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Ort des Anstoßes: die Parkplätze vor dem Eingang des Klinikums.

Klinikumspläne ausgebremst

Bauausschuss fordert Parkhaus statt Parkharfen

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Parkplätze oder Parkhaus: Der Garmisch-Partenkirchner Bauausschuss hat sich mit großer Mehrheit für ein Parkhaus in der Nähe des Klinikumseingangs ausgesprochen – und mit dieser Entscheidung nicht nur das Krankenhaus kalt erwischt. Auch die Bürgermeisterin wirkte brüskiert.

Garmisch-Partenkirchen/Landkreis – Als Bernward Schröter vor drei Jahren zu seinem Bewerbungsgespräch ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen kam, stellte er sein Auto am Parkplatz vor dem Krankenhaus ab. Sein erster Gedanke auf dem Weg über die Stellflächen zum Eingang: Falls ich den Job kriege, muss dieser schlimme Zustand schnell geändert werden. Schröter hat den Posten als Geschäftsführer bekommen und wollte heuer seinen Entschluss in die Tat umsetzen lassen, weil er die Verhältnisse, die herrschen, auch heute noch für eine „Zumutung“ hält. Doch daraus wird nichts. Zunächst einmal. Der Bauausschuss des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats, der zu einer Stellungnahme über Parkplatz und Eingangspark aufgefordert war, hat den Bau der geplanten Parkharfen gestoppt, weil er sein Einvernehmen nicht erteilte. Und dabei gleichzeitig Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die eine positive Entscheidung anstrebte, schlecht aussehen lassen.

Während Meierhofer die Zustimmung zu dem Projekt geben wollte, legte das Gros der Gremiumsmitglieder mit 8:2-Stimmen – Alois Maderspacher, Hannes Biehler und Claus Gefrörer (alle CSU), Andreas Grasegger (Bayernpartei), Walter Echter und Franz Buchwieser (beide CSB), Josef Angelbauer (Freie Wähler) und Dr. Stephan Thiel (Grün-Unabhängigen Fraktion) – sein Veto ein. Lediglich Parteifreund Harald Helfrich stand unerschütterlich an der Seite der Bürgermeisterin, die über den Ausgang nicht erfreut schien und brüskiert wirkte. „Ich war schon etwas überrascht, weil diese Angelegenheit im Bauausschuss schon zweimal vorbehandelt wurde“, sagt sie auf Tagblatt-Anfrage.

Das Klinikum liegt der Ärztin Meierhofer am Herzen. Sie sitzt im Aufsichtsrat. Herbeigeführt hatte die Niederlage der Rathaus-Chefin CSU-Stratege Maderspacher im Schulterschluss mit Bauamtsleiter Jörg Hahn. Beide sprachen sich für ein Parkhaus aus, statt ausschließlich Parkharfen, die der Klinikums-Plan vorsieht. „Dadurch werden zu viele Flächen versiegelt“, sagte Maderspacher und erntete Hahns Zustimmung. Der Beschluss der Kommunalpolitiker fordert jetzt ausdrücklich, die Parkplätze zu entsiegeln und zu begrünen. Dass zusätzliche Stellflächen bitter notwendig sind, zeigt sich jeden Tag auf dem Gelände. Freie Plätze sind stets Mangelware und es besteht ein reger Suchverkehr. Besucher und Beschäftigte kämpfen um jede Lücke und beweisen Fantasie, wenn es darum geht, ihr Auto noch irgendwo abzustellen.

Wie vor den Kopf geschlagen war Krankenhaus-Chef Schröter, als er am Dienstag davon erfuhr. Seine Reaktion: „Da ist etwas unglücklich gelaufen.“ Seine Worte will er allerdings nicht als Kritik an der Entscheidung des Gremiums verstanden wissen. Er hätte sich aber gewünscht, er und sein Technik-Chef wären zu der Montag-Sitzung eingeladen worden, „dann hätten wir viele Dinge ausräumen und klären können“. Das möchte er nachholen. Schröter hat Hahn zu einem Gespräch eingeladen, das zu Beginn der nächsten Woche im Klinikum stattfinden soll. „Ich will versuchen, die Kuh vom Eis zu bekommen“, sagt Schröter. Eigentlich hätten die Arbeiten in naher Zukunft beginnen sollen. Es müsse dem Rechnung getragen werden, „was wir brauchen“.

Der Geschäftsführer will Marktbaumeister Hahn zeigen, was auf den Stellplätzen, die sich vor dem Haupteingang befinden, passieren soll. Die Flächen sollen eine Dränage erhalten und Schröter zufolge „ein Grundstruktur“, damit man sauberen Fußes ins Klinikum kommt. „Dafür sind eine Million Euro vorgesehen“, sagt er. Ein Parkhaus mit mehreren Ebenen soll 2019 errichtet werden. Geplant ist es allerdings am südlichen Ende des Krankenhaus-Areals, wo derzeit noch mehrere Garagen stehen, und nicht dort, wo es die Gemeinderäte gerne sähen. Als Kostenpunkt nennt Schröter eine siebenstellige Summe. Dieses Konzept besteht seit vielen Jahren und beschäftigte schon Schröters Vor-Vorgänger Wolfgang Türk. Der damalige Plan, der 2013 im Bauausschuss behandelt wurde, sah bis zu sechs Stockwerke vor und sollte ausschließlich von Mitarbeitern genutzt werden dürfen.

Die können derzeit ebenso kostenfrei wie Besucher oder Patienten ihre Autos parken. „Wir haben derzeit nicht unbedingt vor, die Plätze zu bewirtschaften“, sagt Schröter. Das könnte sich allerdings ändern, wenn der Markt beschließt, für Stellflächen am Kainzenbad, die in seine Hoheit fallen, Gebühren zu erheben und die Badegäste auf die Klinikums-Stellflächen ausweichen. „Dann würde man uns quasi zwingen zu reagieren“, sagt Schröter. „Wir werden jedoch nicht den ersten Schritt gehen.“

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