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Ein glückliches Paar: Felix Neureuther und Miriam Gössner. Das Foto ist beim Bike-Cup in Oberammergau im vergangenen Monaten entstanden, wo die beiden das Kinderrennen besucht haben.

Biathletin spricht über ihre Schwangerschaft und sportliche Zukunft

Miriam Gössner im Interview: „Am Ende muss das Baby raus“

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Der Baby-Bauch wächst: Miriam Gössner erwartet von ihrem Freund Felix Neureuther ihr erstes Kind. Bei einem Punkt sind sich die beiden Profi-Sportler aber noch nicht einig. 

Garmisch-Partenkirchen – Es scheppert und klappert, als Miriam Gössner (27) um die Ecke biegt. Mit ihrem alten Drei-Gang-Stadtradl kommt die Garmisch-Partenkirchnerin zum Interview. Das liebt sie. Auf dem kann sie auch noch gescheit fahren, es ist „bauchfreundlich“, sagt sie lachend. Und ihr Bauch ist gewachsen, seit die Biathletin und ihr Freund, Ski-Ass Felix Neureuther, verkündet haben, dass sie ein Baby erwarten. Termin und Geschlecht verrät Gössner nicht, auch nicht den Namen. Wohl aber, dass es beim Nachnamen noch Gesprächsbedarf gibt.

Frau Gössner, wie viele Babybücher haben Sie schon gelesen?

Miriam Gössner: Kein einziges.

Und wie viel Spielzeug, Teddybären und Babysachen gekauft?

Gössner: Eigentlich auch nichts (lacht), keine Rasseln und keine Kuscheltiere.

Okay – bereiten Sie sich in irgendeiner Weise auf das Kind vor?

Gössner: (lacht) Ich gehe in einen Geburtsvorbereitungskurs.

Es gibt diese supernervösen werdenden Mütter - Sie gehören wohl nicht dazu.

Gössner: Ich versuch’ wirklich, alles entspannt zu sehen. Bislang klappt das ganz gut. Mal ehrlich: Es können hunderttausend Sachen passieren. Wenn man da anfängt – macht man sich nur noch Sorgen. Freilich mach’ ich mir auch meine Gedanken, ich probier nur, sie positiv zu halten. Deshalb les’ ich mir nicht x Bücher durch und hör mir auch die Horrorgeschichten nicht an. Du weißt schließlich nicht, was passiert, kannst es eh nicht beeinflussen.

Entspannte Schwangere

Sehen Sie auch der Geburt so gelassen entgegen?

Gössner: Da gilt für mich dasselbe: Wie es kommt, so kommt’s. Am Ende muss das Baby raus. Wie, das wird sich zeigen. Ich glaube, da darf man sich nicht verrückt machen lassen.

Aber wenn es mal da ist, braucht’s zumindest etwas zum Anziehen.

Gössner: Das muss ich jetzt natürlich klarstellen: Wir haben deshalb nichts gekauft, weil wir den Kinderwagen von Felix Schwester Ameli (sie hat einen zweijährigen Sohn, d. Red.) bekommen. Und eine Freundin leiht uns ein Kinderbett. Eine andere Freundin hat uns jede Menge Babysachen gegeben. Damit haben wir schon ganz viel.

Ein Kind verändert vieles. Macht Ihnen das Angst?

Gössner: Gar nicht. Ich freu’ mich einfach riesig und bin gespannt. Alle sagen immer, dass alles anders wird. Aber im Moment hat sich noch nicht viel verändert.

Essiggurken? Nein, danke!

Außer, dass Sie schwanger sind und das Schuhe binden nicht mehr so gut funktioniert.

Gössner: (lacht) Stimmt, das ging schon besser. Klar wird auch alles ein bisschen mühsamer, ich gehe nicht mehr zum Joggen oder Mountainbiken. Und auf den Berg nicht mehr so schnell. Aber sonst. . .

Sie fallen also nicht über Essiggurken mit Vanilleeis her?

Gössner: Gar nicht. Früher dachte ich: Cool, wenn ich schwanger bin, kann ich alles durcheinanderessen und auch noch doppelt so viel. Aber ich hatte überhaupt keine Gelüste. Und dann auch noch weniger Hunger als davor.

Was ist mit der Übelkeit?

Gössner: Die hat sich leider durchgezogen. Am Anfang hab’ ich mich permanent übergeben, jetzt ist es besser. Aber – alles gut. Lieber ist mir ein bisschen schlecht, ich kann sonst alles machen und das Baby ist gesund.

Rückkehr zum Profisport nicht ausgeschlossen

Sporteln Sie noch viel?

Gössner: Ich bin recht aktiv, ja, gehe viel auf den Berg und trainiere am Ergometer. Alles, was bauchfreundlich ist, das mach ich.

Werden Sie bald als Biathletin zurückkommen?

Gössner: Das ist komplett offen. Ich hab weder nein noch ja zum Sport gesagt. Gerade kann ich mir nicht vorstellen, aufzuhören. Aber auch nicht, dass ich weitermache. Ich weiß nur, dass ich das Baby nicht sofort in eine Krippe abgeben will. Sonst hab ich keine Ahnung, was auf mich zukommt. Vielleicht habe ich ein Baby, das nonstop 24 Stunden schreit.

Haben Sie denn viel geschrien?

Gössner: Oh ja. Und meine Schwester auch.

Und Felix?

Gössner: Nein, der war schon immer ein tiefenentspannter Mensch.

Dann sollte das Baby in dem Punkt wohl nach dem Papa kommen.

Gössner: In dem Bereich wär das wirklich super. Aber da gäb’s schon noch einiges mehr, das er gerne weitergeben könnte.

Hausbau, Schwangerschaft und....

Den Nachnamen zum Beispiel?

Gössner: (grinst) Darüber diskutieren wir noch. Beim Vornamen waren wir uns ja sofort einig. Die ganze Familie probiert übrigens, ihn zu erraten. Aber sie liegen alle weit daneben. Ob das Baby dann Neureuther oder Gössner heißt, das müssen wir noch besprechen.

Oder einfach heiraten?

Gössner: (lacht) Ich hab’ gewusst, dass das kommt. Viele sprechen uns darauf an. Aber jetzt bekommen wir erst einmal ein Baby und bauen ein Haus. Das reicht vorerst. Außerdem: Klar ist so eine Hochzeit was Schönes. Aber im Grunde ist es doch nur eine Unterschrift, durch die sich nichts ändert. Wir bleiben die gleichen Menschen.

Apropos Haus: Wie viele Kinderzimmer haben Sie denn eingeplant?

Gössner: (grinst) Dazu schweige ich. Aber nicht nur eines.

Wann ziehen Sie ein?

Gössner: Im Winter wird voraussichtlich alles fertig. Umziehen werden wir dann wohl ganz in Ruhe nach der Saison.

Lieber Mama als Olympiasiegerin

Es wird eine besondere Saison – mit den Olympischen Winterspielen im Februar 2018. Die verpassen Sie nun definitiv.

Gössner: Das versteht bestimmt nicht jeder. Aber ich wollte schon immer früh eine Familie. Das war mir - so blöd es vielleicht klingt - immer wichtiger, als Olympiasiegerin zu werden. Das ist natürlich auch toll. Und natürlich habe auch davon geträumt. Aber es war nicht das allergrößte Ziel. Für mich und für uns ist es perfekt, wie es ist. Da interessiert mich nicht, was andere sagen.

Wie hat denn Ihre Familie auf die Nachricht reagiert?

Gössner: Die haben sich alle riesig gefreut - klar. Nur: Sie waren nicht so überrascht, wie wir gedacht hätten.

Wie meinen Sie das?

Gössner: Naja, wir hatten uns selbst erst ein paar Wochen zuvor dazu entschieden. Und hätten selbst nie damit gerechnet, dass es so schnell klappt. Ich wäre anfangs gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich schwanger sein könnte. Felix’ Papa (Christian Neureuther, d. Red.) hat mich eigentlich darauf gebracht.

Geschlecht bleibt geheim

Das müssen Sie erklären.

Gössner: Ich war ohnehin richtig krank, habe mich dazu ständig übergeben - das wurde einfach nicht besser. Da hat Christian gemeint: ,Mei, vielleicht bist du ja schwanger.’

Und er hatte Recht.

Gössner: Ich hab’ mich riesig gefreut - es aber auch gar nicht glauben können. Was für ein Glück Felix und ich haben.

Werden Sie Eltern von einem Buben oder Mädchen?

Gössner: Das wird nicht verraten.

Wenn Ihr Kind einmal zu Ihnen kommt und sagt: Mama und Papa, ich will Leistungssportler werden...

Gössner: ...dann werden wir es sicher darin unterstützen, wenn es das von sich aus will.

Würden Sie sich das wünschen?

Gössner: Wir sind bestimmt nicht böse, wenn es mal einen anderen Weg einschlägt. Als Sportler hast Du eine großartige Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe viel erlebt, habe das Kämpfen gelernt. Aber es gibt auch negative Dinge.

Hadern Sie mit Ihrer sportlichen Laufbahn?

Gössner: Nein, so bin ich nicht. Vorbei ist vorbei. Klar hätte ich gerne die eine oder andere Scheibe mehr getroffen. Hab’ ich aber nicht. Dafür kann ich niemandem die Schuld geben. Ich bin diejenige, die es nicht gut genug gemacht hat. Am Ende könnte ich also nur mir selbst Vorwürfe machen. Aber ich weiß, dass ich alles gegeben hab’. Ich bin glücklich, dass ich der Mensch bin, der ich bin. Und dass ich das Leben habe, das ich habe. Ich würde mit niemandem tauschen wollen.

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