschied von Pfarrer Bartholomäus Sanftl
Mure am Hechendorfer Berg: Hubert Mangold ist gegen den Münchner Weg
Nach Abgang der Riesenmure vor zwei Jahren am Hechendorfer Berg gibt es immer noch kein schlüssiges Konzept. Eines stellt das Bayerische Umweltministerium in München in …
Mure am Hechendorfer Berg: Hubert Mangold ist gegen den Münchner Weg
„Breiten“: Das nächste Baugebiet für Häuslebauer
Bebauungsplan Breiten: Gemeinde will ins beschleunigte Verfahren um Häuslebauer anzuziehen. Planungshürden fallen weg.
„Breiten“: Das nächste Baugebiet für Häuslebauer
Aufgspuit: Volksmusiktreff im Murnauer Moos
Zum elften Mal heißt es im Murnau „Aufgspuit“. Zu Gast bei dem beliebten Volksmusikereignis sind wieder zahlreiche Gruppen aus Oberbayern und Österreich.
Aufgspuit: Volksmusiktreff im Murnauer Moos

Kommentare