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Seit 25 Jahren steht Brigitte Radu für das Partenkirchner Bauerntheater auf der Bühne. Derzeit als „Die Trutzige“. Sie mag die Rolle und wofür sie steht. 

„Opa, leg a gutes Wort für mi ein“

Brigitte Radu spielt die „Trutzige“ und schätzt deren Charakter

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Zum vierten Mal zeigt das Partenkirchner Bauerntheater heute Abend das viel gelobte Stück „Die Trutzige“ am Wank. Mit Brigitte Radu in der Hauptrolle. Sie feiert am Freitag ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Ein Mensch wird ihr dabei ganz nahe sein. Wie bei jedem Stück.

Garmisch-Partenkirchen – Noch einmal durchatmen. Noch einmal das Stoßgebet. „Hilf mir, Opa, leg da droben a gutes Wort für mi ein.“ Ohne die Bitte würde Brigitte Radu niemals die Bühne betreten. Und bis jetzt, sie klopft auf Holz, „hat er mir sehr gut geholfen“.

Ihr Großvater Anton Berwein war Freund, Vertrauter, hat sie immer unterstützt. Und er hat sie zum Theaterspielen gebracht, stand er doch selbst 67 Jahre lang für das Partenkirchner Bauerntheater auf der Bühne. Vor genau 25 Jahren feierte Brigitte Radu ihre Premiere. Als Marei, in der Wiesmahdhose. Am Freitagabend zu ihrem Bühnenjubiläum, spielt sie die Stoaklopfer-Liesl, die Hauptrolle im Stück „Die Trutzige“.

Niemals hätte sie gedacht, dass sie so lange dabei bleiben würde. Der Aufwand, neben ihrem Beruf als Arzthelferin und als Mitarbeiterin im Gesundheitszentrum, sei enorm. Gerade jetzt mit der Freilichtinszenierung, die das Bauerntheater zu seinem 125-jährigen Bestehen oberhalb der Wallfahrtskirche St. Anton zeigt. Und auch, weil Radu sich akribisch vorbereitet. Große Pannen habe sie noch nicht erlebt. Gut – bis auf diesen einen Ausfall. Am Tag, als ihre Schwester heiratete.

Eine winzige Rolle spielte Radu. Kein Problem, dachte sie, da geht sie schnell auf die Bühne im Rassen, sagt ihre drei Sätze, danach feiert sie weiter. Nur: „Die Frischluftwatschn nach dem Brautverziehen war tödlich.“ Als Sepp Hellweger sie da sitzen sah hinter der Bühne, mit ihrem Rausch im Gesicht, sagte er nur: „Ich glaub, es ist gescheiter, Du lässt es.“ Was hat sich Radu geschämt. Braut und Bräutigam hat sie nicht mehr gesehen, sie ging direkt nach Hause. „Ich hab’ kapituliert.“ Dass sie fehlte, hat niemand bemerkt. Problemlos war die Minirolle aufzufangen. Und freilich würde ihr so etwas nicht mehr passieren. Doch ihren Ausfall muss sie sich bis heute, über 20 Jahre später, anhören. „Ge“, warnt Hellweger sie gerne im Spaß, „reiß Dich zamm.“ Gerade jetzt, da er neben ihr die männliche Hauptrolle besetzt.

Tante und Nichte spielen bei der „Trutzigen“ mit

Dreimal hat das Bauerntheater „Die Trutzige“ bereits gezeigt. Dreimal hat es das Publikum überzeugt. Auch ein Verdienst von Regisseur Helmut Schorlemmer. Er hole so viel aus den Laienschauspielern heraus, sagt Radu. Ihr hat er gezeigt, wie sie ihre Rolle lesen, wann sie weicher, wann besonders grantig sein muss. Letzteres beherrscht sie. Bei ihrem wütenden Gesichtsausdruck wird manchem Mitspieler Angst, sagt sie lachend.

Mitspielerin Uschi Müller dagegen tut sich hart mit dem Schimpfen. Als Zeidlerin muss sie „wie eine Kreissäge durch die Decke fahren“. Das hat ihr der Regisseur eingetrichtert. So böse soll sie mit Radu sprechen. „Das ist für sie die Hölle.“ Müller ist Radus Tante, hat ihr das Autofahren beigebracht, jenseits der Bühne fiel noch nie ein scharfer Satz zwischen ihnen. Schwestern sind sich nicht näher als die beiden.

Familie – für Radu bedeutet sie alles. Sie hat sie auch im Kopf, wenn sie ein Stück auswählt. Die schöne, junge, ledige Magd im Ort spielt die 43-Jährige nicht mehr. Passt in ihren Augen nicht mit zwei erwachsenen Söhnen im Alter von 18 und 22 Jahren. Brigitte Radu muss hinter ihren Rollen stehen, halbherzig kann sie nicht, lustig mag sie nicht so gerne. „Ich bin ned die große Komödiantin.“ Die ernsten, tiefgründigen Rollen gefallen ihr. Solche mit einer Botschaft.

Radus „Felsen“ sitzen im Publikum

Alte Menschen sieht Radu als größtes Geschenk. Doch in ihrer Arbeit erlebt sie immer wieder, wie erwachsene Kinder ihre Eltern oder Großeltern abschieben, sie schlecht behandeln. Im Stück „Opa, sei doch ned so dumm“ mimt sie eine böse Schwiegertochter, die den Opa loswerden will, sich nur fürs Geld interessiert. Vielleicht, hofft sie, hält sie manchem Zuschauer den Spiegel vor. Und bringt ihn zum Nachdenken.

Ihre brutale Ehrlichkeit, ohne Rücksicht auf die Reaktionen macht die Trutzige aus. Das gefällt Radu. Sie mag Menschen, die sich nicht ständig anpassen, die ihr die Wahrheit ins Gesicht sagen, so wie sie das bei ihren Engsten tut. Die aber auch zu 100 Prozent zu ihr stehen, ihre „Felsen“, ihre „Ruhepole“. Sie werden am Freitagabend  im Publikum sitzen. Für sie „will ich es besonders gut machen“. Auch der Opa, der vor sieben Jahren gestorben ist, schaut bestimmt zu. „Ja“, sagt Radu, „heut’ Abend muss er nochmal Zeit haben.“

Karten für die Trutzige

Das Partenkirchner Bauerntheater zeigt sein Stück „Die Trutzige“ noch am Freitag, 28.7.,  am Sonntag, 30.7. und am Freitag, 4.8.. Doch sind diese Freilichtvorführungen oberhalb der Partenkirchner Wallfahrtskirche St. Anton beim Gasthof Panorama bereits ausverkauft. Wegen der großen Nachfrage gibt es am Sonntag, 6. 8., eine Zusatzvorstellung. Vorverkauf bei GAP-Ticket oder online unter www.muenchenticket.de.

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