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Kraft und Feingefühl braucht Korbinian Saller bei seiner Arbeit. 

Vom Beruf Profi-Musiker wurde ihm abgeraten

Der Schöpfer der Blasinstrumente

Garmisch-Partenkirchen - Er ist einer der Besten der Besten: Korbinian Saller hat bei seiner Meisterprüfung als Blasinstrumentenmacher viele andere Handwerker übertrumpft. Jetzt schmiedet der Werdenfelser Pläne. 

Der gute Ton ist für ihn das Maß aller Dinge. Und weil er den so gut beherrscht, wie nur wenige andere in Bayern, fuhr sogar Landrat Anton Speer nach München ins Messezentrum, um ihm zu gratulieren: Denn der 25-jährige Korbinian Saller aus Garmisch-Partenkirchen ist nämlich einer jener 36 jungen Menschen, die heuer von der Handwerkskammer unter 1620 neuen Meistern als „Bestmeister“ ausgezeichnet wurde.

Ohne Frage: Saller hat einen Beruf, der zu den besonders seltenen gehört. Der Sohn eines heimischen Zimmerermeisters ist Metallblasinstrumentenmacher, also einer, der es meisterlich versteht, aus einem einfachen Stück Messingblech Trompeten, Flügelhörner, Posaunen, Jazztrompeten und andere Blechblasinstrumente zu kreieren. Und die so perfekt, dass sie auch von anspruchsvollen Profi-Blasmusikern bis hin zum Philharmoniker in edler Einzelfertigung bestellt und für nicht ganz billiges Geld individuell gebaut werden. Denn während eine einfache fabrikgefertigte Trompete auf ein paar hundert Euro kommt, ist eine Meisterarbeit gut und gern eine vierstellige Summe wert.

So wurde er Blasinstrumentenmacher

Werdenfelser mit großem Talent: Korbinian Saller wird in München von Handwerkskammer-Präsident Franz Xaver Peteranderl als „Bestmeister“ ausgezeichnet.

Aber wie kommt man überhaupt auf die Idee, Metallblasinstrumentenmacher zu werden? „Schon als kleiner Bua hab’ ich musiziert, mit sechs Jahren bereits auf dem Klavier“, sagt der „Kurbi“, der frischgebackene Meister, der sich erst vor einem Monat an der Törlenstraße 4 eine gut ausgestattete Werkstatt eingerichtet hat. „Als ich dann am Werdenfels-Gymnasium mein Abitur absolviert hatte, war die Frage, was tun.“ Profi-Musiker, das hat man ihm ausgeredet, obwohl er schon lange in verschiedenen Formationen unterwegs ist. Zum Beispiel bei der Garmischer Musikkapelle oder beim Werdenfels-Sextett. In der Heimatzeitung hat er schließlich einen Artikel über die eröffnete Mittenwalder Instrumentenbauschule gelesen. Eines der wenigen deutschen Institute dieser Art. So kam eins zum anderen.

Drei Jahre absolvierte Saller dort eine umfassende Ausbildung, dazwischen verschiedene Praktika, und erlernte dabei, Holzblasinstrumente zu reparieren. 2014 stand er vor der Gesellenprüfung, ehe er bei einem Bad Tölzer Instrumentenbauer arbeitete und dort auch das Stimmen von Harmonikas erlernte. Die Tätigkeit bei der Tölzer Firma begleitete ihn anschließend bei der Vorbereitung auf die zweiteilige Meisterprüfung.

Wie fertigt man eine Trompete?

Gerne gibt er sein Wissen weiter, zum Beispiel, wie eine Trompete gefertigt wird. Dafür benötigt er eine Schablone, aus der er aus 0,45 Millimeter dünnem Goldmessingblech den Schallbecher der Trompete ausschneidet. Sodann wird der Schallbecher in konische Röhrenform gebracht, die Naht sorgfältig verlötet, und dieser Rohling am dünneren Ende umgebogen. Auf klassische Weise, indem er mit flüssigem Blei gefüllt wird, damit sich an der Biegung keine Falten bilden. Wenn das Blei entfernt ist, beginnt für Saller mit dem Anfügen der Ventil-Gruppe, auch „Maschine“ genannt, der hochpräzise, oft auf tausendstel Millimeter genaue Weiterbau, der mit dem Anpassen des Mundstücks endet – und natürlich dem abschließenden Polieren, manchmal auch Versilbern oder gar Vergolden.

Schon jetzt hat Saller, der mittlerweile jede Woche zweimal als Lehrer an der Mittenwalder Fachschule engagiert ist, viel zu tun: Zwischen Drehbank, Schablonen und Maschinen liegen Trompetenrohlinge, Ventilgruppen und Messingrohre. Denn er renoviert seit langem auch Musikgeräte, wie Holzblasinstrumente und Harmonikas. „Ich habe ja noch einiges vor“, verdeutlicht Saller. Und was? Der 25-Jährige möchte eigene Modelle von Trompeten und Flügelhörnern entwickeln, „eine ganze Produktpalette“. Die könne man dann bei ihm besichtigen, anspielen und bei passendem Klang gleich kaufen. Das Zeug dazu, den Plan umzusetzen, hat er. Das unterstrich auch Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl. „Sie tragen jetzt sozusagen den schwarzen Gürtel des Handwerks.“ Korbinian Saller trägt ihn mit Freude und ein bisschen Stolz.

Wolfgang Kaiser

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