Enge Verhältnisse: Rechts neben dem neu angelegten Stahlbeton-Kanal entsteht der Fußweg. Dort stehen auch die alten Bäume, die gefällt werden sollen. Die Gehölze auf der anderen Seite sind nicht gefährdet.
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Enge Verhältnisse: Rechts neben dem neu angelegten Stahlbeton-Kanal entsteht der Fußweg. Dort stehen auch die alten Bäume, die gefällt werden sollen. Die Gehölze auf der anderen Seite sind nicht gefährdet.

Sorge um Standsicherheit

Baumidyll an Kanker: Kahlschlag geplant

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Mit einem gewaltigen Aufwand wird in Garmisch-Partenkirchen der Hochwasserschutz an der Kanker vorangetrieben. Doch vermutlich muss die Marktgemeinde in diesem Zusammenhang einen hohen Preis bezahlen: Geplant ist nämlich die Fällung von 16 alten, ortsbildprägenden Bäumen. Die Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde steht noch aus.

Garmisch-Partenkirchen – Das Thema ist sensibel, denn der Baumschutz genießt in Deutschland einen hohen Stellenwert. Wenn Exemplare entnommen werden, ist die öffentliche Empörung meist sehr groß – selbst dann, wenn die Gründe nachvollziehbar sind. Ein solch brisanter Fall bahnt sich jetzt auch in Garmisch-Partenkirchen an. Es geht dabei nicht um irgendwelche Bäume, sondern um vorwiegend schöne, hochgewachsene Kastanien – Experten schätzen deren Alter auf rund 100 Jahre –, die allesamt entlang des Fußweges auf der Westseite der Kanker zwischen Haupt- und Schornstraße im Ortsteil Partenkirchen thronen und Teil einer idyllischen Allee sind.

Fällung im Zuge eines Wegebaus

Noch ist nichts endgültig entschieden. Aber es ist geplant, im Zuge des Wegebaus in dem Bereich alle 16 Bäume zu fällen. Dies teilen das Wasserwirtschaftsamt Weilheim und die Rathaus-Verwaltung in einer gemeinsamen Presse-Information mit. Zu dem Schluss sei man einvernehmlich bei mehreren Ortsbesichtigungen gekommen. Allerdings müsse noch die Untere Naturschutzbehörde den Eingriff absegnen. Außerdem sei vorab eine „intensive artenschutzrechtliche Untersuchung jedes einzelnen Baumes notwendig“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Sicher ist: Sollte es zu dem anvisierten Kahlschlag kommen, wäre dies ein herber Verlust – und dürfte bei Anwohnern und Naturfreunden bestimmt keine Beifallstürme auslösen. Ein (kleiner) Lichtblick: „Für die Neuanlage des Weges werden Ersatzpflanzungen geplant“, kündigen die beiden Behörden an. Außerdem sind nach Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes die Gewächse auf der anderen Seite des Bachbetts nicht gefährdet und bleiben auf jeden Fall erhalten.

Wildbach wird hochwassersicher verbaut

Zum Hintergrund: Der etwa 200 Meter lange Kanker-Abschnitt wird derzeit hochwassersicher verbaut. Dazu gehört auch die Neuanlage des Gehwegs. Verantwortlich hierfür ist das Wasserwirtschaftsamt. Das gesamte Bauvorhaben wurde ursprünglich so geplant, dass der Baumbestand unberührt bleibt. Doch es gab, wie von den verantwortlichen Stellen berichtet wird, eine böse Überraschung: Nachdem die Asphaltschicht der alten Fußgänger-Strecke abgetragen war, entdeckte man an den besagten Bäumen, vor allem im Wurzelbereich, mehr Schäden als ursprünglich angenommen. Beispielsweise hatten dort Streufahrzeuge dicke Schrammen hinterlassen. „Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sind beim weiteren Wegebau weitere Schäden zudem nicht gänzlich auszuschließen“, ist in der Mitteilung zu lesen. Laut einem Gutachten sei bei acht Bäumen „eine Gefährdung der Standsicherheit nicht auszuschließen“. Und auch bei den restlichen Riesen hat man die Befürchtung, dass sie durch das Freistellen ebenfalls an Stabilität verlieren und zu einem späteren Zeitpunkt entfernt werden müssen. Dies wäre ein teures Unterfangen. Denn dazu müsste der neu gepflasterte Weg wieder aufgerissen und, wenn es dumm läuft, für den Abtransport der schweren Stämme auch noch ein Hubschrauber angeheuert werden. All diese Überlegungen führten offenbar zu der Erkenntnis, gleich Tabula rasa zu machen.

Viel Zeit zum Prüfen bleibt nicht. Der Bauabschnitt befindet sich auf der Zielgeraden. Im Sommer soll eigentlich alles fertig sein. Herzstück ist ein 2,70 Meter breites Gerinne aus Stahlbeton, um künftig Überschwemmungen zu verhindern. Anschließend stehen bis 2024 zwei weitere Teilstücke an, die nach dem selben Schema auf Vordermann gebracht werden. Dann wäre der Lückenschluss eines der größten Hochwasser-Projekte im Freistaat vollbracht. Seit 2004 werden zig Millionen in Partnach und Kanker investiert. Meilensteine waren ein Rückhaltebecken am Klinikum sowie eine Teilüberleitung der Kanker in die Partnach – und der schrittweise Ausbau der beiden Wildbäche.

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