+
Alles weg: Nur noch die Konturen erinnern an die Nazi-Figur an der Wand des Hochbehälters.

Wirbel um NS-Kunst

Bürgermeisterin lässt Nazi-Relief an Hochbehälter entfernen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
    schließen

Die Nazi-Kunst an einem Hochbehälter der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen im Kramergebiet ist nur noch Schutt: Die hitlergrüßende Relieffigur, die empörte Kritik hervorgerufen hatte, wurde komplett entfernt. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) rechtfertigt diesen Schritt mit dem Verweis auf Sicherheitsbedenken.

Garmisch-Partenkirchen – An dem Wasserspeicher der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, der abseits der bekannten Wege gut versteckt in den Wäldern an den Kramerhängen liegt, wurde ganze Arbeit geleistet: Von der abgeschlagenen, wandhohen Reliefskulptur sind nur mehr die Umrisse zu erkennen. Man kann lediglich erahnen, dass sich hier beinahe 90 Jahre lang – eine Hinweistafel verweist auf die Entstehungsjahre 1933 und 1934 – ein monströses und abschreckendes Beispiel der Staatskunst im Nationalsozialismus befand.

Wie berichtet, war an dem Gebäude eine aus Zement modellierte, heroische Männergestalt zu sehen, die die rechte Hand stramm zum Hitlergruß ausstreckte – und am linken Armgelenk gesprengte Ketten hatte. Erstaunlicherweise wurde erst heuer öffentlich Kritik an dieser Nazi-Propaganda laut – und zwang die Marktgemeinde zum Handeln. Dabei konnte das Relikt aus dem „Dritten Reich“ nicht völlig unbekannt gewesen sein. Denn ein Hakenkreuz, das ebenfalls an der Fassade der Station prangte, war schon vorher verschwunden.

Wie dem auch sei: Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) machte die heikle Causa zur Chefsache – und rechtfertigt nun ihre Entscheidung, die Vergangenheitsbewältigung im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Vorschlaghammer zu bestreiten. Ihr sei nichts anderes übrig geblieben, als in der Sache rasch vorzugehen und die Beseitigung anzuordnen, erklärt die Verwaltungsratsvorsitzende der Gemeindewerke auf ihrer Facebook-Seite. Der Beitrag entspricht weitgehend einer Stellungnahme, die die Rathaus-Pressestelle auf Tagblatt-Nachfrage abgab. Die Ortschefin betont, dass man die sensible Versorgungsanlage vor Störungen schützen müsse.

Durch die Berichterstattung in den Medien habe nicht nur das besagte NS-Relief überregionale Bekanntheit erlangt, argumentiert die Juristin, sondern „auch die Tatsache, dass sich dieses an einem Hochwasserbehälter und damit an einem Teil der kritischen Infrastruktur, nämlich der kommunalen Trinkwasserversorgung von Garmisch-Partenkirchen, befindet“. Und weiter: „Dass sich die Bekanntheit des bislang unbeachteten Standorts weiter erhöht und dass sich Unbefugte Zutritt verschaffen, musste und muss auch weiterhin vermieden werden.“ Beispielsweise gelte es zu verhindern, „dass an dem Hochbehälter ein Treffpunkt für Personen aus der rechts- und/oder linksextremistischen Szene entsteht“.

Grundsätzlich spricht sich die Bürgermeisterin dafür aus, Bauwerke, Skulpturen und andere Werke der NS-Zeit nicht einfach aus dem Alltag zu entfernen, sondern vielmehr als „mahnende Zeugnisse“ zu erhalten. Im konkreten Fall wäre es in ihren Augen besser gewesen, das Thema in aller Ruhe zu diskutieren und Fachleute aus dem Bereich der Erinnerungskultur einzubinden.

Es wurde nicht nur die Figur entfernt, die an den Germanenkult des Hitler-Regimes erinnerte. Der fast vier Meter lange Spruch („Gefahr erkannt, Not gebannt“) darüber verschwand hinter einem Stahlblech. Außerdem soll noch der Standort umzäunt werden, um ungebetene Gäste fernzuhalten.

Die Nazi-Symbolik – der Verwaltung ist an anderen Liegenschaften, die der Kommune gehören, nichts Vergleichbares bekannt – sorgte jüngst für mächtig Wirbel. Nach kritischen Hinweisen aus der Bevölkerung verständigte der Ortshistoriker und SPD-Gemeinderat Alois Schwarzmüller die Gemeindewerke. Allerdings verschlimmbesserten diese mit einer ersten Aktion das Ganze nur, indem sie einfach als eine Art Sichtschutz eine Metallplatte über den Hitlergruß-Arm montierten.

Schwarzmüller ist mit Kochs Machtwort und dem Ausgang zufrieden. „Ich begrüße die Entscheidung der Bürgermeisterin“, sagt der ehemalige Lehrer. Es leuchte ein, dass es sich um eine sicherheitsrelevante Einrichtung handle. Und der nationalsozialistische Wandschmuck habe für ihn kein historisches, nutzbares Dokument dargestellt.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hält sich in der Angelegenheit zurück. Nur soviel: Das Bildwerk sei kein eingetragenes Denkmal gewesen. „Daher war das Landesamt für Denkmalpflege auch nicht am Abriss desselbigen beteiligt“, erklärt Sprecherin Julia Steinbach.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen öffnet wieder - Ein Wanderweg stark zerstört
Kaum Schäden hat der Starkregen am Dienstag in der Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen verursacht. Umso schwerwiegender sind die Folgen auf manchem Wanderweg in dem …
Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen öffnet wieder - Ein Wanderweg stark zerstört
Tödliches Berg-Drama: Mann stürzt vor den Augen der Familie ab - Schwiegertochter wollte ihn noch retten
Eine Tragödie hat sich im Laber-Wandergebiet in Oberammergau abgespielt: Ein Mann rutschte vor den Augen seiner Liebsten einen steilen Abhang hinunter. Für ihn kam jede …
Tödliches Berg-Drama: Mann stürzt vor den Augen der Familie ab - Schwiegertochter wollte ihn noch retten
Plötzliches Straßenloch in Garmisch-Partenkirchen wird repariert - Einschränkungen für den Verkehr
Das Loch an der Auenstraße in Garmisch-Partenkirchen wächst. Deshalb behebt die Gemeinde den Schaden schnell. Das wirkt sich auf den Verkehr aus.
Plötzliches Straßenloch in Garmisch-Partenkirchen wird repariert - Einschränkungen für den Verkehr
Neue Maske hat behördlichen Segen: Nun kommen Besucher damit auch ins Murnauer Schloßmuseum
Bis vor Kurzem durfte man mit einer transparenten Mund-Nasen-Maske nicht das Murnauer Schloßmuseum betreten. Doch mittlerweile gibt es freie Bahn. Das Gesundheitsamt und …
Neue Maske hat behördlichen Segen: Nun kommen Besucher damit auch ins Murnauer Schloßmuseum

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion