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Modellversuch: Schon im Oktober 2016 wurden die spöttisch „Gulaschkanonen“ genannten Geräte an der Maximilianstraße in Garmisch-Partenkirchen getestet.

Blitzanhänger gehen in Dienst

Kein Scherz: Ab 1. April wird Bußgeld fällig

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Allen Spöttern in den sozialen Netzwerken zum Trotz: Die beiden Blitzanhänger, die seit einem halben Jahr nicht nur im Landkreis getestet werden, erfüllen ihren Zweck, da sind sich die Polizei und der Verband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland einig. Ab 1. April schießen die „Gulaschkanonen“ scharf.

Landkreis – Als Autofahrer hat man sich schon daran gewöhnt, dass immer mal wieder ein Blitzanhänger am Straßenrand steht, zum Beispiel an der Maximilianstraße in Garmisch-Partenkirchen. Weil die sperrigen grauen Kästen kaum zu übersehen sind, nehmen viele rechtzeitig den Fuß vom Gas – auch, und das ist der Clou an der Sache, wenn die Blitzanhänger gar nicht mehr da sind.

Das ist eine der zentralen Erkenntnisse nach einer sechsmonatigen Testphase, in der Polizei und Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland erste Erfahrungswerte, auch in den Landkreisen Bad Tölz/Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen, gesammelt haben. Und zwar darüber, wie sich die neue Methode in der Verkehrsüberwachung auf das Verhalten der Fahrer auswirkt.

Dementsprechend positiv fällt die erste Bilanz von Michael Braun aus: „Die Blitzanhänger bewirken das, was sie sollen“, sagt der Zweckverbands-Geschäftsführer. „Die Anzahl der Verstöße ist massiv zurückgegangen.“

Auch aus Sicht von Christian Bertlein vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd haben sich die beiden Blitzanhänger in der Praxis bestens bewährt. „Es können zielgerichtet einzelne Unfallhäufungspunkte entschärft und sonstige Problemstrecken intensiver überwacht werden“, betont der Beamte. Denn anders als bei herkömmlichen Radarfallen braucht bei den Anhängern nicht ständig ein Messtechniker oder ein Polizeibeamter vor Ort sein. Die Anlagen müssen nur abgestellt, eingerichtet und nach spätestens fünf Tagen wieder abgeholt werden – so lange halten die Akkus. Werden die Stationen an kritischen Punkten wie an Autobahn-Baustellen geparkt, kommt das Messpersonal also nicht in gefährliche Situationen. Und: „Die ohnehin knappen Personalressourcen können so noch effizienter eingesetzt werden“, sagt Bertlein.

Wie berichtet, haben Polizei und Zweckverband im südlichen Oberbayern etwa 20 Messstellen festgelegt, auf den die beiden bislang angeschafften Blitzanhänger eingesetzt werden. Nach der ersten Testreihe geht der Modellversuch am morgigen Samstag in die nächste Phase: Dann nämlich werden die geblitzten Temposünder auch zur Kasse gebeten, was bislang nicht der Fall war.

„Am 1. April beginnt der Echtbetrieb, und das ist kein Scherz“, sagt Zweckverbands-Geschäftsführer Braun und lacht. Ende des Jahres, schätzt er, geht dann ein Bericht über den Verlauf des Modellversuchs ans bayerische Innenministerium. Dann entscheidet sich, ob die „Blitzanhänger“ wie in Frankreich oder der Schweiz künftig auch in Bayern flächendeckend eingesetzt werden. In Deutschland haben sich diese Art von Messanlagen bislang noch nicht durchgesetzt. Das könnte auch am Preis liegen: Zwischen 120 000 und 240 000 Euro kostet so ein Blitzanhänger.

Dafür halten die „Gulaschkanonen“, wie sie in den sozialen Netzwerken teils spöttisch genannt werden, aber auch einiges aus. Sie sind zum Beispiel gepanzert, um sie vor jeder Form von Vandalismus zu schützen. Bislang gab es laut Braun aber noch keine Attacken, dafür aber kleinere Streiche. Zur Wiesn-Zeit zum Beispiel hatten Spaßvögel zwei leere Bierflaschen so übereinander gestellt, dass sie die Linse der integrierten Kamera verdeckten. Und zu Fasching wurde ein Anhänger mit rot-weißem Flatterband eingewickelt. So lange es nichts Schlimmeres ist, kann Braun damit leben. Aber Vorsicht: Im Falle von brachialer Gewalt schlägt die integrierte Alarmanlage an und ruft die Polizei auf den Plan.

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