Die erste Fahrt: Johann (2, 2. v. r.) und Ludwig (5), Enkel von Katrin Ostermair-Maurer (mit Ehemann Hansjörg Ostermair), geben die neue Eckbauerbahn am 16. Mai 2019 frei.
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Die erste Fahrt: Johann (2, 2. v. r.) und Ludwig (5), Enkel von Katrin Ostermair-Maurer (mit Ehemann Hansjörg Ostermair), geben die neue Eckbauerbahn am 16. Mai 2019 frei.

Noch herrscht Stillstand

Bergbahnen in der Zugspitzregion: Warten und hoffen

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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16. Mai 2019. Ein Festtag an der Eckbauerbahn. Die neue Anlage fährt zum ersten Mal. 14. Mai 2020. Stillstand. Besitzerin Katrin Ostermair-Maurer fühlt sich allein gelassen. Denn keiner weiß, wann die Corona-Zwangspause beendet ist. Auch die Bayerische Zugspitzbahn hofft auf einen schnellen Start.

Garmisch-Partenkirchen/Grainau – Biergärten, Restaurants, Pensionen, Hotels – sie alle haben einen Termin. Für den vorsichtigen Start. Nicht die Bergbahnen. Für sie gibt es nur die Forderung des Verbands Deutscher Seilbahnen nach einem Neustart am 18. Mai, zwei Monate, nachdem der Betrieb in der Corona-Krise still gelegt wurde. Wann es weitergeht, entscheidet die Politik. Die heimischen Bergbahnbetreiber sind vorbereitet. Sie hoffen. Und warten. Wütend zum Teil.

Eckbauer- und Graseckbahn

Lange hatte Katrin Ostermair-Maurer überlegt, viele Gespräche mit ihrer Familie geführt. Und sich schließlich entschieden: Sie investiert. Rund zehn Millionen Euro in ihr Eckbauerbahn-Projekt. So entstanden eine neue Talstation, ein Café, eine komplett neue Bahn. Vor einem Jahr, am 16. Mai, ging sie in Betrieb. Ostermair-Maurers Enkel Johann und Ludwig durften das weiß-blaue Band zur Eröffnung durchschneiden. Wer hätte da gedacht, wie sehr sich Ostermair-Maurer ein Jahr später ärgern würde. Wegen einer neuen Bahn mit modernen Sechser-Gondeln, die nicht fahren darf. „Ich bin stinksauer“, sagt die Garmisch-Partenkirchnerin, der auch die Graseckbahn gehört. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Und die Regierung lässt uns im Regen stehen.“ Bei allem Verständnis für die Schließung Mitte März, für die strengen Auflagen zu Beginn – jetzt fehlt es ihr. Niemand kann ihr erklären, weshalb die Politik einen Fahrplan für Gastronomen – Ostermair-Maurer betreibt auch das Olympiahaus und wird zum 18. Mai die Terrasse wie erlaubt öffnen – sowie Hotels entwickelt, die Seilbahnen aber ignoriert. Problemlos lassen sich ihrer Meinung nach die Abstands- und Hygienevorschriften einhalten. Dafür hat der VDS ein Konzept entwickelt, Ostermair-Maurer weiß bereits, wie sie es umsetzt. Desinfektionsmittel zum Reinigen der Kabinen, Beschilderungen für die Gäste, Abtrennungen für den Zugangsbereich – alles steht bereit. Auch die Revision der Eckbauer- und Graseckbahn – dort stand eine größere Reparatur an, die sie vorgezogen hat – ist abgeschlossen. „Wir können morgen aufsperren.“ In der Theorie. Stattdessen bangen Ostermair-Maurer und ihre 17 Mitarbeiter. „Jeder Tag tut weh, an dem die Bahn steht.“ Gerade, wenn man so viel investiert hat. Dennoch glaubt sie an die Zukunft. Wirklich gut komme niemand durch diese Zeit, die Verluste sind massiv. „Aber ich habe keine Angst, dass es am Ende nicht funktioniert.“ Sie baut auf die Menschen und ihre Sehnsucht nach Natur. „Die Leute wollen raus, auf den Berg.“

Bayerische Zugspitzbahn

Über Beziehungen lässt sich oft manches bewirken. In diesem Fall helfen sie nichts. Matthias Stauch, Kaufmännischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), ist zwar zugleich Vorsitzender des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS). Sitzt also vorne dran, wenn seine Mitglieder den Start zum 18. Mai fordern. Mehr aber auch nicht. Die Entscheidung treffen andere. „Wir sind zu 100 Prozent abhängig von der Regierung“, sagt BZB-Sprecherin Verena Lothes. „Wir hoffen von Kabinettssitzung zu Kabinettssitzung.“

Zumal auch die BZB hohe Investitionen gewagt hat. 50 Millionen Euro kostete die neue Seilbahn Zugspitze, eröffnet im Dezember 2017. Das Darlehen nahmen die Gemeindewerke auf, wie die BZB ein Tochterunternehmen des Marktes. Beide Betriebe seien in der Lage, ihren Schuldendienst zu bewältigen, sagte Dr. Sigrid Meierhofer in ihrer letzten Sitzung als Bürgermeisterin Ende April. „Die Liquidität ist auf absehbare Zeit gesichert.“ Ob der Kredit aktuell weiter getilgt wird, dazu macht die BZB keine Angaben. 

Verfrühte Zwangspause hat das Unternehmen genutzt

Die verfrühte Zwangspause hat das Unternehmen genutzt. Mit Stillstand des Gesamtbetriebs am 16. März startete die Frühjahrsrevision in den Gebieten Zugspitze, Garmisch-Classic und Wank. Diese war eigentlich für April und Mai vorgesehen. Die Arbeiten an der Seilbahn Zugspitze, der Gletscher- und Zahnradbahn – dort standen unter anderen Gleissanierungsarbeiten im Tunnel an – sind Lothes zufolge abgeschlossen. Jene an der Wank-, Alpspitz- und Kreuzeckbahn, wo die Stützen saniert werden mussten, befinden sich in den Endzügen.

Zudem entwickelten die Verantwortlichen mit den Behörden ein individuelles Hygienekonzept. Der Mund- und Nasenschutz ist für alle Besucher Pflicht. Abstandsregeln in den Kabinen sowie beim Ein- und Aussteigen und Warten spielen eine wichtige Rolle. Man habe verschiedene Möglichkeiten, sagt Lothes. Diese werde man entsprechend umsetzen, wenn konkrete Auflagen der Politik feststehen. „Sobald wir starten dürfen, sind wir bereit.“

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