Ein Bild mit Seltenheitswert: Der Wilderer wird ertappt. Dabei besaß er grundsätzlich eine Jagderlaubnis. Ob er die behalten darf, wird noch geprüft.
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Ein Bild mit Seltenheitswert: Der Wilderer wird ertappt. Dabei besaß er grundsätzlich eine Jagderlaubnis. Ob er die behalten darf, wird noch geprüft.

Garmisch-Partenkirchner erlegt illegal Gamsbock

Wanderin fotografiert Wilderer bei Gams-Abschuss - Aufschrei des Entsetzens folgt

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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  • Alexander Kraus
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Dieses Foto hat Seltenheitswert: Eine Wanderin hat einen Wilderer in einem Wald bei Griesen in flagranti erwischt. Jetzt wurde der Mann, ein 28-Jähriger aus Garmisch-Partenkirchen, zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt.

Garmisch-Partenkirchen – Beim Wandern ist die Frau unterwegs. Da sieht sie den bunt gekleideten Mann am Boden liegen. Im Schnee. Ganz leise, er bewegt sich kaum. Offensichtlich beobachtet er etwas. Bestimmt macht er Fotos, denkt sie, bestimmt sucht er nach besonderen Motiven, Tieren. Wie recht sie hat, wird sie wenige Augenblicke später erfahren. Doch hält der Mann nicht nach Tieren zum Fotografieren Ausschau. Plötzlich hört die Frau zwei Schüsse. Sie läuft zurück, der Mann liegt immer noch am Boden, das Gewehr im Anschlag. Die Frau denkt nicht lange nach, zückt ihre Kamera. So entsteht ein Foto mit absolutem Seltenheitswert: Sie erwischt einen Wilderer auf frischer Tat – und trägt am Ende maßgeblich zu seiner Festnahme bei. Nun landete der Fall vor dem Amtsgericht. Unter Tierschützern, Jägern und Bürgern hatte er für einen Aufschrei des Entsetzens gesorgt.

Der Vorfall ereignete sich am 11. Dezember vergangenen Jahres im Friedergries bei Griesen. Widerrechtlich hat der Wilderer, ein 28-jähriger Mann aus Garmisch-Partenkirchen, einen Gamsbock erlegt. Sogar das Jagdmagazin „Wild und Hund“ hat jetzt über den Abschuss berichtet. Der Täter muss sich verantworten: Er erhielt einen Strafbefehl in Höhe von 6300 Euro (90 Tagessätze zu 70 Euro).

Garmisch-Partenkirchen (Bayern): Wilderer erwischt - Strafbefehl ist rechtskräftig

Dr. Benjamin Lenhart, Sprecher des Amtsgerichts Garmisch-Partenkirchen, bestätigt den Sachverhalt. Seit 2. April ist der Strafbefehl demnach rechtskräftig. Mit zwei Schüssen hatte der 28-Jährige den neunjährigen Gamsbock im Friedergries getötet und das Tier dann fachmännisch zerlegt. Teile packte er in seinem Rucksack.

Die Wanderin, die sich bei der Wildwacht engagiert und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, rief sofort ihre Freundin, Tierschützerin Tessy Lödermann aus Garmisch-Partenkirchen, an. Diese wiederum verständigte die Polizei – und informierte später auch die Medien. Umgehend leiteten die Beamten eine Fahndung ein. Sie riegelten die Forststraßen zwischen Griesen und Frieder ab. Im Bereich der Ochsenhütte bekamen die Polizisten den 28-Jährigen zu fassen.

In Garmisch-Partenkirchen: Wilderer auf frischer Tat ertappt - weiterer Ärger droht

Wie sich herausstellte, hat der junge Mann ein Forststudium abgelegt hat und laut dem Jagdmagazin im vergangenen Jahr als Angestellter im Holzeinkauf gearbeitet. Offenbar besaß er auch eine Jagderlaubnis, in diesem Revier des Forstbetriebs Oberammergau der Bayerischen Staatsforsten aber war dieser nicht gültig und das Jagen für ihn verboten. Damit hat er sich der Jagdwilderei, einer Straftat nach dem Strafgesetzbuch, schuldig gemacht. Die Polizei stellte am Tatort einige Gegenstände, darunter eine Büchse und Munition, sicher. Langwaffe und Patronen wurden eingezogen.

Das Verfahren wegen des Entzugs der Jagderlaubnis ist nicht abgeschlossen. „Da wird noch geprüft“, bestätigt Stephan Scharf, Pressesprecher des Landratsamts. Da die Zuverlässigkeit im Sinne des Waffenrechts bereits bei einer Strafe von 60 Tagessätzen erlischt, droht dem Wilderer weiterer Ärger, sagt Scharf. „Es kann sein, dass ihm der Jagdschein und die Waffenbesitzkarte für mindestens fünf Jahre entzogen werden.“

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