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Als „ausgschamts Mada“ beschimpft die Zeidlerin (Uschi Müller, r.) „die Trutzige“ (Brigitte Radu).

Gelungene Premiere - trotz Wolkenbruch

Bauerntheater Partenkirchen macht mit der „Trutzigen“ alles richtig 

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Spannend, witzig und gefühlvoll: Mit der „Trutzigen“ hat das Bauerntheater Partenkirchen voll ins Schwarze getroffen. Inhaltlich wie schauspielerisch.

Garmisch-Partenkirchen – Er eilt zur Gundl Alm, über steiles Gelände und durch Wald. Er, der Auserwählte, der der „Schloda Paroli bieten kann“. Der Wegmacher Martl (Sepp Hellweger) soll der Stoaklopfer-Liesl (Brigitte Radu) eine Lektion erteilen, ihr Gefühle vorgaukeln. Der Jungbauer probiert mit Schmeicheleien, ihr Herz zu erobern. „Du warst die“, schmachtet er sie an, „mit der i einig werden will.“ Seine Don-Juan-Charme-Offensive – für die Katz’. Er blitzt ab. Weil die Liesl das „verlogene“ Spielchen durchschaut. Die Dorfbewohner setzten bei ihrem perfiden Plan auf das vermeintlich falsche Pferd.

Die Gerüchteküche brodelt

Das Bauerntheater Partenkirchen hat bei der Auswahl des Stücks anlässlich seines 125-jährigen Bestehens dagegen alles richtig gemacht. „Die Trutzige“ aus der Feder von Ludwig Anzengruber (1839 bis 1889) regt zum Nachdenken an. Und gleichzeitig zum Schmunzeln. Weil der Inhalt heute noch aktuell ist, das Publikum mit unausgesprochenen Wahrheiten des Landlebens konfrontiert wird. Mit Eifersüchteleien, Missgunst und vor allem der Gerüchteküche, die drunten im Tal brodelt. Dort, wo die Einwohner jemanden ausrichten, der nicht in ihr Schema passt. Jemanden wie die „Trutschige“. Ihr wird angedichtet, eine Liaison mit dem „Lipp“ (Peter Maurer) zu haben. Dann quartiert sie auch noch den invaliden Soldaten Toni Kehlmeier (Toni Weinberger) bei sich ein. Als „ausgschamts Mada“ beschimpft sie die Zeidlerin, ihre Base (Uschi Müller). „Mia wissen ois.“ Meinen sie zumindest.

Ein starkes Ensemble: (v. l.) Kerstin Grünauer, Sepp Hellweger, Brigitte Radu, Sepp Habersetzer, Barbara Grasegger und Peter Maurer.

Auf direkte Art, mit erfrischend-amüsanten aber auch derb-ehrlichen Dialogen bringen die Laiendarsteller das Publikum an der Freilichtbühne am Berggasthof Panorama am Wank zum Lachen. Oder zum ungläubigen Grummeln angesichts so manch einer scharfen Zunge. Die Theaterer spielen ihre Rolle nicht nur, sie füllen sie mit Leben aus. Als ob sich die turbulenten Szenen in Wirklichkeit ereignen. Die Bühnenerfahrung der Mitwirkenden zahlt sich aus. Jede Mimik, jede Gestik, jeder Charakterzug sitzt perfekt. Das ganze Ensemble, allen voran die Hauptdarsteller, packen ihr geballtes Repertoire an Können aus. Radu, wenn sie mit aufgerissenen Augen abwertend über die Schulter blickt und sich mit bissigem Tonfall gegen die Dorfbewohner wehrt. Hellweger, wenn er als Halodri seine sanfte Seite ans Tageslicht kehrt. Oder aber Regine Hörmann in ihrer Rolle als Wirtin Gitti – die Anführerin der Giftspritzen.

Wolkenbruch kurz vor Schluss

Sie ist es auch, die die „Bagage“ zur „Prozession auf die Gundl“, der Haberfeldtreiberei aufstachelt. Mit Mistgabel, schwarzen Tüchern um den Mund, Fackeln, Masken und Glockengeläut suchen sie die Liesl auf. Vorweg der Rasauner Poldi (Georg Witting junior) als großmächtiger Kaiser mit Krone und rotem Umhang. „Angeklagte, tretet heraus“, ruft er. Es folgt das Urteil, das ihr „Opfer“ nicht akzeptiert. Da brüllt schon Bissgurke Gitti los: „Trog ma ihr’s Dach ab.“ Soweit kommt’s nicht. Der Wegmacher Martl verteidigt die „Trutzige“. Weil er mittlerweile die Wahrheit kennt, Liesl und ihr gutes Herz, das sie hinter ihrem Grant versteckt, lieb gewonnen hat. Ihr geht’s nicht anders. Sie versucht zwar, ihren Verehrer abzuwimmeln, lässt ihre Gefühle aber schließlich doch zu.

Einer störte den herbeigesehnten Frieden abrupt. Ein Wolkenbruch wenige Minuten vor dem Ende. Während die Zuschauer mit Plastikponchos geschützt auf der Tribüne verharren, stehen die Darsteller im strömenden Regen. Ohne eine Miene zu verziehen. Ohne kurz zu zucken. Sie machen einfach weiter wie Profis. Liesl und Martl zeigen sich glücklich vereint, ja, sogar der „Lipp, der Lapp“ hat noch eine Herzensdame gefunden – das Hannerl (Barbara Grasegger). Sie fragt ihn in durchnässtem Dirndl: „Wirst es bei mir aushalten?“ Er lieferte die denkbar passendste Antwort: „Ja, bei jedem Wetter.“ Ein Satz, den der Freilufttheater-erprobte Regisseur Helmut Schorlemmer wohlwissend ins Skript einbaute. Gute Intuition.

Die Mitwirkenden

Darsteller: Regine Hörmann, Barbara Grasegger, Georg Reindl, Brigitte Radu, Uschi Müller, Kerstin Grünauer, Sepp Habersetzer, Georg Witting senior, Sepp Hellweger, Toni Weinberger, Georg Witting junior, Peter Maurer, Lisbeth Frischmann, Franz Porer, Mathias Wackerle, Karl Grasegger. Musikanten: Thomas Jocher, Hansjörg Ostler, Martin Pfeuffer, Johann Weiss, Goaslschnalzer: Florian Stimpfle und Toni Maurer,Gstanzlsänger: Toni Weinberger, Tanzpaare, Kirchweihgäste und Haberfeldtreiber: Elisabeth Mangold, Steffi Rieger, Regina Graf, Martin Bartl, Martin Maurer, Ferdinand Sprenger, Inszenierung: Helmut Schorlemmer, Regieassistenz: Nicole Wagner, Bühnenentwurf: Alexander Wanisch, Bühnenbau: Wiggal Geyer von FB Holz-Eventbau, Licht und Ton: Jakob Feierabend.

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