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Über ein „Wintertrauma“ berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Alles andere als ein „Wintertrauma“

BZB: Spiegel-Artikel vermittelt falsches Bild

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Nein, damit kann sich die BZB nicht identifizieren: mit dem Inhalt des Artikels „Wintertrauma“, der im Spiegel erschienen ist. Anders als es dort dargestellt wurde, sieht BZB-Marketing-Experte Klaus Schanda Garmisch-Partenkirchen als Ganzjahresziel.

Garmisch-Partenkirchen – Pink markierte Sätze durchziehen den Text. Klaus Schanda hat sie angestrichen, zum Teil bestimmt fünfmal gelesen. Besonders jene Passagen, die ihn „zur Weißglut gebracht“ haben. Sachlich-nüchtern formuliert, klingt es so: „Wir“ – also die Bayerische Zugspitzbahn – „haben uns nicht richtig dargestellt gefühlt“.

Unter dem Titel „Wintertrauma“ erschien Ende Januar im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ein gut zweiseitiger Bericht über den Klimawandel, der den Skisport bedroht. Über Experten, die glauben, selbst Kunstschnee könne ihn nicht retten. Über Garmisch-Partenkirchen, „dem berühmtesten Skirevier Deutschlands“, wo man „die Warnungen ignoriert“. So steht es in großen Buchstaben unter dem Titel. Noch bevor der Text beginnt, hatte Schanda wohl schon erhöhten Puls.

„Wir leugnen den Klimawandel keineswegs“, betont der Marketing-Verantwortliche der Zugspitzbahn. Die Grundaussage entspreche nicht der Wahrheit. Dazu gehört, dass die BZB sich auf den Skitourismus versteift. Dabei steht sie in Schandas Augen für das Gegenteil: für Garmisch-Partenkirchen als Ganzjahresdestination. Darauf seien die Investitionen ausgelegt. „Es entsteht ein ganz falsches Bild.“

Wesentlich dazu bei trägt im Artikel Peter Huber, Technischer Vorstand der Zugspitzbahn. Eine Studie der Universität München – demnach kann man in 30 Jahren in Deutschland nur noch auf dem Zugspitzplatt Skifahren – kommentiert er laut Spiegel mit den Worten: „All diese Arbeiten wurden von Leuten verfasst, die ihr Geld nicht durch Privatinitiative verdienen müssen, sondern vom Staat gefördert werden.“ Weiter zitiert der Autor den Vorstand mit der Aussage: „Wir werden hier bei uns auch in 20 Jahren noch gute Skibedingungen haben. Punkt.“

Bürgermeisterin findet Garmisch-Partenkirchen in dem Text nicht wieder

Peter Huber weiß, dass der Skibereich ein stagnierender Markt ist.

Dem Tagblatt sagt Huber, was er auch Mitarbeitern und Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) gesagt hat, als sie ihn auf den Text ansprachen: „Ich stehe grundsätzlich zu den Aussagen.“ Doch der Autor habe „Dinge vermengt“ und ihn verkürzt wiedergegeben. Man kenne das ja von Journalisten, meint Huber. Das Ergebnis einer Geschichte stehe manchmal schon vor der Recherche fest. In diesem Fall wäre das: ein Bergbahn-Unternehmen, das dem Autor zufolge wissenschaftliche Daten als „subventioniertes Papperlapapp“ abtut, zudem ein Garmisch-Partenkirchen, das „verbaut ist mit Hotels, Wellnessoasen und Shoppingstraßen“. Ein „großer Erlebnispark“ mit Skigebiet, Eisstadion, Wellenbad, City-Biathlon und Neujahrsspringen. „Und ständig werden neue Bespaßungen in den Fels geschraubt“ – wie die Aussichtsplattform Alpspix 2010.

„Wovon bitte redet der?“ Das hat sich Sigrid Meierhofer die ganze Zeit gefragt, als sie den Text gelesen hat. Den Ort, den sie als Bürgermeisterin lenkt, findet sie darin nicht wieder. Und dass sich Huber so einseitig geäußert haben soll – „das konnte ich nicht glauben“. Hubers Erklärung gab ihr Recht.

Nach eigener Aussage hat er klar gemacht, dass die BZB in den Sommertourismus investiert. Bestes Beispiel: der Bau der neuen Eibsee-Seilbahn für 50 Millionen Euro, die Gäste komfortabler und schneller auf die Zugspitze bringen wird. Ein Angebot für Nicht-Skifahrer. „Das ist der richtige Weg in die Zukunft.“

Wie diese genau aussehen wird, wissen weder Klimaforscher noch Seilbahnunternehmer. Doch stellt Schanda wie Huber klar: Der Skisport hat auch künftig seinen Platz. „Noch sind wir darauf angewiesen“, sagt Schanda. „Als sinnvolle Ergänzung.“ Zur Vielfalt an BZB-Angeboten, die der Spiegel-Autor aus Sicht des Unternehmens unterschlägt. Winterwandern etwa, Ausflüge auf die Zugspitze und den Wank – funktioniert alles ohne Schnee auf den Pisten. Angebote wie diese will man ausbauen.

Von einem „Investitionshorizont über 15 Jahre“ spricht Huber. So lange werde man den Skibetrieb und die Einnahmen daraus mindestens brauchen. Huber kennt den Markt. „Der Sommertourismus ist ein wachsender, der Skibereich ein stagnierender.“ Allein aus wirtschaftlicher Sicht kommt man um Alternativen also nicht herum. Klimawandel hin oder her.

Im Vergleich wenige Schneekanonen

Diesen leugnet Huber nicht, das erkennt auch der Spiegel-Autor an. „Aber noch reagiert er genauso wie die Skigebietsbetreiber in Österreich, Italien und der Schweiz auf den Mangel an Naturschnee – mit immer moderneren Schneekanonen.“

Pink markiert hat Schanda diesen Vergleich. Weil man sich deutlich von anderen Skigebieten abhebe, in denen der Vergrößerungs-Wahn grassiert. Man wolle nicht expandieren, nicht weiter in die Natur eingreifen. „Unser Credo ist: Modernisieren statt erweitern“, bekräftigt Sprecherin Verena Lothes. Auch beteilige sich die BZB nicht am infrastrukturellen Wettrüsten.

Grünen-Gemeinderat Thiel gefällt der Artikel

Mit 191 Schneekanonen und Lanzen beispielsweise besitze sie im Vergleich „bemerkenswert wenige“. Damit lassen sich 25 der 40 Pistenkilometer beschneien – keine 100 Prozent, womit andere Gebiete gerne werben. Zudem verzichte das Unternehmen bewusst auf eine Beschneiung auf der Zugspitze. Huber betont aber gleichzeitig: Den Skibetrieb samt Talfahrten in gutem Zustand, wie man es in Garmisch-Partenkirchen und anderswo gewohnt ist, gäbe es ohne Kunstschnee schon seit zehn Jahren nicht mehr. „Undenkbar.“

Sollte die BZB in neue Kanonen und Lanzen investieren wollen – Stephan Thiel wäre dagegen. Der Grünen-Gemeinderat und Mitarbeiter am Institut für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen, ist ein weiterer Akteur im Spiegel-Artikel. Gleich zu Beginn sagt er: Aufgrund der Erkenntnisse des Instituts „ist absolut klar, dass wir hier in Zukunft mit etwas anderem Geld verdienen müssen als mit Skisport“. Er findet: Der Text ist schön geworden. Einen pinkfarbenen Marker hat er nicht gebraucht.

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