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Eine Urnenwand existiert bereits. 

Vorschlag für die letzte Ruhe

„Wunderschön und würdig“: Diese neue Bestattungsart könnte es künftig in Garmisch-Partenkirchen geben

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Blumen statt Beton – das wünschen sich Ursula Kössel und Franziska Louisot für die beiden Friedhöfe in Garmisch-Partenkirchen. Und bringen eine neue Bestattungsform ins Spiel.

Garmisch-Partenkirchen – Immer, wenn Franziska Louisot über den Garmischer Friedhof geht, bleibt sie ehrfurchtsvoll vor einem großen Baum stehen. Die Eiche ziert nicht nur die Anlage, sondern ist seit 2018 auch die letzte Ruhestätte für mittlerweile zehn Menschen, die feuerbestattet wurden. „Die Nachfrage nach Urnengräbern ist enorm“, sagt Louisot. Von den insgesamt 3790 Stück auf den beiden Friedhöfen in Garmisch-Partenkirchen sind aktuell nur 424 Nischen frei.

Deshalb hat sie mit Gemeinderätin Ursula Kössel (CSB) für diese Art der Bestattung „gekämpft“. Den Bedarf verdeutlichen die Zahlen: Zehn Gräber sind innerhalb von nicht einmal einem Jahr in Anspruch genommen worden. „Tendenz steigend“, versichert Louisot. „Vor allem wegen der schönen Art und Weise.“ Sie persönlich hält nicht viel von der klassischen Urnenmauer, die sie mehr „an Spints im Schwimmbad“ erinnert.

Louisot besucht mehrmals wöchentlich den Friedhof, auf dem auch ihr Ehemann die letzte Ruhe findet. Ebenfalls in einer Urne. „Hier ist es so schön hergerichtet und gepflegt“, schwärmt sie von dem Areal im Nordwesten des Orts. Auch das Friedhofspersonal „ist stets nett und freundlich“. Arbeit gibt es genug für die Angestellten, auch wenn Louisot immer öfter beobachtet, dass Gräber aufgelöst werden. „Die Verwandten haben nicht mehr viel Zeit oder leben weit weg.“

Die Marktgemeinde bestätigt diese Vermutung. „Etwa 140 Grabstätten werden jährlich aufgelassen“, sagt Rathaus-Sprecher Martin Bader. 2017 waren es 130, 2018 hingegen 150. Dafür steigen die Urnenbeisetzungen im Landkreis. Ein Grund ist der Kostenfaktor sowie der geringe Pflegeaufwand. Bundesweit werden mittlerweile über 60 Prozent aller Verstorbenen eingeäschert.

Um dieses Angebot für Garmisch-Partenkirchen zu erweitern, streben Louisot und Kössel nun eine neue Art der Urnen-Beisetzung an: ein Gemeinschaftsgrab. Auf einer Säule werden die Namen der Verstorbenen eingraviert. Die Urnen sind darunter beigesetzt. Ein Landschaftsgärtner kümmert sich um das Blumenbeet darüber.

Die Idee hat sie vom Farchanter Friedhof. „Die Grabstelle sieht wunderschön und sehr würdig aus“, sagt Louisot. „Ein Ort der Stille, an dem man sich hinsetzen und nachdenken kann“, beschreibt auch ihre Mitstreiterin Kössel. Genau das wünschen sich beide nun für die Friedhöfe in den Ortsteilen Garmisch und Partenkirchen.

Kössel stellte deshalb einen Antrag an die Marktgemeinde. Sie hat bereits erste Kostenschätzungen von einem hiesigen Bestattungsunternehmen eingeholt. „Die Angehörigen kaufen ein Grab für 3000 Euro für zwölf Jahre.“ Sie zahlen also jährlich 250 Euro. Damit gäbe es künftig neben der klassischen Erdbestattung drei verschiedene Arten, Urnen beizusetzen: die Mauer, der Baum und vielleicht bald das Gemeinschaftsgrab. „Es ist nicht ganz einfach, etwas Neues durchzusetzen“, sagt Kössel. „Viele wollen ihre traditionellen Beerdigungen.“ Doch für sie wäre ein Gemeinschaftsgrab eine wertvolle Ergänzung der bisherigen Möglichkeiten.

Wo dieses entstehen soll, ist offen. „Vielleicht an einem Platz, an dem ein Grab aufgelassen wurde“, überlegt Louisot. Doch sie ist optimistisch, genauso wie Bader: „Einen entsprechenden Platz zu finden, sollte grundsätzlich möglich sein.“ Der Antrag wurde sachgerecht geprüft und nun an entsprechende Gremien weitergeleitet.

Urnengräber in Garmisch und Partenkirchen

Friedhof Garmisch: 764 Zweier-Nischen (können mit zwei Urnen besetzt werden), davon sind 38 nicht belegt. 93 Vierer-Nischen, davon 38 nicht belegt. Zudem 42 belegte Urnenerdgräber.

Friedhof Partenkirchen: 788 Zweier-Nischen, davon 139 nicht belegt. 38 Vierer-Nischen, davon sind sieben frei. Zudem gibt es 120 Urnenerdgräber.

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