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Ohne sie geht es nicht: Bienen brauchen Blütennektar, um zu überleben. In grünen Gärten verhungern sie. 

Bienen- und vogelsterben  

Blüten-Offensive für den Landkreis

Es gibt immer weniger Bienen, Insekten und Vögel – auch im Landkreis. Gleich zu seinem Start stößt der Naturpark Ammergau ein Saatgut-Projekt an, an dem auch TU München interessiert ist. Die Politik will hingegen nicht aktiv werden.

Landkreis – Ein kurz geschnittener englischer Rasen, stereotype Baumarkt-Hecken ohne Blüten und deplatziertes Gehölz aus Asien: Tessy Lördermann graust es, wenn sie an die „aufgeräumten Gärten“ denkt, von denen es auch im Landkreis zu viele gibt. Die Grünenpolitikerin und Tierschützerin appellierte im Kreistag einmal mehr für ein Umdenken. Für Obstbäume und Blumenbeete, für Holunder und Flieder, für Laubhaufen, die liegen bleiben dürfen. Für lebendige Flächen, in denen Bienen, Insekten, Igel und Frösche Nahrung finden. „Es muss wieder schick sein, einen unordentlichen Garten zu haben“, forderte Lödermann.

Um dem Artensterben, das es auch im Landkreis gibt, entgegenzuwirken, brauche es das Bewusstsein der Bevölkerung. Akteure aller Gesellschaftsbereiche wollten die Grünen an einen Runden Tisch bringen, um Lösungen zu finden. Eine große Kampagne zu starten. Einen Wandel zwischen Staffelsee und Karwendel zu erreichen.

Worte, für die sie im Kreistag wenig Interesse bekam. Nachdem bereits der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss den Antrag der Grünen abgelehnt hatte, folgte nun das große Gremium. „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis“, lautete zum Beispiel die lapidare Antwort von Josef Glatz (CSU) auf Lödermanns Offensive. Und die Verwaltung um Landrat Anton Speer (Freie Wähler) verwies auf andere „Aktionen und Projekte“ die zu dem Thema bereits laufen.

Konkret beschäftigen sich der neue Naturpark Ammergauer Alpen und der Landwirtschaftsbeirat der Zugspitz Region mit einem zweigliedrigen Saatgut-Projekt. Zum einen geht es dabei um die Blühstreifen an Straßen- und Wegrändern. Zum anderen um die Entwicklung einer heimischen, so genannten Nachsaat, die wissenschaftlich begleitet werden soll. Zu letzterem gibt es bereits Gespräche mit der TU München verdeutlicht Florian Hoffrohne, der als Tourismus-Chef im Ammertal vorerst die Geschäftsführung des neuen Naturparks inne hat. Erforscht werden soll, mit welcher Saatmischung auf landwirtschaftlichen Flächen gute Futterpflanzen mit hohem Blühanteil wachsen. „Aber Wiese ist nicht Wiese“, erklärt Hoffrohne die Herausforderung. So ist der Boden in Moorgebieten bei Murnau viel feuchter als auf den Buckelwiesen in Mittenwald. Für das Forschungsprojekt, dass auf mehrere Jahre angelegt sein wird, stehen 100 000 Euro an Förderung im Raum.

Beim Thema Blühstreifen steht für Regionalmanagerin Lisa Loth von der Zugspitz-Region im Mittelpunkt eine gute Lösung für die Kommunen zu finden. Eine Saatmischung, die viele Blüten bringt und schön anzusehen ist. In einer ersten Phase will Loth abfragen, welche Kommune Bedarf hat, was wichtig ist, wie koordiniert werden kann. Deshalb war das Thema auch bei der Bürgermeister-Dienstbesprechung in dieser Woche auf der Agenda vorgesehen.

Denkbar wäre für die Zukunft etwa das Szenario, dass eine passende Saatmischung mit heimischen Pflanzen gemeinschaftlich für die Landkreis-Kommunen angeschafft wird, die dann je nach Größe Rationen abnehmen.

Bislang hat sich beispielsweise Murnau mit bunten, bepflanzten Verkehrsinseln hervorgetan. In Garmisch-Partenkirchen gab es hingegen immer wieder Ärger, weil sich Bürger beschweren. Das Nicht-Mähen werde, wie Rathaus-Chefin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) auch im Kreistag betonte, „immer wieder falsch verstanden.“ Nämlich als Schlamperei statt als Artenschutz-Maßnahme.

Deshalb hat sich Meierhofer auch für die Aktionskampagne ausgesprochen, die die Grünen anstoßen wollten. Lödermann nannte die Saatgut-Projekte „eine wunderbare Sache“, die von der öffentlichen Hand initiiert wird. Das reiche aber nicht aus, um Veränderungen auf den viele privaten Flächen zu erreichen. Eine Einwand, dem der Großteil des Gremiums – der Grünen-Antrag wurde mit 30:16 Stimmen abgeschmettert – egal war.

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