Die Sanierung neigt sich dem Ende entgegen: das Berufliche Zentrum mit Berufsschule und Wirtschaftsschule in Garmisch-Partenkirchen.
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Die Sanierung neigt sich dem Ende entgegen: das Berufliche Zentrum mit Berufsschule und Wirtschaftsschule in Garmisch-Partenkirchen.

Millionenteure Sanierung auf der Zielgeraden

Berufsschule: Standort und Zukunft sichern

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Ein Mammutprojekt in Garmisch-Partenkirchen steht vor dem Abschluss: Die Sanierung des Beruflichen Schulzentrums soll nächstes Jahr im Frühjahr beendet sein. Einige Probleme bleiben dennoch.

Garmisch-Partenkirchen – Sabine Lohmüller sieht Licht am Ende des Tunnels. Im Frühjahr 2021 könnte es soweit sein, dass die Schüler wieder in das angestammte Gebäude des Beruflichen Schulzentrums in Garmisch-Partenkirchen an der Partnach ziehen. Seit 2018 läuft die Sanierung, sind die Klassen in Container auf dem naheliegende Grundstück Zerhoch an der Schornstraße ausgelagert.

Schülerzahlen sind stark rückläufig

„Es läuft teilweise schon der Innenausbau“, betont die Direktorin. Weniger positiv blickt sie auf die Entwicklung, die speziell die Berufsschule seit einiger Zeit nimmt. Die Schülerzahlen sind stark rückläufig, haben sich in den vergangenen 20 Jahren von rund 1700 auf zirka 900 fast halbiert. Mitverantwortlich dafür: die Attraktivität der Einrichtung hat stark gelitten.

Manko Nummer eins: Es fehlt ein Wohnheim für auswärtige Schüler. „Dadurch sind wir bei der Vergabe neuer Berufe zuletzt stets leer ausgegangen“, betont Lohmüller. Sinken die Schülerzahlen weiter, droht der Verlust weiterer Berufssparten. Lohmüller ist erst seit einem Jahr im Schulzentrum, folgte auf Johannes Klucker. Von ihrem Vorgänger hat sie dieses Problem vererbt bekommen. „Ich weiß von ihm, dass das schon lange ein Thema ist.“ Seit mehr als zehn Jahren kämpfe die Berufsschule um eine Wohngelegenheit für auswärtige Schüler, um gegenüber den benachbarten Landkreisen nicht weiter an Einfluss zu verlieren. Getan hat sich bisher nichts.

Bauen müsste der Landkreis als Träger. Nun kommt neue Bewegung in die Sache. Die Kreis-CSU unternimmt mit einem Antrag an die Kreisverwaltung einen neuen Anlauf. „Für uns ist es wichtig, dass wir den Berufsschulstandort langfristig sichern“, betont Florian Lempert, der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion. Sonst mache die laufende Sanierung und Modernisierung für immerhin 28 Millionen Euro keinen Sinn, schreibt der Seehauser. Auch die Christsozialen haben fehlenden Wohnraum für Auszubildende als „expliziten Standortnachteil“ ausgemacht. Ihr Lösungsansatz: Der Landkreis handelt einen Kooperationsvertrag mit den Jugendherbergen in der Region aus, um bei Bedarf zu festen Konditionen Wohnraum für Azubis anmieten zu können. „Somit würden nur bei entsprechender Nutzung der Kapazitäten Kosten für den Landkreis entstehen“, fasst Lempert zusammen.

Debatte um Wohnheim

Damit steuert die CSU in „wirtschaftlich schwierigen Zeiten“ gegen den Bau eines eigenen Wohnheims. „So könnten wir uns 5 bis 10 Millionen Euro für einen Neubau sparen, der unter Umständen dann auch noch schlecht ausgelastet sein könnte“, betont Lempert.

Auch die SPD hat sich Gedanken zum Thema gemacht. Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) schlägt einen anderen Weg vor. Sie plädiert für den Erwerb des Jugendhauses St. Josef an der Blumenstraße in Garmisch-Partenkirchen. „Es wurde zuletzt von der Caritas für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge genutzt“, betont die Ex-Bürgermeisterin der Marktgemeinde. „Das Haus eignet sich aufgrund seiner Lage sowie seiner aktuellen Nutzung ideal als Wohnheim für Auszubildende der Berufs- und Krankenpflegeschule.“

Lohmüller wäre um jede Alternative froh. Zu den beiden Anträgen wollte sie sich nicht direkt äußern. „Das ist eine politische Entscheidung“, stellt sie klar. „Aber ich wünsche mir, dass wir irgendwann ein Wohnheim haben, wie auch immer es aussieht.“ Denn die Direktorin fürchtet neues Ungemach, wenn sich die Situation nicht grundlegend verbessert. „Wir bräuchten dringend neue Berufe“, mahnt sie an. Strukturreformen in der Vergangenheit hätten beispielsweise dazu geführt, „dass wir die Berufe, die wir in der Region sehr verbreitet haben, bei uns in der Schule überhaupt nicht mehr anbieten können“. Sie verweist auf die Handwerker oder Kaufmänner, die in Weilheim oder Schongau angesiedelt sind. „Bei den Handwerksberufen haben wir den Platz für Werkstätten einfach nicht.“

Geblieben ist den Garmisch-Partenkirchnern stets die Medizinischen Fachangestellten, die Friseure, Bäcker und Konditoren sowie der gesamte Gastrobereich. Doch sind die Zahlen speziell in letzterem Metier mittlerweile auch sehr schlecht. Lohmüller nennt ein Beispiel: „Früher gab es drei oder vier Parallelklassen für Köche, jetzt haben wir pro Jahrgang nur noch eine.“ Die jungen Bänker und Steuerfachgehilfen sind dem Landkreis vorerst geblieben. „Für dieses Schuljahr“, merkt sie an. „Das Thema ist auf Dauer noch nicht durch.“ Zu gerne hätte die Schulleiterin bei der Vergabe von neuen Berufen etwas abbekommen. „Da sind einige aus dem Boden gestampft worden, die neu beschult werden mussten.“ Lohmüller nennt die Kaufmänner für E-Commerce oder im Gesundheitsmanagement, Auszubildende im Lager- und Logistikbereich. Doch Garmisch-Partenkirchen ging leer aus. „Ohne Wohnheim sind wir aus dem Verfahren rausgeflogen.“

Die Botschaft wie auch die Anträge aus den beiden Fraktionen hat die Kreisverwaltung zur Kenntnis genommen. „Der Landkreis ist natürlich interessiert, Wohngelegenheiten zu schaffen, um den Schulstandort zu stärken“, betont Pressesprecher Stephan Scharf. „Wir werden die verschiedenen Möglichkeiten prüfen und mit allen reden, um eine Lösung zu finden.“ Beim Schulausschuss im November dürfte sich das Thema auf der Tagesordnung finden.

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