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Die Zugspitze war als Veranstaltungsort nicht budgetiert.

Finanzausschuss Garmisch-Partenkirchen überrumpelt von Pleiten und Pannen

Böse Überraschung: Richard-Strauss-Festival schreibt 105.000 Euro minus

Allgemeine Schnappatmung im Finanzausschuss Garmisch-Partenkirchen: Das Minus beim Richard-Strauss-Festival fällt deutlich höher aus als erwartet.

Garmisch-Partenkirchen – Auf diesen Auftritt hat sich Dr. Dominik Sedivy bestimmt nicht gefreut. Er ist der Überbringer der schlechten Botschaft: 105 000

Das Open Air-Konzert in Ettal war ein großer Publikumserfolg.

Euro muss der Haushalt der Marktgemeinde in diesem Jahr zusätzlich schultern. Das Richard-Strauss-Festival war zwar von außen betrachtet ein großer Erfolg, unterm Strich jedoch ein Draufzahlgeschäft.

Sichtlich nervös nimmt Sedivy neben Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer Platz, um vor dem Finanzausschuss der Gemeinde Rechenschaft abzulegen. Der Leiter des Richard-Strauss-Instituts muss sich rechtfertigen für die Planungsfehler, die er selbst nicht zu verantworten hat. Er sprang Anfang des Jahres ein, als sich das Organisationsteam um Dr. Christian Wolf für das Festival 2019 quasi in Luft aufgelöst hatte. Zwei Unfälle und zwei Erkrankungen kurz vor Jahresende 2018 stellten die Gemeinde vor die Frage: hop oder top? Zweifel machten sich breit, ob die für Juni geplanten Veranstaltungen gestemmt werden können ohne ein erfahrenes Organisationsteam. „Wenn wir’s machen, dann machen wir’s g’scheit. Das haben wir damals beschlossen“, ruft Elisabeth Koch (CSU) in Erinnerung. Das Bekenntnis war klar, auch dass es teurer werden würde. Jetzt stehen aber 105.000 Euro zur Debatte. Damit hat niemand gerechnet. Von 30 000 Euro sei damals die Rede gewesen, betont Claudia Zolk (Christlich Soziales Bündnis, CSB). Die überplanmäßige Ausgabe einfach so durchzuwinken, „nicht mit mir“, sagt Florian Möckl (Freie Wähler). Auch Florian Hilleprandt (CSB) kann „da nicht einfach locker darüber hinweggehen“. Der Steuerberater fordert Aufklärung.

Richard-Strauss-Festival: Künstler teurer als veranschlagt, weniger Einnahmen und Sponsoren als gedacht

Auf einem DIN A4-Blatt hat Sedivy die wichtigsten Zahlen zusammengefasst. Die Positionen der Fehlplanung sind schnell identifiziert. 235 000 Euro waren für die Künstlerhonorare veranschlagt. Nach Ende des Festivals am 29. Juni standen 251 000 Euro auf der Rechnung. Aus den geplanten 160 0000 Euro Einnahmen durch den Verkauf der Tickets blieben letztlich nur 144 000 Euro in der Kasse.

Dr. Dominik Sedivy will neue Verträge.

Des Weiteren hat der Landkreis seine Unterstützung des Festivals abgelehnt, 30 000 Euro waren dafür im Plan vorgemerkt. Die Förderung durch das Bayerische Staatsministerium gaben die Planer mit 275 000 Euro an. Sedivy: „Man konnte aber niemals von mehr als 180 000 Euro ausgehen.“ Dass es dann doch noch 250 000 Euro wurden, sei einfach „Glück gewesen“, wie Meierhofer ergänzt.

Ebenfalls nicht im Budget waren die Veranstaltungsorte Wank, Zugspitze und Werdenfels-Gymnasium berücksichtigt. Allein dieser Fehler führte zu 166 000 Euro Mehrkosten. Viel zu optimistisch auch der Posten „Sponsoren“: 185 000 Euro sollten es sein, tatsächlich könne die Marktgemeinde nur von 99 000 Euro ausgehen, so Sedivy.

Aber noch sind auch diese zugesagten Sponsorengelder (ein hoher fünfstelliger Betrag) vom Förderkreis und von den Freunden des Richard-Strauss-Festivals nicht überwiesen. Letztere erhalten Gelder von sogenannten Rosenkavalieren, wohlhabende Privatleute und Fans des berühmten Musikschaffenden. Die Zahlung durch den Förderkreis sei sicher nur eine Formsache, vom Freundeskreis habe er jedoch nur durch Dritte erfahren, wie hoch die Spendensumme durch die Mäzene war. „Alle Anfragen und Bitten um Überweisung blieben unbeantwortet“, sagt Sedivy.

Missstände hinter den Kulissen des Richard-Strauss-Festivals erregen Gemeinderäte

Schnappatmung bei einigen Gremiumsmitgliedern. Warum er denn erst so spät mit diesen Zahlen herausrücke, so die Frage an Sedivy: „Es gab keinen Ordner, in dem Angebote und Rechnungen abgelegt waren.“ Nur Papierberge habe er vorgefunden. Ein klassisches Controlling? Unmöglich. „Ich weiß, dass Sie da nichts dafür können. Ich danke Ihnen aber, dass Sie diese Aufgabe überhaupt

Alexander Liebreich droht mit Ausstieg.

übernommen haben“, nimmt Robert Allmann (SPD) Sedivy in Schutz. Sein Unverständnis für diese Missstände kann er dennoch nicht verbergen. „Jeder Verein wäre jetzt pleite“, erregt sich Hilleprandt. Was denn passieren würde, wenn der Finanzausschuss den überplanmäßigen Ausgaben nicht zustimmen würde? Die hypothetische Frage beantwortet Meierhofer: „Dann droht Herr Liebreich auszusteigen.“ Der musikalische Leiter des Festivals hat bereits einen Vertrag für 2020.

„So geht das nicht weiter“, die einhellige Meinung der Gemeinderäte. Das unterstreicht auch Florian Nöbauer, Personalchef in der Gemeindeverwaltung. Man sei bereits dabei, eine neue Organisationsform für das Festival zu eruieren. Sedivy bemängelt: „Es gibt auch derzeit keine Verträge, die einen Anreiz schaffen, das Budget einzuhalten.“ Wieder Schnappatmung im Saal. Durch einen straffen Sparkurs konnte Sedivy Schlimmeres verhindern und das Defizit minimieren. „Wir kommen nicht umhin, da jetzt zuzustimmen“, sagt Allmann. Das tat der Finanzausschuss dann auch, gegen die Stimmen von Möckl, Hubert Filser (Bayernpartei), Alexandra Roos-Teitscheid (Grün-Unabhängig) und Zolk, „als Zeichen, dass das eine Sauerei ist“.

Thomas Karsch

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