+
Empfang für das Bronze-Duo: Wolfgang Danne und Margot Glockshuber fahren am Rathausplatz in Garmisch-Partenkirchen vor.

Bescheidenes SCR-Aushängeschild: Eiskunstläufer Wolfgang Danne ist tot

  • schließen

In Wolfgang Danne hat der SC Riessersee einen großen Sportler vergangener Tage verloren. Im Alter von 77 Jahren starb der Medaillengewinner von Olympia 1968 sowie bei Welt- und Eruopameisterschaften in seiner Wahl-Heimat Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen – Wolfgang Danne ist tot. Ein Sportler, der Garmisch-Partenkirchen und den SC Riessersee weit über seine regionalen Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Einer aber, der in den vergangenen Jahrzehnten oftmals unter dem Radar flog. „Ich glaube, vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was dieser Mann alles erreicht hat“, sagt Bernd Tillack über den Eiskunstläufer. „Selbst denjenigen, die er trainiert hat.“ Dannes Erfolgsbilanz allein bei internationalen Großveranstaltungen ist eine illustre: Das Olympia-Bronze 1968 in Grenoble im Paarlauf mit Margot Glockshuber steht womöglich über allem, WM-Silber 1967 in Wien sowie nochmals Silber und Bronze bei Europameisterschaften kamen dazu.

Danne war ein Aushängeschild für seine Sportart – und auch für den SCR. „Es ärgert mich immer ein wenig, dass der SC Riessersee heutzutage immer auf Eishockey reduziert wird“, sagt Tillack. 16 Jahre lenkte er als Abteilungsleiter die Geschicke der Eiskunstläufer, ist nun Ehrenvorsitzender der Sparte. Dabei habe der Verein gerade in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auch für herausragende Athleten im Eiskunstlauf und Bobsport gestanden. „Die haben es verdient, dass sie gewürdigt werden.“ Danne war einer von ihnen. Im Alter von 77 Jahren verstarb er Mitte Juni nach kurzer Krankheit. „Völlig überraschend, von einem Tag auf den anderen“, sagt Harold Williams, ein guter Freund, Sportkollege und langjähriger Wegbegleiter.

„Wolfgang wollte nie ein großes Tamtam“, sagt Williams. „Er war sehr bodenständig und bescheiden.“ Und das über seinen Tod hinaus. Danne hielt beispielsweise schriftlich fest, dass er kein großes Begräbnis wünsche. Familie und Freunde erfüllten ihm diesen Wunsch. Der Olympia-Bronzegewinner hat seine letzte Ruhestätte auf dem Partenkirchner Friedhof gefunden – ohne Trubel oder Tamtam.

An diesen großen Vertreter seiner Disziplin zu erinnern, das wollten seine Bekannten und Freunde aber nicht verpassen. „Wolfgang hat für den SC Riessersee viel geleistet“, betont Tillack. Nicht nur als Sportler. Vielmehr sogar nach seiner aktiven Karriere, die er 1981 im Alter von 40 Jahren beendete. Danne widmete sich fortan dem Eiskunstlauf als Trainer. Zunächst in Frankfurt. Dann wieder in der Wahlheimat unter der Alpspitze. „Er hat Garmisch-Partenkirchen geliebt“, sagt Williams. 16 Jahre lang engagierte er sich noch als Eislauflehrer im Verein, um dem Nachwuchs auf die Sprünge zu helfen, stand nahezu täglich auf dem Eis. Für seine Schützlinge schnitt er auch die Musik für die Auftritte. „Das hat er sehr gerne gemacht“, erinnert sich Tillack, „es war wie ein Hobby von ihm. Das ging damals ja nicht so leicht wie heute“. Auch das Nikolaus-Schaulaufen, das der SC Riessersee jedes Jahr mit seinen Talenten austrug, lag Danne sehr am Herzen.

Als größte Errungenschaft wertet Tillack aber dessen Einsatz in den ersten Jahren seiner Rückkehr nach Garmisch-Partenkirchen. „Wir waren damals eine große Abteilung, es gab allein 20 bis 22 Läufer und Läuferinnen, die an Bayerischen oder Deutschen Meisterschaften mitliefen.“ Da herrschte nicht immer das beste Klima auf dem Eis. Deshalb kam Danne zurück, um nach dem Abschied von Erich Zeller nach Oberstdorf das Team um Reinhard Ketterer und Trude Bacherer zu ergänzen. „Und Wolfgang hat es geschafft, die Leute zu einer Einheit zu formen“, betont Tillack. „Er hat dem Verein eine Harmonie gebracht, die viel mehr Wert war als sämtliche Erfolge zu dieser Zeit.“ Auf dem Eis äußerte sich das ebenfalls: Der SCR gewann 1992 und 1993 die Coppa Europa im Formations-Eislauf. „1992 wurden wir von der Eislauf-Union auch für die beste Nachwuchsarbeit in Deutschland ausgezeichnet“, betont Tillack stolz.

Ein Mann und seine Kufen: Wolfgang Danne

Doch auch Dannes eigene Karriere war außergewöhnlich. Der gebürtige Hildesheimer (Niedersachsen) startete auf Rollschuhen. Am liebsten immer schon im Paarlauf. „Als Einzelläufer hätte er sich aufgrund seiner Statur wohl schwer getan, ich denke, das war im sehr bewusst“, meint Tillack. Danne war ein großer, kräftiger Athlet, kein zierlicher Sportler. „Paarläufer brauchen viel Kraft, allein schon für die ganzen Hebefiguren, dafür war er prädestiniert.“ Seine erste Partnerin war Sigrid Riechmann, mit der er auch von den Rollschuhen aufs Eis wechselte. Das war noch zu Zeiten, als Marika Kilius und Hans Jürgen Bäumler – bekanntlich für den SC Riessersee – im Paarlauf die Schlagzeilen lieferten. Danne/Riechmann aber belegten zweimal Rang drei bei den nationalen Titelkämpfen – jeweils hinter den damaligen Weltmeistern.

Danne wollte mehr. „Damals gab es nur Garmisch, Füssen und Oberstdorf, die im Sommer Eis angeboten haben“, erinnert sich Williams. Also kam der Niedersachse ins Werdenfelser Land, zunächst als Trainingsgast, dann über den Wehrdienst bei den Gebirgsjägern endgültig. Bald traten Kilius/Bäumler ab – „da waren sie eigentlich noch voll im Saft“, sagt Williams. Danne fand in Margot Glockshuber aus Frankfurt eine neue Partnerin, die ebenfalls nach Garmisch-Partenkirchen kam. „Und die beiden haben sehr schnell Erfolg gehabt.“ Sie traten in die Fußstapfen von Kilius/Bäumler und der Nürnberger Paarung Sonja Pfersdorf/Günther Matzdorf. 1966 bis 1968 feierten sie ihre Erfolge.

Nach Olympia in Frankreich lockte das Profigeschäft. Eine missglückte WM gab schließlich den Ausschlag: Das Duo unterschrieb einen Kontrakt bei den „Ice Capades“ in den USA, einem sehr sportlich gehaltenen Showprogramm. Eine Welt, die Danne gefiel. Glockshuber bekam bald Knieprobleme, musste ihre Laufbahn 1972 beenden. Er aber zog die Showkarriere mit wechselnden Partnerinnen bis 1981 durch. „Er hat das genossen, es war immer sein Traum, aus dem er auch seinen ganzen Ehrgeiz gezogen hat“, sagt Williams. Ein Leben fürs Eislaufen eben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache
Flugzeugunglück im Wettersteingebirge: Ein Kleinflugzeug ist am frühen Donnerstagabend in der Nähe von Leutasch (Tirol) abgestürzt. Drei Menschen starben.
Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache
50 Jahre Mondlandung: Für diese zwei Männer ist nicht Neil Armstrong der Mondastronaut
Am 20. Juli 1969 betrat Neil Armstrong den Mond. Millionen verfolgten den Moment. Auch Dr. Günter Steinebach aus Garmisch-Partenkirchen und Asbjörn Raupach aus …
50 Jahre Mondlandung: Für diese zwei Männer ist nicht Neil Armstrong der Mondastronaut
Christoph-Probst-Mittelschule: Zeit des Zitterns ist vorbei
96 Absolventen haben am Freitag an der Murnauer Christoph-Probst-Mittelschule ihre Zeugnisse erhalten. Ein bedeutender Meilenstein im Leben der jungen Leute.
Christoph-Probst-Mittelschule: Zeit des Zitterns ist vorbei
Tragödie im Oberauer Tunnel: Plötzlich löst sich Schlauch und erschlägt Arbeiter
Einen tragischen Ausgang nahm ein Arbeitsunfall für einen 43-Jährigen in der Tunnelbaustelle in Oberau. Nun versucht die Kriminalpolizei, die Unfallursache zu ermitteln.
Tragödie im Oberauer Tunnel: Plötzlich löst sich Schlauch und erschlägt Arbeiter

Kommentare