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Die Eröffnungsfeier im Skistadion war ein Höhepunkt der Alpinen Ski-WM 2011.

Am Mittwoch entscheidet der Gemeinderat

Bewirbt sich Garmisch-Partenkirchen für die Alpine Ski-WM 2025?

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Der Gemeinderat beschäftigt sich am Mittwoch mit einer Bewerbung für die Alpine Ski-Weltmeisterschaft 2025. Alles deutet daraufhin, dass sich eine breite Mehrheit findet. Die ist auch nötig, um ein positives Signal an DSV und FIS zu senden.

Garmisch-Partenkirchen – Als Peter Fischer und Gabi Maurer den Saal betraten und ihre Plätze einnahmen, wusste jeder, der in der Lage ist, eins und eins zusammenzuzählen, wieso der Vorsitzende des Skiclubs Garmisch und seine Assistentin an diesem Abend Mitte April den Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat mit ihrer Anwesenheit beehrten. Es konnte sich nur um eine neue Bewerbung für eine Ski-Weltmeisterschaft handeln. Lange warten mussten Fischer und Maurer, ehe sie an der Reihe waren. Erst handelte der Gemeinderat seinen öffentlichen Teil ab. Und der dauerte, weil zunächst Dr. Herrmann Streicher vom Staatliche Bauamt Weilheim über Kramer- und Wanktunnel referierte und sich danach einige Gemeinderäte wie die Kesselflicker mit FDP-Mann Martin Schröter stritten. Als Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) die Sitzung für beendet erklärte, erhoben sich Fischer und Maurer von ihren Stühlen und marschierten nach vorne. Sie brachten die Gemeinderäte hinter verschlossenen Türen auf den neuesten Stand, was vor allem der Meinungsbildung diente. Fischer soll darauf bestanden haben, sein Auftritt müsse unter Ausschluss der Öffentlichkeit vonstattengehen. Und der gestaltete sich, wie von Teilnehmern an der Sitzung hinter vorgehaltener Hand zu erfahren war, so eindrucksvoll und schlüssig, dass das Gremium pro Bewerbung für die alpinen Titelkämpfe 2025 gestimmt sein soll.

Eine Botschaft des Mannes, der als Geschäftsführer des WM-Bewerbungs- und Organisationskomitees verantwortlich für den sportlichen und finanziellen Erfolg der 2011-Veranstaltung zeichnete, kam offenbar besonders gut an, weil sie finanziell in die Zeit passt. Fischer machte deutlich, dass nach den derzeitigen Anforderungen des Internationalen Skiverbands FIS keine Investitionen in Kandahar, Gudiberg und Hornabfahrt nötig sind. Es könne auf die Strecken und Aufstiegshilfen zurückgegriffen werden, die für 2011 ertüchtigt wurden.

„Ein Ratsbegehren würde unsere Ausgangslage für eine erfolgreiche Bewerbung erheblich verschlechtern.“

Wenn es normal läuft, werden sich die Garmisch-Partenkirchner Kommunalpolitiker in ihrer Sitzung am Mittwoch (19 Uhr) wohl dafür aussprechen, dass der Markt seinen Hut nach der erfolgreichen WM 2011 für 2025 erneut in den Ring wirft. „Es besteht eine breite Basis“, sagt Meierhofer. „Allerdings rechne ich nicht mit Einstimmigkeit.“ Möglich auch, dass die Bürger befragt werden. Das könnte per Ratsbegehren geschehen. Anders als bei Olympia 2022, das per Bürgerentscheid krachend scheiterte, herrsche „im Ort für eine Ski-WM jedoch ein positiver Geist“, sagt Meierhofer, so dass es das wohl nicht brauche. Fischer wünscht sich ein überzeugendes Ergebnis als deutliches Signal an den nationalen und internationalen Verband. „Wir müssen Einigkeit demonstrieren. Ein Ratsbegehren würde unsere Ausgangslage für eine erfolgreiche Bewerbung erheblich verschlechtern.“

Fällt das Votum so aus wie erhofft, sollen umgehend Gespräche mit dem Deutschen Ski-Verband (DSV) aufgenommen werden. Beim FIS-Kongress in Costa Navarino (Griechenland) Mitte Mai hatte Fischer zu den Funktionären bereits Kontakt hergestellt und deren Bereitschaft ausgelotet, mit Garmisch-Partenkirchen in den Bewerbungsmarathon zu starten. Sport-Direktor Wolfgang Maier und Vorstandssprecher Hubert Schwarz haben sich für die morgige Sitzung angesagt. Präsident Franz Steinle, der ebenfalls kommen wollte und mit dem Meierhofer einen regen Austausch pflegt, ist beruflich verhindert.

Bewerbungsschluss ist am 1. Mai 2019

Für den Deutschen Ski-Verband ist Garmisch-Partenkirchen in Sachen Alpinen Ski-WM immer erste Wahl gewesen. Allerdings hielt man sich lange zurück, weil man den Erfolg von Oberstdorf für die Nordische Weltmeisterschaft 2021 nicht gefährden wollte. Da Oberstdorf den Zuschlag erhalten hat, kann der DSV jetzt die Karte Garmisch-Partenkirchen ziehen. Die Zeit drängt für alle Protagonisten in diesem Spiel um Sport, Geld und Ansehen. Der Bewerbungsschluss für die Weltmeisterschaften 2025 naht mit Riesenschritten. Bis 1. Mai 2019 müssen sich die Orte erklären, die aufs Kandidatenkarussell aufspringen wollen und ihre Unterlagen einreichen. Fest steht, mit welchen Konkurrenten es Garmisch-Partenkirchen zu tun bekommen wird: Saalbach-Hinterglemm (Österreich) und Crans-Montana (Schweiz) sind fix. Gerüchte besagen, auch ein norwegischer Ort habe Ambitionen. Die Entscheidung über den WM-Ausrichter in sieben Jahren fällt auf dem 52. FIS-Kongress, der vom 24. bis 30. Mai 2020 in Marrakesch (Marokko) über die Bühne gehen wird. Mit oder ohne Garmisch-Partenkirchen lautet die Frage, die Politik und Sport nun klären müssen.

Während der Festspiele im Schnee im Februar 2011 – eröffnet von Bundeskanzlerin Angela Merkel – hatte sich Garmisch-Partenkirchen als weltoffener Ort präsentiert, sein Image aufgefrischt, einen touristischen Mehrwert erzeugt. „Damals wurde der Ort in eine euphorische Stimmung versetzt“, erinnert sich Meierhofer. Der Medienwert – ohne die sportliche Berichterstattung – soll sich von Dezember 2010 bis Februar 2011 auf mehr als 26,5 Millionen Euro belaufen haben.

Immer wieder mal hatten sich danach Stimmen geregt – besonders stark war die der Impulsgruppe, einer Interessenvertretung, in der sich 17 Betriebe zusammengeschlossen haben, zu vernehmen –, die eine WM-Bewerbung forderten und fordern. Die führenden Köpfe der Impulsgruppe hielten, das lässt sich aus zahlreichen Äußerungen schließen, eine erfolgreiche Bewerbung für einen Glücksfall. Der allgemeine Tenor: Man dürfe nicht so viel Zeit verstreichen lassen wie zwischen den Titelkämpfen von 1978 und denen von 2011. In den Jahren dazwischen herrschte Stillstand. Erst als der Internationale Skiverband FIS 2006 die Weltmeisterschaften an Garmisch-Partenkirchen vergab, kehrte Aufbruchstimmung ein. Es wurde investiert – in Lifte und Pisten, in Hotelbetten und in die Sanierung zahlreicher Beherbergungsbetriebe. Fischer, der der Impulsgruppe angehört, hielt stets eine Spanne von 12 bis 14 Jahren für sinnvoll, um sich darum zu bemühen, die Weltmeisterschaften wieder nach Garmisch-Partenkirchen zu holen. 2025 liegt am Ende dieses Zeitraums. Fischer war schon zweimal – 2004, als man krachend scheiterte und 2006, als man erfolgreich war – Kopf der Bewerbung und soll es nach dem Willen der Kommunalpolitik erneut sein. Nur ihm traut man es bei Gemeinde und DSV zu, diesen Job so auszufüllen, dass am Ende das Ergebnis steht, das sich alle wünschen. Fischer scheint durchaus bereit zu sein, noch einmal seine Erfahrung, sein Wissen und seine Ideen einzubringen. „Ich mache das, weil ich die Sache und den Ort liebe.“ Aber wahrscheinlich nur für die Bewerbungsphase. Eine mögliche WM 2025 organisieren und leiten sollen andere. Fischer wäre dann 72 Jahre alt. „Ich helfe gerne mit, wenn ich gebraucht werde.“ Am liebsten wäre ihm allerdings eine Rolle als Zuschauer.

Am Mittwoch sitzt Fischer wieder im Plenum. Diesmal wird er nicht so lange warten müssen, bis die WM-Bewerbung behandelt wird. Meierhofer möchte den Tagesordnungspunkt vorziehen. „Ich glaube, es geht schnell“, sagt sie. Zeitaufwändiger dürfte die Diskussion um die Sanierung oder Neubau des Kongresshauses für die Gemeinderäte werden.

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