Wann geht‘s auf der Baustelle weiter?

Bebauungsplan Bahnhofsareal: Streit um Betten und Wohnungen

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Die Entscheidung des Bauausschusses, den Bebauungsplan für das Bahnhofsareal in eine Süd- und Nordhälfte zu trennen, könnte Rechtssicherheit schaffen. Allerdings darf Investor Franz Hummel trotzdem nicht loslegen. Die Verzögerungen haben ihn nach eigenen Angaben schon viel Geld gekostet.

Garmisch-Partenkirchen – Die Stimmung: alles andere als entspannt. Das Thema: besonders heikel. Das Urteil des Bayerische Verwaltungsgerichtshofs in der vergangenen Woche, den Bebauungsplan für das Bahnhofsareal außer Vollzug zu setzen (wir berichteten), hat Spuren hinterlassen. Bei allen Beteiligten. Bei Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), der Verwaltung und bei Investor Franz Hummel. Wie diffizil das Thema ist, zeigt, dass zur Rechten Meierhofers in der Montagsitzung des Bauausschusses Anwalt Dr. Jürgen Busse saß, der die Gemeinde auch in Sachen Leifheit berät. Hummel war mit seiner Entourage samt Dr. Wolfgang Würfel, dessen Spezialgebiet Verwaltungsrecht ist, angerückt. Und mittendrin die Kommunalpolitiker, die in vielen Punkten hin- und hergerissen und getrieben waren. Bauamtsleiter Jörg Hahn drängte auf eine schnelle Entscheidung, „die aber rechtssicher sein muss“. Unter großen Mühen gelang es den Parteien, eine Lösung zu finden, die hoffentlich auch den Verwaltungsgerichtshof in einer möglichen Hauptverhandlung zufriedenstellt. Der Bebauungsplan wird in eine Nord- und Südhälfte geteilt. Busse hatte diesen Weg empfohlen, „damit wir Rechtssicherheit schaffen“.

Der Stil der Sitzung hat Hummel und seine Mitarbeiter entsetzt

Mit dem Ergebnis kann Hummel womöglich leben, der Stil, wie die Sitzung abgegangen ist, hat ihn und seine Mitarbeiter „entsetzt“. Vor allem der Versuch, sein Unternehmen dazu zu zwingen, im nördlichen Teil statt Ferienwohnungen öffentlich geförderte Wohnungen – umgangssprachlich Sozialwohnungen – neben dem Gleiskörper zu errichten, gefiel ihm nicht. „Die gehören an diese Stelle nicht hin.“ Familien mit Kindern sind im Umfeld eines Spielcasinos und einer Tabledance-Bar Hummel zufolge „fehl am Platz“. Bei der SPD hatte man damit weniger Bedenken. Meierhofer plädierte dafür, weil schon allein für die Fehlbeleger unter den Flüchtlingen Wohnungen in Zukunft benötigt würden, wenn diese die Asylunterkünfte verlassen müssen. Ursula Höger verstieg sich zu der Behauptung, der Qualitätsanspruch von Menschen, die in Sozialwohnungen leben, sei nicht so hoch. Ob sie sich der Tragweite ihrer Worte bewusst war? Hummel machte klar, dass Sozialwohnungen für ihn „lukrativer und risikoloser wären. Bauen will ich sie trotzdem nicht“.

Zu viele Betten in Ferienwohnungen zu wenige in Hotels

Wasser auf die Mühlen der Befürworter für ein Budget-Hotel, das die CSU-Mitglieder Hannes Biehler und Alois Maderspacher favorisierten, war ein Schreiben von Tourismus-Chef Peter Ries. In dem weist er darauf hin, dass es in Garmisch-Partenkirchen schon heute zu viele Betten in Ferienwohnungen gebe und zu wenige Hotelbetten. Ein Hotel an dieser Stelle: für Hummel ein Ding der Unmöglichkeit. „Zu wenig Platz und wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Als Meierhofer über öffentlich geförderte Wohnungen oder Ferienwohnungen abstimmen ließ, schlug sich das Gros des Ausschusses mit 7:4-Stimmen auf Hummels Seite.

Hummel ist frustriert davon, wie die Dinge gelaufen sind

Auch diese Entscheidung konnte ihn nicht froh machen. Zu viel Unerfreuliches ist geschehen. Seine Baustelle ruht. „Wir sind eineinhalb Jahre zu spät dran“, sagte er. Was vorgefallen ist, nennt er „den Super-GAU“. Die Verzögerung koste ihn „enorm viel Geld“ und er sehe sich Schadenersatzforderungen gegenüber. Die Kräne, die bestellt waren, liegen in München, die Arbeiter mussten in Urlaub geschickt werden. „Ich kann den Kopf dafür hinhalten.“ Hummel rechnet damit, dass auf der Baustelle bis November oder Dezember nichts passiert. Er ist frustriert davon, wie die Dinge gelaufen sind. „Wenn ich das alles gewusst hätte, hätte ich es nicht gemacht. Aber ich ziehe das jetzt durch.“

Rubriklistenbild: © Sehr Archiv

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