+
In Garmisch-Partenkirchen war ein Erdbeben zu spüren (Symbolbild). 

Erdbeben in Garmisch-Partenkirchen - Forscher rätseln weiter über Ursache

  • schließen

Ein Erdbeben hat Garmisch-Partenkirchen aufgeschreckt: Kurz nach 13 Uhr wackelt die Erde, die Bevölkerung ist beunruhigt. Ein Experte gibt Auskunft, doch vieles ist noch unklar.

Erdbeben in Region Garmisch-Partenkirchen war „eher ein außergewöhnliches Beben“

Update vom 29. Juni, 6.33 Uhr: Seismologe Joachim Wassermann vom Geophysikalischen Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität in Fürstenfeldbruck kommt nach dem Erdbeben zu einem klaren Urteil: „Wenn es in Richtung 3 geht, ist das für Bayern kein Tagesgeschäft, schon eher ein außergewöhnliches Beben.“ Damit will er keine Panik schüren. „Das liegt alles im Rahmen dessen, was wir kennen.“ 

Das Estergebirge mit seinen Gipfeln wie Wank, Fricken oder Hohe Kiste im Nordosten der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und entlang des Loisachtals sei als seismisch aktives Gebiet bekannt. „Das haut uns jetzt nicht vom Stuhl, wir stellen ja dort unsere Instrumente auf, wo es Aktivität gibt.“ Die Bevölkerung müsse keine Angst haben vor Szenen, wie sie in Actionfilmen zu sehen sind. Ein neuer St.-Andreas-Graben werfe sich im Werdenfelser Land nicht auf.

Der Ursprung der Stöße ist indes bekannt. Die afrikanische Kontinentalplatte rückt näher an die europäische heran, schiebt dabei die adriatische Platte auf die europäische. „Dadurch entstehen Spannungen, die sich irgendwann lösen“, erklärt Wassermann. „Manchmal fließend, manchmal ruckartig, das spüren wir dann als Erdbeben.“ Die Epizentren zu lokalisieren, stellt ein schwieriges Unterfangen dar. „Wir sammeln die Daten sämtlicher Messstationen.“ Für das Beben Freitagmittag greift Wassermann auf Werte von 17 Stationen zurück. Daher gibt es auch immer wieder Nachbesserungen bei der Lage des Epizentrums. „Bis auf einen Kilometer genau können wir es ganz gut bestimmen.“ Hilfreich in diesem Fall ist, dass direkt im Ortsteil Partenkirchen am Fuße des Wanks ein Seismometer installiert ist. „Ein solches Beben wird aber auch bayernweit registriert, die Geräte sind so sensibel.“ 

Da Wassermann die Tiefe des Bebenherdes mit rund drei bis vier Kilometer angibt, sei der Stoß sehr gut zu spüren gewesen in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung. Den Radius legt er auf zirka zehn Kilometer fest, wobei gerade in Tälern mit Flussläufen die Bewegungen der Erde auch weiter außerhalb spürbar werden. „Der Boden ist dort weich, man kann das mit Wackelpudding vergleichen, der schwingt auch länger und stärker als Kartoffelpüree.“

Auf Erdbeben in Garmisch-Partenkirchen könnten Nachbeben folgen

Erdbeben im Estergebirge sind in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vorgekommen. Als Risikoregion stuft Wassermann den Alpenrand südlich von München aber nicht ein. Das Erdbeben-Zentrum Oberbayerns sei ganz klar Bad Reichenhall. „Die Region ist sehr aktiv, da gibt es in zehn Jahren an die 2000 Erdbeben.“ Auch das Tiroler Inntal südlich der deutschen Grenze sei deutlich gefährdeter als das Gebiet rund um das Wettersteinmassiv. Ob es mit den beiden Beben in Garmisch-Partenkirchen nun getan ist, vermag der Seismologe nicht abzuschätzen. „Es könnten schon ein paar Nachbeben kommen“, stellt er klar. Er schließt auch einen sogenannten Schwarm nicht aus. Das wäre eine Serie ähnlich starker Stöße, die auch länger andauern könnte. „Wir werden es beobachten“, verspricht Wassermann. Und die Garmisch-Partenkirchner werden sicher die kommenden Tage etwas feinfühliger unterwegs sein.

Erdbeben in Garmisch-Partenkirchen: Zeugen erleben Erschütterungen

Update, 28. Juni 2019, 14.02 Uhr: Wie erdbebennews.de berichtet, war das Beben stärker als das Erdbeben am Donnerstag. Nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik habe das Erdbeben Magnitude 3.0 erreicht. Es war deutlich zu spüren, das Epizentrum lag wieder östlich der Marktgemeinde. Wobei die Erschütterung demnach auch in den umliegenden Gemeinde und in Teilen Tirols bemerkt wurde. Kleinere Schäden seien möglich, da das „Herdzentrum bei nur rund fünf Kilometern lag. Die Intensität lag bei IV. Zeugen melden zum Beispiel: „Leichtes Grollen bzw. leichte Erschütterung auf der Liegewiese im Schwimmbad wahrnehmbar. Dauer ca. 3 bis 4 Sekunden. (Intensität IV)“

Bevölkerung berichtet über Facebook von Erdbeben in Garmisch

Erstmeldung 28. Juni 2019, 13.58 Uhr: Garmisch-Partenkirchen - Was ist los in der Erde unter Garmisch-Partenkirchen? Am Freitagmittag kurz nach 13 Uhr bebte die Erde in der Marktgemeinde für zwei oder drei Sekunden. Schon wieder. Denn bereits Donnerstagfrüh gegen 5.20 Uhr hatte es südlich vom Garmisch-Partenkirchner Ortsteil Kaltenbrunn eine Erschütterung mit einem Wert von 1,7 auf der Richter-Skala gegeben - die sogenannte Magnitude. Das Epizentrum lag in zirka sieben Kilometern Tiefe.

Dass es sich heute erneut um ein Erdbeben gehandelt hat, das im Gegensatz zum Donnerstag dieses Mal auch deutlich spürbar war, bestätigt ein Mitarbeiter des Geophysikalischen Observatoriums der Ludwig-Maximilians Universität in Fürstenfeldbruck. Genauere Informationen sollen im Laufe des Nachmittags folgen.

Auf Facebook mehren sich die Kommentare im Sekundentakt. Weithin haben viele Menschen das Beben bemerkt.

Video: Auffällig viele Erdbeben in einer Woche

Lesen Sie ebenfalls aus der Region: Petra Volz hat in Garmisch-Partenkirchen ihre neue Zahnarzt-Praxis „Fotzn’spanglerei“ genannt. Für manche ist diese Mundart ein echter Aufreger.

Lesen Sie auch: Athen: Schweres Erdbeben erschüttert Griechenland - tausende Menschen rennen auf die Straßen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei Garmisch-Partenkirchen sucht Zeugen: Unbekannter lockert erneut Radmuttern
Schon wieder hat ein Unbekannter an einem Auto die Radmuttern gelockert. Dieses Mal in Grainau. Die Polizei Garmisch-Partenkirchen bittet um Hinweise.
Polizei Garmisch-Partenkirchen sucht Zeugen: Unbekannter lockert erneut Radmuttern
Wie gut geht es Gams, Reh und Hirsch? Forschungsprojekt im Karwendel startet
Viel totes Wild haben nach dem strengen Winter manche erwartet. Doch Staatsregierung und Förster dementieren. Für genauere Ergebnisse wird im Karwendel ein …
Wie gut geht es Gams, Reh und Hirsch? Forschungsprojekt im Karwendel startet
„Uns steht Nachtruhe zu“: Initiative macht sich für Tempolimit an B2 und B23 stark
Viel Schmutz viel Lärm: Die Anwohner der B2 und B23 in Garmisch-Partenkirchen sind verkehrsgeplagt. Jetzt wird zumindest nachts eine neue Regelung gefordert. 
„Uns steht Nachtruhe zu“: Initiative macht sich für Tempolimit an B2 und B23 stark
Auf den Spuren Jesu: Hauptdarsteller der Passion reisen nach Israel
Nur noch gut zwei Monate bis zum Beginn der Proben für die 42. Oberammergauer Passionsspiele: Vorher steht den Hauptdarstellern noch eine außergewöhnliche Reise bevor. 
Auf den Spuren Jesu: Hauptdarsteller der Passion reisen nach Israel

Kommentare