+
Überwachen den Baufortschritt am Kankerbach: (v. l.) Vorarbeiter Josef Öfner, Horst Hofmann und Flussmeister Andreas Funk auf dem Weg zum geplanten Schwemmholzrechen.

Arbeiten hinter dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen laufen bereits

Besserer Schutz vor Hochwasser: Kanker bekommt einen  Schwemmholzrechen

  • schließen

Seit zwei Wochen wird an einem Schwemmholzrechen am Kankerbach hinter dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen gearbeitet. Nach fast vier Jahren Verhandlungen haben endlich alle Grundstückseigentümer dem Bauvorhaben zugestimmt.

Garmisch-Partenkirchen – Es sind Jahre, die sich in das Gedächtnis der Landkreis-Bürger eingebrannt haben. 1999, 2005 und 2018 kam es zu Tragödien, ausgelöst durch Hochwasser-Katastrophen. Die Verbesserung des Schutzes an Kanker und Partnach wurde deshalb schon vor fast 20 Jahren zum größten Wildbachprojekt in Bayern erklärt. Abgeschlossen sind die Arbeiten noch lange nicht.

Hinter dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen gräbt momentan ein Bagger. Das schwere Gefährt verbreitert das Bachbett der Kanker. Hierzu musste die Sandstraße versetzt werden. Die Eigentümer der landwirtschaftlichen Flächen büßten einige Quadratmeter pro Feld ein. „Das ist nötig, um den Rechen nach einem Hochwasser zu entleeren“, sagt Horst Hofmann vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim. Der Rechen selbst wird im Frühjahr installiert. Eine Spezialfirma rückt dafür mit einem Großbohrgerät an. Dieses treibt insgesamt 16 Stahlrohre mit Betonfüllung bis zu zehn Meter in die Tiefe. Das bestehende Fangnetz bildet künftig eine zusätzliche Sicherung.

Das Gefährliche an der sonst so kleinen und beschaulichen Kanker ist das riesige Wassereinzugsgebiet. Zwischen dem Wamberg-Sattel im Süden und dem Estergebirge im Norden fließen sämtlicher Regen und die gesamte Schneeschmelze in das Bächlein, das bei Klais entspringt. Das Frühjahr bereitet Hofmann die ärgsten Bauchschmerzen. Dann ist das Risiko eines Hochwasser-Ereignisses am höchsten.

Nicht nur er wird besser schlafen, wenn die Bauarbeiten für das Projekt mit einer Gesamtinvestition von 550 000 Euro im kommenden Jahr ihren Abschluss finden, sondern alle Kanker-Anlieger. 300 000 Euro kostet der Rechen, 250 000 Euro fallen für die Wegarbeiten an. 70 Prozent davon übernimmt der Freistaat Bayern, 30 Prozent stemmt die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen. Zudem muss sie 50 Prozent der Räumungskosten des Rechens nach einem Hochwasser aufbringen.

Seit 2004 haben der Freistaat und die Marktgemeinde über 25 Millionen Euro investiert. Der vorerst letzte Teil des Gesamtprojektes war die Instandsetzung des 100 Jahre alten Gerinnes der Kanker im Bereich oberhalb der Brücke an der Mittenwalder Straße und der Bundesstraße 2.

Das WWA erstellte bereits 2014 einen Bescheid, dass der Wildbach hinter dem Klinikum einem Jahrhunderthochwasser nicht standhält. „Das Schwemmholz sammelt sich am Staudamm nahe dem Hubschrauberlandeplatz“, sagt Hofmann. Die Folgen einer Flut wären verheerend: „Das gestaute Wasser wird unkontrollierbar.“ Zwar installierten die Behörden 1999 – noch vor dem Jahrhundert-Hochwasser im gleichen Jahr – ein Fangnetz vor dem Staudamm. Ausgereicht hat dieses überhaupt nicht.

Deshalb beschloss der Gemeinderat, das Wasserwirtschaftsamt mit einer weiteren Sicherheitsvorkehrung zu beauftragen. Ein Schwemmholzrechen soll es sein. „Wir mussten allerdings mit den zahlreichen Grundstückseigentümern in der Au verhandeln“, sagt Hofmann. Und das zog sich vier Jahre.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Klares Signal: Krün geht gegen Zweitwohnungen vor 
Der Gemeinderat greift durch: Er hat die Satzung für Zweitwohnungen geändert.  Unter anderem gibt es einen höheren Steuersatz.
Klares Signal: Krün geht gegen Zweitwohnungen vor 
Großeinsatz auf B23: Mann fährt frontal gegen Baum und stirbt in Wrack
Gegen 10 Uhr ereignete sich ein schwerer Unfall bei Unterammergau auf der B23. Ein Mann aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck fuhr mit hoher Geschwindigkeit gegen einen …
Großeinsatz auf B23: Mann fährt frontal gegen Baum und stirbt in Wrack
Gewaltiger Föhnsturm: Zugspitze eröffnet Wintersaison - Neue dramatische Details der Verwüstung 
Ein gewaltiger Föhnsturm hat in der Nacht zum Freitag im Landkreis Garmisch-Partenkirchen für Verwüstung gesorgt. Bäume blockierten Straßen und Gleise. Alle Infos im …
Gewaltiger Föhnsturm: Zugspitze eröffnet Wintersaison - Neue dramatische Details der Verwüstung 
Schienen-Schäden führen zu Verspätungen
Wer öfters mit dem Zug zwischen Garmisch-Partenkirchen und Murnau fährt, dem kann es nicht entgangen sein: Bei Eschenlohe ist die Bahn schon seit rund zwei Wochen im …
Schienen-Schäden führen zu Verspätungen

Kommentare