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Der Mast des Anstoßes steht auf einem Haus an der Törlenstraße. 

Mast-Gegner formulieren Forderungen 

Mobilfunk: Applaus für Schröter, verbale Watschn für die Bürgermeisterin

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Der Mobilfunkmast an der Törlenstraße steht. Alle Hoffnung liegt bei den Anwohnern auf ihrem Bürgerantrag. Doch inzwischen geht es um mehr: Der Ruf nach einer Bauleitplanung für Garmisch-Partenkirchen wird immer lauter.

Garmisch-Partenkirchen – Er sitzt in der hinteren Ecke des Adlwärth-Kaminzimmers. Plötzlich reckt er einen dicken blauen Ordner in die Höhe. Darin hat Gerhard Anzenberger Studien und Fachberichte zum Mobilfunk abgeheftet. In Glassichtfolien stecken Zeitungsausschnitte. Todesanzeigen. Die Verstorbenen – allesamt vom Krebs besiegt. „Es gibt viele Beweise“, sagt der Garmisch-Partenkirchner über die Gefahren der Strahlung. „Doch die interessieren die Industrie aus Geldgier nicht.“

Dieses Thema erhitzt die Gemüter. Weil die Menschen Angst haben vor gesundheitlichen Schäden. Vor Schlafstörungen, vor neurologischen Problemen, vor Krebs. Die Anwohner der Törlenstraße kämpfen deshalb seit Monaten gegen den mittlerweile errichteten Mobilfunkmast auf dem Gebäude mit Hausnummer 24-26, scheitern dabei an der Marktgemeinde (wir berichteten). Nun hat ihr politischer Vertreter Martin Schröter (FDP) eine kleine Bürgerversammlung einberufen. Hauptzweck: „Infos austauschen.“ Rund 30 Menschen kamen. Anwohner, Interessierte und Ursel Kössel (CSB). Das einzige Gemeinderatsmitglied – eingeladen waren alle – das sich blicken ließ.

Schröter brachte seine Sicht der Dinge zügig auf den Punkt. „Die Gemeinde muss Vorsorge treffen“, betonte er. Deshalb macht er sich für eine Bauleitplanung stark. Denn dieses Thema betrifft nicht nur die Anlieger der Törlenstraße, sondern den ganzen Markt. Nicht die einzige Forderung des Vize-Botschafters der deutschen Vertretung in Luxemburg: „Wir brauchen alle das Gutachten.“ Die orientierende Untersuchung des Umweltinstituts München hat die Gemeinde zwar nach längerem Hickhack zur Einsicht freigegeben, aber nur am Nachmittag. Zu Zeiten, „an denen die Leute berufstätig sind“. Schröter will, dass es verschickt wird. Einen zu großen Verwaltungsaufwand sieht er nicht.

Als „Trauerspiel“ bezeichnet Anton Hofer das „Rumeiern“ mit dem Gutachten. Der Bürgervertreter aus der Hochblassenstraße hat bereits bei der Behandlung des Bürgerantrags im Gemeinderat seine rhetorischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Im Kaminzimmer knüpfte er nahtlos daran an. Für ihn ist es absolut unverständlich, dass die Gemeinde eine Bauleitplanung ablehnt. Mit fadenscheiniger Begründung, wie er findet. „Warum schaffen das kleinere Gemeinden mit ehrenamtlichen Bürgermeister?“, warf er in den Raum. „Das ist ein Kniefall vor der Industrie.“

„Die Politik schafft andere Grenzwerte als die Wissenschaft.“

Er reagierte auch auf einen Vorschlag einer Anwesenden, Messungen in dem betroffenen Gebiet zu tätigen. Das ist erstens derzeit sinnlos, weil der Mast noch nicht aktiv ist. Zweitens – und davon zeigt sich Hofer überzeugt – werden die „verrückt hohen“ Grenzwerte sicher eingehalten. Eine Fundamentalkritik gab es für diese, weil Deutschland an der Spitze steht. Die Grenzwerte in Russland sind viermal niedriger als in der Bundesrepublik, in Luxemburg zwölfeinhalb mal, verdeutlichte Schröter. Das bestätigte Zuhörer Siegfried Appler, Ex-ÖDP-Kreisrat und jetzt FDP-Kreisvorsitzender, der sich früher intensiv mit dem Thema beschäftigte. „Die Politik schafft andere Grenzwerte als die Wissenschaft.“

Daran kann aber auch die Gemeinde nichts ändern. Das eigene Vorgehen schon. Schröter bleibt dabei. Er würde es auf den von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) gefürchteten Rechtsstreit mit der Telekom ankommen lassen. „Von vorneherein den Schwanz einziehen, bei dem Risiko“, sagte er, „das geht nicht.“ Zumal Dr. Hans Ulrich vom Umweltinstitut auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken kann. Wie Rosemarie Rimmelspacher berichtete, habe er schon über 100 Gutachten gemacht und noch nie gegen den Kommunikationsriesen verloren.

Kritik an der Bürgermeisterin

Die betroffenen Bürger sind mehr als unzufrieden mit der Handlungsweise der Gemeinde. Das wurde einmal mehr deutlich. Eine Lanze für Schröter, der sich ihren Sorgen annimmt, brach Hofer. „Lieber hab’ ich einen Quertreiber im Gemeinderat, als Leut’, die einschlafen.“ Applaus der Anwesenden.

Das dürfte sich bei Schröter, der von seinen Kollegen im Kommunalparlament oftmals abgewatscht wird, wie Balsam auf der Seele angefühlt haben. Die wörtliche Ohrfeige bekam diesmal Meierhofer. Hofer könne nicht erkennen, dass sie ihr Amt besser ausübt als ihr Vorgänger Thomas Schmid (CSB). Und der Bürgervertreter setzte noch einen oben drauf. „Rein von meinem Amtsverständnis ist Frau Meierhofer eine Person, die im Rathaus nicht mehr tragbar ist.“ Falls die Bürgermeisterin 2020 erneut kandidiert, mit den Stimmen aus dem Gebiet der Törlenstraße braucht sie sicherlich nicht zu kalkulieren.

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