Die Patin mit den Arbeitern: (v.l.) Maria Riesch, Projektleiter Dietmar Kerbis, Bauleiter Bernd Christophl und Stefan Weißenbacher (Bild l.). Fotos: Sehr

Besuch der Tunnelpatin: Maria Höfl-Riesch im Erkundungsstollen

Garmisch-Partenkirchen - Schon 1400 Meter sind die Arbeiter am Südportal in den Kramertunnel vorgedrungen. Nun bekamen sie Besuch: Tunnelpatin Maria Höfl-Riesch schaute vorbei.

Das Wasser tropft von der Decke. Die Luft ist feucht, der Tunnel nur spärlich beleuchtet. Einige Sekunden dröhnt es laut. Für einen besonderen Gast, der sich auf den Weg in den Erkundungsstollen für den Kramertunnel gemacht hat, stellen die Arbeiter die Bohrungen ein: Maria Höfl-Riesch steht vor ihnen. Die Skirennläuferin ist Tunnelpatin. Und es wurde höchste Zeit, dass sie ihr Patenkind erstmals besucht.

Zu Fuß in die Röhre zu gehen, das dauert allerdings zu lange - am Südende sind die Arbeiter inzwischen rund 1400 Meter im Berg. Deshalb legen Höfl-Riesch, Projektleiter Dietmar Kerbis, Martin Maier vom Staatlichen Bauamt und einige Mineure einen Großteil der Strecke mit Fahrzeugen zurück. Die letzten Meter aber waten sie doch durch den Matsch. Höfl-Riesch geht in ihren gelben Gummischuhen, der grellen orangen Jacke und dem Helm auf dem Kopf mit großen Schritten voran. Schnell ist sie an der Ortsbrust angekommen und blickt auf die Wand. Davor steht der riesige Bohrwagen, der die Sprengungen vorbereitet. „Los, steig ein“, ruft ihr Polier Wolfgang Thaler zu. Die Sportlerin kraxelt rauf zu ihm in die Fahrerkabine und lässt sich erklären, was er da macht. Gespannt lauscht sie seinen Erzählungen. Zeit zum Ausprobieren bleibt nicht - Höfl-Riesch muss weiter.

Die Zeit in der Heimat ist gut durchgeplant. Am Morgen war die Skifahrerin beim Slalomtraining am Gudiberg, mittags steht sie eine halbe Stunde im Erkundungsstollen, nachmittags ist sie zum Gespräch im Fanclub. Das volle Programm macht ihr nichts aus. „Es ist schön, wieder zu Hause zu sein“, sagt sie, als sie schon wieder raus ist aus dem Tunnel. Ihrem Tunnel.

Sie schaut zurück zum Eingang. Hoch oben trohnt das Schild, auf dem steht: „Maria-Tunnel“. Sie schaut stolz hinauf und senkt den Blick. Der Ausflug in die Röhre hat sie beeindruckt. „Das war total spannend“, schwärmt sie. „Ich konnte mir ja nicht vorstellen, wie es da drinnen aussieht. Es ist schon Wahnsinn, was die Leute leisten.“ Den Arbeitsplatz mit ihnen tauschen möchte sie nicht: „Es ist schon sehr nass und dunkel da drin.“

Für Projektleiter Dietmar Kerbis und seine Mineure ganz alltäglich. Er begleitete die Tunnelpatin. „Sie war extrem interessiert“, sagt er. „Vielleicht hat sie ja jetzt umso mehr das Bedürfnis, mal wieder bei uns vorbeizuschauen.“ Höfl-Riesch hat es zugesagt. Im April will sie wieder kommen, versichert sie Kerbis beim Abschied. Und sie verspricht noch etwas: „Sie bringt eine Brotzeit vorbei“, verrät Kerbis. Das ist auch ihre Aufgabe. Denn als Tunnelpatin ist die 27-Jährige gewissermaßen die Stellvertreterin der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Deshalb hat Maria Höfl-Riesch mit der Ehre auch eine Pflicht übernommen, erklärt der 36-Jährige: „Sie muss sich um die Mineure kümmern.“ Eine Brotzeit ist für die Arbeiter ein willkommener Anfang.

kma

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