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Drei Stümpfe: Das ist von den Buchen an der Alleestraße übrig geblieben. 

Buchen an der Alleestraße wurden gefällt

Baumschutz: Gesetze werden missachtet

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Die Baumschutzverordnung in Garmisch-Partenkirchen wird häufig unterlaufen. Zuletzt an der Alleestraße, als dort sieben alte Buchen Baumaßnahmen zum Opfer fielen. Bündnis 90/Die Grünen prangert das an. Gemeinderat Thiel fordert dazu auf, Exempel zu statuieren.

Garmisch-Partenkirchen – Häufig ist Dr. Stephan Thiel die Ruhe selbst. Der Gemeinderat von Bündnis 90/Die Grünen kann sich aber auch richtig aufregen, wenn ihm Missstände auffallen, die vor allem Grünen-Themen berühren. Dann passiert’s, dass bei ihm die Emotionen hochkochen. Erleben konnte man das am Ende der Gemeinderatssitzung in Garmisch-Partenkirchen, als Thiel unter dem Punkt Verschiedenes ein Thema aufs Tapet brachte, das ihn und seine Partei bewegt: Das Fällen von sieben Rotbuchen an der Alleestraße, wo gerade das Hotel „Die Werdenfelserei“ entsteht.

Die riesigen Bäume, geschätzt 140 Jahre alt, wurden durch die Bauarbeiten derart in Mitleidenschaft gezogen, dass sie unrettbar verloren waren. Sie hielten dem Zugversuch eines staatlich geprüften Gutachters nicht mehr Stand. „Die Schutzmaßnahmen wurden nicht beachtet“, echauffierte sich Thiel. Und Parteikollege Dr. Rainer Steinbrecher legt per Pressemitteilung nach: „Das Beunruhigende an diesem Vorfall, der beileibe in unserem Ort keinen Einzelfall darstellt, ist dabei nicht unbedingt der Verlust eines einzelnen Baumes, sondern das dauerhafte Unterlaufen von gesetzlichen Vorgaben.“ Thiel nennt die Baumschutzverordnung gar einen „zahnlosen Tiger“. Er fordert seine Gemeinderatskollegen auf, „dafür zu sorgen, dass er wieder Zähne und ein Gebiss erhält“.

Damit in Zukunft ähnliche Dinge nicht wieder passieren, plädiert Thiel dafür, „ein Exempel zu statuieren“. Verstöße können allerdings jetzt schon geahndet werden: durch Ersatzpflanzungen, Ausgleichs- oder Strafzahlungen. Die können sich auf bis zu 25 000 Euro belaufen, wie es die Baumschutzverordnung vorsieht, die aus dem Jahr 1989 stammt. Thiel zufolge führen die Maßnahmen allerdings zu einem „Einpreisungseffekt“. Soll heißen: Man nimmt die Zahlung in Kauf, weil die Fakten geschaffen sind.

In der Verwaltung des Garmisch-Partenkirchner Rathauses ist man unglücklich darüber, wie die Baumschutzverordnung umgangen wird. Marktbaumeister Jörg Hahn machte deutlich, dass bei den Buchen an der Alleestraße sehr wohl „ein Wurzelschutz vorgesehen war“. Man müsse daraus lernen und „sich neue Wege überlegen, wie dem Baumerhalt Rechnung getragen werden kann“. Auch für Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) steht fest, dass sich etwas tun muss – vor allem an der Alleestraße, damit deren Allee-Charakter wiederhergestellt wird. „Ich plädiere für Ausgleichspflanzungen.“ Es sollen ihrer Meinung nach kräftige Bäume sein, „keine mit einem dünnen Stamm“.

Welche Nutzen alte Buchen haben, machen diese Zahlen deutlich: Sie reinigen stündlich 4000 Kubikmeter Luft, nehmen täglich zehn Kilogramm Kohlendioxid auf und liefern Sauerstoff für etwa zehn Menschen. „Zudem sind solche Bäume wichtige Biotope – auch für bedrohte Tierarten – und sie steigern die Lebensqualität in unserem Ort“, erklärt Nathalie Fischer von Bündnis 90/Die Grünen.

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