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Olympia 2022: Alles eine Nummer kleiner

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Setzt sich die Strahlkraft der Olympischen Ringe gegen die dunklen Wolken durch? Mit einer Presseerklärung zu einer möglichen zweiten Bewerbung für die Winterspiele ist das Thema wieder präsent. Das Bild zeigt eine Lichtinstallation in Athen. © dpa

Garmisch-Partenkirchen - Aus drei mach vier: Die Landeshauptstadt München und der Markt Garmisch-Partenkirchen sowie die Sportverbände ändern das Konzept für eine mögliche Bewerbung um Olympische Winterspiele. Wird ein zweiter Anlauf für 2022 damit wahrscheinlicher?

Im Verborgenen wurden die Netze längst gewoben. Erst im Kleinen, in engen Zirkeln in München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee sowie in den Sportverbänden, dann in größeren Kreisen, über die Grenzen hinweg. Die Befürworter einer zweiten Bewerbung für Olympische Winterspiele 2022 knüpften ihr Netz behutsamer, damit es stärker trägt als bei der Kandidatur für 2018. Und die Gegner breiteten ihr eigenes in andere Länder aus, die einen Anlauf für das Riesen-Spektakel verhindern wollten. Nur ab und an, etwa nach der Ablehnung der Schweizer Kandidatur bei einem Volksentscheid, wurden die Netze sichtbar. Seit gestern sind sie am Tageslicht: Da haben die wichtigsten Beteiligten, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Kommunen, öffentlich gemacht. Sie wollen das Sportstättenkonzept für einen zweiten Anlauf ändern.

Das Gestüt Schwaiganger (Gemeinde Ohlstadt) wird aus den alten Büchern gestrichen. Statt dessen sollen Biathleten und Langläufer in Ruhpolding an den Start gehen; für die Biathleten wurde erst zur WM 2012 die Chiemgau-Arena gebaut, Langlauf-Strecken bestehen dort noch nicht. Auch ein Olympisches Dorf müsste in Ruhpolding gebaut werden. Die modernen Freestyle-Wettbewerbe der Skifahrer sollen nicht in Garmisch-Partenkirchen ausgetragen werden, sondern im Münchner Olympiapark. Und das Werdenfelser Land? „Wir hätten die Ski-Alpin-Wettbewerbe, die Springwettbewerbe bleiben, und eigentlich wollen wir die Nordische Kombination behalten“, meint Christian Neureuther als Vertreter von „OlympiJa“. Er, der Vereinsvorsitzende Heinz Mohr sowie Franz Reindl, der Generalsekretär des Deutschen Eishockeybunds (DEB), haben in den vergangenen Monaten intensiv an der Änderung des Konzeptes gearbeitet, Überzeugungsarbeit bei nationalen Wintersportverbänden und beim DOSB geleistet. „Mit uns gibt es nur diese Lösung“, sagt Neureuther.

„Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, gibt Alfons Hörmann, der mächtige Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), offen zu. „Aufgrund der schönen, tollen Erfolge und der faszinierenden Stimmung bei der Ski-WM 2011 habe ich es für eine faszinierende Idee gehalten, in Garmisch-Partenkirchen Olympische Winterspiele auszutragen.“ Wenn aber die Dimension des Spektakels kritisch gesehen werde, „reagieren wir darauf und versuchen, die Dinge beim zweiten Mal zu verbessern.“ Er hofft auf eine „nennenswerte Steigerung der Akzeptanz“.

Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) war in die Gespräche von „OlympiJa“ von Anfang an eingebunden – und steht voll hinter dem Konzept. „Das bringt unserem Ort 40 Prozent Entlastung“, sagt er mit Blick auf die Bewerbung für 2018 und rechnet vor: Das umstrittene Olympische Dorf könne viel kleiner ausfallen, auch das Medienzentrum, neue Sportstätten seien nicht nötig – mit zwei Ausnahmen. Würden in Garmisch-Partenkirchen die Skispringen ausgetragen, bräuchte es noch eine kleinere K-90-Schanze. Für die Nordische Kombination wäre eine (kürzere) Langlaufstrecke nötig. „Wir behalten die Stärken des ersten Konzeptes bei, aber wir haben aus den Schwächen und der Kritik gelernt“, sagt Schmid.

Die Änderung ist indes nur ein erster Schritt bis zu den Abstimmungen: Die Bürger in München und Garmisch-Partenkirchen sollen am 10. November votieren. Die Abgabefrist für eine Bewerbung endet am 14. November. Noch sind viele Fragen zu klären. Bis zum Bürgerentscheid muss für Schmid auch der Sponsorenpool gesichert sein. Befürworter und Gegner aber können jetzt offen ihre Netze weben.

Matthias Holzapfel

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