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Da fliegt er dahin. Nach aktuellem Stand wird das Bundeswehr-SAR-Kommando die heimischen Bergwachten künftig nicht mehr bei Luftrettungseinsätzen unterstützen. Der Abschied ist mit vielen Emotionen verbunden.

Bergwacht und Bundeswehr: Die Zusammenarbeit endet - vorerst

Der letzte SAR-Hubschrauber ist weg

Landkreis - Bundeswehr und Bergwacht – eine Erfolgsgeschichte im Landkreis. Seit über 50 Jahren. Diese geht nun zu Ende: Der letzte SAR-Hubschrauber wurde an einen neuen Standort verlegt. Engpässe befürchten die Beteiligten nicht, doch verlieren sie einen unersetzbaren Partner. Und hoffen nun auf die Politik.

Heinz Pfeffer bringt man nicht mit Gefühlsduselei in Verbindung. Nah am Wasser dürfte der Bereitschaftsleiter der Bergwacht Mittenwald auch nicht gerade gebaut sein. An diesem Tag im Oktober aber, da musste er einen Kloß hinunterschlucken, eine Träne wegwischen. Er war nicht der Einzige. An diesem Tag haben er und andere Bergwacht-Mitglieder aus dem Landkreis Abschied genommen von Freunden und Partnern: der Einsatzgruppe SAR (Search and Rescue) am Bundeswehr-Fliegerhorst in Penzing bei Landsberg.

Tagsüber keine Engpässe - nachts möglicherweise

Dieser wird im Zuge der Bundeswehr-Reform aufgelöst und das SAR-Kommando nach Niederstetten in Baden-Württemberg verlegt. Seit 15. Dezember sind die letzten zwei Hubschrauber an ihrem neuen Standort stationiert. Damit verlängert sich die Anflugzeit ins heimische Gebirge laut Bergwacht Grainau von etwa 30 auf bis zu 90 Minuten – zu lange. Es gilt als sicher, dass die Helikopter nicht wie bisher in der Luftbergrettung zum Einsatz kommen. Ebenso einig ist man sich, dass die Versorgung gesichert ist. „Keiner wird sterben, nur weil die Bundeswehr nicht mehr da ist“, sagt Klemens Reindl aus Bad Kohlgrub, als Bundesleiter Deutschlands höchster Bergwachtsmann. 

Von einer enormen Dichte an Rettungshubschraubern spricht er ebenso wie Pfeffer, sein Garmisch-Partenkirchner Kollege Andreas Dahlmeier und Toni Vogg junior, Ausbilder und Einsatzleiter in Grainau. Maschinen aus Murnau, Reutte, Innsbruck und von der Bundespolizei in München können alarmiert werden. Schon zuletzt deckten sie, allen voran der ADAC-Hubschrauber Christoph Murnau, 95 Prozent der Einsätze ab, nur fünf Prozent entfielen auf die Bundeswehr. „Sie hat eine Nische bedient, keine Frage“, sagt Vogg. Aber eine wichtige. So könnten sich durch den Wegfall der Bell UH-1D dennoch Engpässe ergeben. Nachts.

Bundeswehr brachte Zeit mit

Für Einsätze bei Dunkelheit müssen Besatzung und Helikopter entsprechend ausgebildet beziehungsweise ausgerüstet sein. Am Fliegerhorst in Penzing waren in aller Regel Team und Maschine verfügbar, bei der Polizei hingegen aufgrund der vielen Einsätze nicht immer. Im Notfall müssen die Bergwachten dann auf Hilfe aus der Luft verzichten. Das Thema hat Reindl auf dem Schirm. Natürlich verschlechtere sich die Lage, wenn eine Maschine und Partner mit großer Erfahrung wegfallen.

Einen weiteren unbezahlbaren Vorteil brachte SAR mit: Zeit. „Die Bundeswehr war nicht nur ein fairer und zu 100 Prozent verlässlicher, sondern auch ein langsamer Partner“, sagt Dahlmeier. Langsam im besten Sinn: Sie stand nicht unter dem Einsatzdruck wie ein ADAC- oder Polizei-Hubschrauber. Der Pilot konnte, wurde er nicht für militärische Zwecke benötigt, vor Ort am Boden mal bis zum Einsatzende warten. Viel Zeit blieb zudem für Besprechungen.

Wichtige Übungseinheiten fallen weg

Unisono betonen die Bergretter: Die Zusammenarbeit mit den Heli-Teams aus Murnau oder von der Polizei funktioniert bestens. Vergleichbar aber ist sie mit SAR nicht, allein aus historischen Gründen.

Vor über 50 Jahren haben Bundeswehr und Bergwacht-Mitglieder im Landkreis die Gebirgsluftrettung aufgebaut, sie perfektioniert, intensiv geübt. Auch hier ergibt sich ein Problem: Übungen fallen weg. Mit der SAR-Besatzung stellte jeweils ein großes Team der Bereitschaften Winden- und Nachteinsätze nach. An Kursen etwa mit der Polizei können jeweils nur zwei oder drei Mitglieder teilnehmen.

Keine Frage: „Uns fehlt ein wichtiger Partner.“ So fasst Reindl die Situation zusammen. Und das habe die Bergwacht der Politik auch klar gemacht, betont er. Vielleicht sogar mit Erfolg.

Minister Herrmann schickt Brief an Ministerin von der Leyen

Dem Vernehmen nach laufen Verhandlungen, ob eine Maschine am Ausbildungsstützpunkt Luftlande und Lufttransport in Altenstadt bei Schongau und damit nur etwa elf Flugminuten entfernt stationiert wird. Reindl hat gehört, dass sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dafür einsetzt. Er soll Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen einen Brief mit der entsprechenden Bitte geschrieben haben. Mehr weiß noch keiner. Doch die Hoffnung bei den Bergwacht-Bereitschaften ist groß, dass sie nach einem wehmütigen Abschieds- ein freudiges Wiedersehensfest feiern. Kommen die guten Nachrichten, verspricht Reindl, „machen wir auf jeden Fall ein Fass auf“.

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