Chef und Koch vor Gericht

Brutal-Angriff in der Hotelküche?

Es steht Aussage gegen Aussage: Ein Chef soll seinem Koch in der heimischen Hotelküche einen Zahn ausgeschlagen haben. Der bestreitet die Vorwürfe. 

Garmisch-Partenkirchen – In Hotel- und Wirtshausküchen soll ja, so heißt es, der Umgangston zwischen Ober- und Unterköchen nicht gerade der freundlichste sein. Auch nicht in jenem Betrieb, dessen früherer Küchenchef jetzt als Angeklagter im Amtsgericht saß. Er soll im Verlauf eines heftigen Streits einem 40-jährigen Untergebenen die Faust derart ins Gesicht geknallt haben, dass diesem hinterher ein Zahn fehlte, und er ein paar Tage arbeitsunfähig war. Während der Koch darauf beharrte, er sei vom Chef geohrfeigt worden, behauptete der Küchenchef das Gegenteil. Was wirklich passiert ist, konnte aber keiner der Beteiligten im Gerichtssaal beweisen.

Laut Staatsanwalt Andreas Weber habe sich der brutale Vorfall am 9. Februar dieses Jahres zwischen 10 und 11 Uhr in einer heimischen Hotelküche ereignet. Die Folge des Streits war ein Strafbefehl über 3600 Euro (90 Tagessätze à 40 Euro). Gegen den erhob der Garmisch-Partenkirchner Einspruch. Der 57-Jährige behauptete jetzt zu seiner Verteidigung, dass er mit dem Koch zwar gestritten, ihn aber nicht angegriffen habe. Bei seiner Einstellung soll vom Haus, das ihn explizit angeworben hatte, eine Richtung vorgegeben worden sein: „Ich müsse in der Küche was ändern und solle in meiner Leitungsstellung die bisher viel zu schlaffen Zügel erheblich anziehen.“ Doch das sei alles andere als einfach gewesen. Vor allem sein Stellvertreter, der eigentlich selbst Küchenchef werden wollte, hätte alles getan, um ihm vor allem einen Eindruck zu vermitteln: Er ist alles andere als willkommen. Ein Fehler nach dem anderen sei passiert. Manchmal soll die Küche abends in desolatem Zustand verlassen worden sein. Ein andermal habe man einfach falsche Bestellungen gemacht. Die Reaktion seines Stellvertreters beschrieb der Angeklagte so: „Ich solle mein Maul halten.“

Dennoch: Er habe den Koch zwar verwarnt. „Es wurde auch richtig laut, doch geschlagen habe ich ihn nicht.“ Eine Zeugin, die bei der Polizei zur Aussage war, hatte keinen Schlag gesehen. Und auch auf einem ärztlichen Attest, das der angeblich Geschlagene vorlegte, war keine Rede von einem ausgeschlagenen Zahn. Darin wurde nur eine „akute Belastungsreaktion“ erwähnt. Richter Andreas Pfisterer kam daraufhin in Übereinstimmung mit dem Staatsanwalt zur Erkenntnis, dass in diesem Fall weder eine Verurteilung noch ein Freispruch angebracht seien. Deshalb hat er eine Einstellung des Verfahrens verfügt.

So ganz ohne Ahndung wollte der Richter den Küchenchef, der mittlerweile ebenso wie sein damaliger Kontrahent längst in einem anderen Betrieb tätig ist, nicht davonkommen lassen. Deshalb verhängte er eine Geldauflage von 1000 Euro. Diese Summe ist binnen zwei Monaten an den Tierschutzverein zu zahlen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/dpa Symbolbild

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