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Sorgenkinder bei den Ausbildungszweigen

Der Berufsschule bricht eine sichere Bank weg

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Bei Johannes Klucker schrillen die Alarmglocken: Die Ausbildung zum Bankkaufmann steht bei jungen Menschen nicht mehr hoch im Kurs. Für den Berufschulleiter beginnt der Kampf darum, das Angebot zu halten.

Landkreis – Die anhaltende Null-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zieht auch im Landkreis einen langen Rattenschwanz nach sich. Einschnitte in der Nahversorgung einiger Gemeinden zum Beispiel, weil die Geldinstitute gezwungen waren, ihr Filialnetz auszudünnen oder gemeinsame Sache zu machen. Die VR-Bank Werdenfels und die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen wandelten kleine Geschäftsstellen in SB-Filialen um, die sie nun gemeinsam betreiben. Oder man sparte am Personal, um die Bilanzen wieder halbwegs auf Vordermann zu bringen. Jetzt bekommt auch das Berufliche Schulzentrum die Auswirkungen zu spüren. Leiter Johannes Klucker hat das nächste Sorgenkind bei den Ausbildungsberufen.

Die Zahlen derjeniger, die sich für eine Lehre als Bankkaufmann/-frau entscheiden, sind rückläufig. Zu Hoch-Zeiten Mitte der 1990er waren es noch um die 60 Schüler, in diesem Jahr erreichte man den bisherigen Tiefstand mit 27, aufgeteilt in zwei Klassen. Dieser Ausbildungsweg „fällt durch das Netz der jungen Leute“, sagt Klucker. Aus Gesprächen mit den Verantwortlichen der Finanzinstitute an einem Runden Tisch weiß er, dass sie an Bewerber eingebüßt haben. Eine völlig neue Situation für Ausbildungsbetriebe, die über lange Zeit hinweg bei jungen Menschen hoch im Kurs standen. „Die Bank war eine sichere Bank“, betont der Schulleiter.

Besorgniserregende Entwicklung: Die Schülerzahlen im Ausbildungsberuf Bankkaufmann/-frau und  nehmen ab.

Die Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf den hiesigen Standort. Auch Landsberg mit 10 Schülern und Weilheim-Schongau mit 17 haben zu knabbern. Und sie kämpfen um das Angebot an ihren Einrichtungen. Auch Klucker. Die Liste an Ausbildungsberufen am Schulzentrum ist geschrumpft. Maurer, Zimmerer, Schreiner, Büro- und Industriekaufleute und Fleischer musste man schon abtreten. „Das kann nicht so weitergehen“, sagt der Leiter. Davor warnt auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler). „Wenn ein Sprengel weg ist, kommt er nie wieder.“

Die Sorge treibt Klucker aber nicht nur im Bezug auf das Bankwesen um. Nach wie vor herrscht ein Mangel an Lehrlingen bei den Bäckern, Bäckerei-Fachverkäufern und Konditoren. Insgesamt sind’s 52 Schüler in drei Klassen. „Das ist nur noch traurig“, meint Klucker. Und „dramatisch“. Vor allem, weil die 26 Bäcker-Auszubildenden aus zwei Landkreisen stammen. Mit Blick auf die Zukunft sagt er: „Die Versorgung mit qualifiziertem Nachwuchs ist nicht gesichert.“

Auch bei den Bäckereifachverkäufern sieht die Entwicklung nicht rosig aus.

Oberste Priorität hat deshalb das Angebot mittelfristig zu sichern – indem man den Einzugsbereich der Staatlichen Berufsschule in Garmisch-Partenkirchen für bereits bestehende Ausbildungsberufe erweitert. Oder indem moderne und zukunftsträchtige, die zum Schulprofil passen, angesiedelt werden. E-Commerce zum Beispiel. Damit würde einhergehen, Übernachtungsmöglichkeiten durch den Bau eines Lehrlingswohnheims zu schaffen.

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