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Kreative Lösungen muss der Koch parat haben, der bei der Zugspitzbahn anfängt.

Allein in der Gastronomie fehlen zehn Mitarbeiter

Viele freie Stellen: So witzig sucht die Bayerische Zugspitzbahn neues Personal

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Ein Koch, dem Kräuter auf der Brust sprießen, eine Servicekraft mit zehn Händen und ein Elektriker mit Laseraugen – die Videos, mit denen die Bayerische Zugspitzbahn um Mitarbeiter wirbt, sind ein Blickfang. Nachdem das Unternehmen in allen Sparten Personal sucht, hat es eine neue Kampagne gestartet.

Garmisch-Partenkirchen – Die Meldung beim Arbeitsamt, die klassische Anzeige, der interne Aushang, die Stellenangebote auf der eigenen Internetseite – die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) hat alles versucht. Ohne Erfolg. „Deshalb haben wir uns gedacht, wir müssen jetzt mal die herkömmlichen Wege verlassen“, sagt Kaufmännischer Vorstand Matthias Stauch. So kamen die sozialen Medien ins Spiel. Schnell war klar: Sollte das Bergbahn-Unternehmen diesen Weg beschreitet, dann ordentlich.

„Progressiv“ nennt Marketing-Chef Klaus Schanda die Videos, die schon im Umlauf sind. „Unser Ziel ist es, Aufmerksamkeit und Reichweite zu generieren.“ Allein mit dem ersten Spot, in dem es um einen neuen Koch geht, wurden 335 000 Menschen angesprochen. Eine Zahl, die Schanda und auch die übrigen Verantwortlichen zuversichtlich stimmt. Insgesamt erreichte die BZB mit ihren Filmen schon über eine Million Nutzer. „Auf die Clips haben wir überwiegend positive Reaktionen erhalten“, betont Schanda. Am meisten freut ihn, dass viele Freunde und Bekannte verlinken, um sie auf die Job-Angebote aufmerksam zu machen. „Dadurch merken die Leute, über was für ein breites Spektrum wir als Arbeitgeber verfügen“, erklärt BZB-Sprecherin Verena Lothes. „Die Zugriffe auf unsere Seite haben sich nach Veröffentlichung der Videos insgesamt verdreifacht.“

Durch den Neubau der Seilbahn Zugspitze wird viel Personal gebraucht

Gesucht wird nämlich in allen Bereichen – von Technikern und Maschinisten über Elektriker, Verwaltungs- und Kassenkräfte bis zu Gastronomie-Mitarbeitern. 21 Stellen sind aktuell frei. Gerade die erweiterten Einkehrmöglichkeiten auf Deutschlands höchstem Berg, die mit dem Neubau der Seilbahn Zugspitze einhergingen, haben gezeigt, wie groß der Bedarf ist. „Hier könnten wir locker zehn Leute einstellen“, sagt Stauch. Auch ausbilden würde er gerne in dieser Sparte. „Wir finden aber keine Leute“.

Ein Dilemma, das sich durch alle Abteilungen zieht. In Sachen Ausbildung arbeitet das Bergbahn-Unternehmen inzwischen mit Partnerbetrieben zusammen. Etwa im Bereich Elektriker. „Die klassischen Aufgaben, die für Hauselektriker anfallen, können wir nicht abdecken“, betont der Vorstand. Oder in der Gastronomie, wo bereits eine Kooperation mit dem Hotel Badersee in Grainau besteht.

Genau wie das Klinikum und die anderen großen Arbeitgeber der Region kämpft aber auch die BZB mit den Rahmenbedingungen in der Marktgemeinde. „Das Hauptproblem ist der Wohnungsmarkt“, sagt Stauch. Viele gute Bewerber würden dadurch abgeschreckt, dass kaum bezahlbare Mietobjekte auf dem Markt sind. In Grainau verfügt die Zugspitzbahn zwar über ein Haus mit Ein-Zimmer-Appartements – „das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Auch hier gelte es, neue Wege zu beschreiten.

BZB-Mitarbeiter erhalten eine Prämie

In puncto Mitarbeiter-Suche passiert das seit gut vier Wochen. Die Videos kommen an. „Für mich ist das auch ein Zeichen, dass sich das Marketing ändert“, sagt Schanda. Inzwischen werde mehr um Arbeitskräfte als um neue Gäste gekämpft. „Die Zeiten, in denen wir auf 20 verschiedenen Messen unterwegs waren, sind vorbei.“ Jetzt gilt es, Leute zu finden, die den Ausflüglern am Berg einen unvergesslichen Tag bescheren.

„Dazu versuchen wir auch, unsere Mitarbeiter zu nutzen“, erklärt Kristin Klinke aus der Personalabteilung. Weisen die Kollegen darauf hin, dass die BZB ein guter Arbeitgeber ist, „dann ist das doch die beste Werbung“. Zudem winkt bei Erfolg eine Prämie. Es sind viele Wege, die das Unternehmen einschlägt, um sein Personalproblem zu lösen. Die Zahlen, die Schanda für die „Wanted“-Aktion in den sozialen Medien verzeichnet, stimmen ihn und auch den Vorstand schon einmal zuversichtlich. „Die Leute entdecken die BZB als Arbeitgeber“, sagt Klinke. „Das zeigt auch der hohe Anstieg an Initiativbewerbungen.“

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