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Nur das Hostel entsteht bislang auf dem Areal zwischen Bahnlinie und Lagerhausstraße.

„Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen.“

Bahnhofsareal: Investor Hummel enttäuscht und frustriert

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Der Knackpunkt sind die Abstandsflächen. Die hat Investor Franz Hummel im Bereich des Ferienwohnungskomplexes, der am Garmisch-Partenkirchner Bahnhof entstehen soll, nicht eingehalten. Bei Gesprächen im Vorfeld hatte die Verwaltung dieses Manko jedoch nie angemahnt.

Garmisch-Partenkirchen– Ein gewaltiges Stimmen-Wirrwarr, hitzige Debatten auf den Zuschauerplätzen, völliges Durcheinander am Tisch – was sich jüngst im Bauausschuss abgespielt hat, erinnerte an einen orientalischen Basar. Die Versuche von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), für Ordnung zu sorgen, verhallten. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Franz Hummel. Der Investor, der das Bahnhofsareal in Garmisch-Partenkirchen entwickelt, ist fassungslos. Auch noch, als er schon über das Geschehen im Garmisch-Partenkirchner Rathaus geschlafen hat. Allen Vorgesprächen mit Bürgermeisterin und Verwaltung zum Trotz „haben sie mich ins offene Messer laufen lassen“. Somit muss er seine Pläne für den Bereich, der an den Bahnhofsvorplatz grenzt, an drei Stellen überarbeiten. Zum wiederholten Mal. Ob sein Konzept auch dann noch aufgeht? Fraglich.

Hat schon Millionen in das Bahnhofsareal gesteckt: Franz Hummel.

Der Stein des Anstoßes waren die Abstandsflächen. Die sind im Umgriff des Ferienwohnungskomplexes, der an Stelle der Kletterhalle entstehen soll, zu gering. Angrenzend an das Hostel, das schon gebaut wird, hatte sich Hummel bereits im nicht-öffentlichen Teil auf eine Reduzierung des Baukörpers eingelassen. „Das heißt, die Abstandsflächen vergrößern sich hier von 7 auf 13 Meter“, verdeutlichte Bauamtsleiter Jörg Hahn den Inhalt der Einigung. Ein ähnliches Vorgehen galt es nun auf der Bahnseite zu erreichen. Damit tat sich der Bau-Unternehmer allerdings sehr schwer. „Wir verlieren immer mehr Baurecht“, bedauerte er. Für ihn ein Unding: „Da schießen wir uns auch architektonisch ins Knie.“ Dazu kommen die enormen Verpflichtungen, die er in dem neuen, vorhabenbezogenen Bebauungsplan 119 „südlich des Bahnhofvorplatzes, östlich der Bahnlinie Garmisch-Partenkirchen-Mittenwald und westlich der Lagerhausstraße“ eingehen muss. Dieser entspricht dem früheren nördlichen Teil des Bebauungsplans 112, den das Bayerische Verwaltungsgericht außer Kraft gesetzt hat. Die entscheidende Änderung in dem neuen Plan: Das Gebäude der Phoenix AG, in dem neben dem Sausalitos eine Tabledance-Bar, weitere Gastronomie und eine Spielhalle untergebracht sind, ist kein Bestandteil mehr. Die Sorge, dass ihr Grundstück ansonsten erheblich an Wert verliert, hatte die Besitzer veranlasst, juristische Schritte einzuleiten. Mit Erfolg. Markt und Bauträger mussten umplanen.

Hummel muss zum dritten Mal umplanen

Mit dem Ergebnis konnte sich Hummel angesichts der Diskussion um die Abstandsflächen nicht anfreunden. Im Bauausschuss fand er aber keine Gnade. Mit 8:3-Stimmen legte dieser fest, dass er die erforderlichen Grenzen einhalten muss. „Wie er das macht, ist uns egal“, betonte Meierhofer. Schuld an der Misere ist Hannes Biehler (CSU) zufolge, dass Hummel sein Baurecht stets bis aufs Äußerste ausreizt. Genau das müsse er, betonte Florian Hilleprandt (CSB): „Das ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit.“ Ursula Höger (SPD) ging’s aber „nicht allein um die Gewinnmaximierung des Bauträgers“. Entscheidend für sie ist der Gebietscharakter. Ein Argument, das Hummel nicht ganz nachvollziehen konnte: „Wir passen uns doch nur der Umgebung an.“

Seine Einwände liefen ins Leere. Somit muss Hummel in den sauren Apfel beißen und sein Gebäude mit 42 Ferienwohnungen inklusive Büro für den Betreiber noch einmal umplanen – zum dritten Mal. An der Gastronomie, die im Anschluss an die frühere Güterabfertigung entstehen soll, kann er nämlich nicht rütteln. „Das sind 270 Quadratmeter“, sagt er. „Reduzieren wir das, funktioniert’s nicht mehr.“ Somit wird der L-förmige Ferienwohnungs-Komplex überarbeitet. Drei Wochen haben er und seine Planer dafür Zeit. „Liegen die Entwürfe dann nicht vor, wird das Verfahren gestoppt.“ Mit der Schlussfolgerung, dass er heuer nicht mit dem Bau beginnen könnte.

Investor: „Eigentlich kann man nur jedem empfehlen, die Finger von Garmisch-Partenkirchen zu lassen.“

Eine ungute Situation, die Hummel frustriert. „Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen.“ Nachdem aber schon einige Millionen Euro in diesem Projekt stecken, macht er weiter. Die Art und Weise, wie das Verfahren abläuft, enttäuscht ihn aber zutiefst. „Man kann sich auf nichts verlassen“, meint er angesichts mehrerer Gespräche im Vorfeld. Das Dilemma mit den Abstandsflächen hätte man eigentlich schon klären können. Wenn dieses Vorgehen belegt, wie die Marktgemeinde Wirtschaftsförderung betreibt, „dann gute Nacht“, sagt Hummel. „Dann kann man eigentlich nur jedem empfehlen, die Finger von Garmisch-Partenkirchen zu lassen.“ Wertschätzung für das, was er am Bahnhof schaffen will, erkenne er jedenfalls nicht. „Ich war anfangs sehr optimistisch“, erinnert er sich. Seine Zuversicht ist längst verflogen. Motivation schöpft er vor allem noch aus den künftigen Nutzern seiner Gebäude, wie dem Deutschen Jugendherbergswerk, das das Hostel betreiben wird, oder dem Klinikum, das Wohnungen für seine Angestellten braucht. „Sie alle warten darauf, dass hier etwas vorwärts geht.“ Auch deshalb macht er weiter. Aus dem Erlebten „ziehe ich aber Schlüsse für die Zukunft“.

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