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Interview am Infostand am Richard-Strauss-Platz in Garmisch-Partenkirchen: Alexander Dobrindt tingelte zuletzt häufig durch den Landkreis. 

bundestagswahl 2017 

Außenseiter fordern Politprofi

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Seit 2002 hat Alexander Dobrindt stets überlegen das Direktmandat im Bundeswahlkreis 226 gewonnen. Zwar ist der Verkehrsminister auch 2017 Favorit, ob ihm allerdings ein Ergebnis von 50 Prozent + X gelingt, ist fraglich. Unterstützung durch Politprominenz hat er erhalten und selbst hat er auch viel für eine erfolgreiche Wiederwahl getan. Die Gegner sind durchweg Teilzeitpolitiker.

Landkreis – Draußen standen die Boliden, die große Aufmerksamkeit bei den Passanten erregten. Allerdings nicht so viel wie die politischen Schwergewichte drinnen im Kurpark-Pavillon Adlwärth in der Garmisch-Fußgängerzone: Alexander Dobrindt und Bayerns Wirtschaftsminister Ilse Aigner stimmten ihre Anhänger auf den Endspurt des Bundestagswahlkampfs ein. Seit Jahresbeginn feiert Dobrindt Festspiele im Landkreis. Beim Neujahrsempfang der CSU Oberau huldigten den Bundesverkehrsminister die Parteifreunde mit „Alexander, Alexander“-Sprechchören, weil er die Umfahrung für den vom Verkehr geplagten Ort gebracht hat. Wohlmeinende nennen ihn bereits „Alexander der Große“ ob der Verdienste, die er sich um die Infrastruktur im Landkreis erworben hat. Maut-Ärger, Dieselskandal und Probleme mit Autobahnbetreibern haben ihm vordergründig nicht geschadet. Dobrindt ist die dominierende bundespolitische Größe im Wahlkreis 226, der die Regionen Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau umfasst.

Der Peißenberger (47) ist ein Politprofi, der seit 2002 als Abgeordneter im Berliner Bundestag sitzt. Und bei reeller Betrachtung wird er das vier weitere Jahre tun. Beide Landkreise sind CSU-Hochburgen und zutiefst schwarz. Selbst Dobrindt-Gegner erwarten, dass dem Diplom-Soziologen am Sonntag erneut ein Sieg gelingen wird. 2013 hatten 57,2 Prozent der Wahlberechtigten ihm ihre Erststimme gegeben. Allerdings wird’s diesmal schwerer werden. Um zumindest dieses Ergebnis zu erreichen oder 50+X, ist Dobrindt neben seiner Ministertätigkeit in den zurückliegenden Monaten durch den Landkreis getingelt. Als Fleißarbeiter hat er viele Hände geschüttelt, sich volksnah gezeigt, als Mann, der seine bayerische Heimat liebt. Dobrindt hat Charme, er kann witzig sein, angriffslustig und er ist eloquent – und er hat einen Parteiapparat im Rücken, der ihn unterstützt. Ex-Regierungschef Edmund Stoiber machte für ihn Wahlkampf im Murnauer Bierzelt, genauso wie Ministerpräsident Horst Seehofer, der in die Region Weilheim gekommen war, und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Und auch die Männer der zweiten Reihe wie die Landtagsabgeordneten Harald Kühn und Martin Bachhuber standen treu an seiner Seite. Kühn gibt sich als Mahner, er glaubt, dass man sich nicht zu sicher sein darf. „Die Wahrheit liegt in der Urne.“ Das Ergebnis wird Dobrindt am Sonntagabend in der Landesleitung in München abwarten. An diesem Samstag macht er in der Murnauer Fußgängerzone letztmals Wahlkampf.

Mit politischen Schwergewichten konnte die Konkurrenz nicht wuchern. Fast gewinnt man den Eindruck, die anderen Parteien haben den Wahlkreis fast kampflos Dobrindt überlassen. Kein Bundespolitiker der SPD oder ein führender Kopf aus der Berliner Zentrale im Willy-Brandt-Haus verirrte sich ins Werdenfelser Land. Der Mittenwalder Enrico Corongiu, der einen engagierten Wahlkampf führte, hatte gehofft, Generalsekretär Hubertus Heil würde ihm unter die Arme greifen. Pustekuchen. Unterstützung erhielt er von der Europaabgeordneten Maria Noichl (Rosenheim), die im Europäischen Parlament in diversen Ausschüssen Themenfelder wie Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie die Rechte der Frauen beackert. Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher und Florian von Brunn radelten mit ihm am 29. Juli im Zuge der Sommertour der „Roten Radler“ von Mittenwald nach Garmisch-Partenkirchen.

Für die Grüne Dr. Gabriela Seitz-Hoffmann legten sich die Fraktionsvorsitzenden im bayerischen Landtag, Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, sowie der Landesvorsitzende Eike Hallitzky ins Zeug. Männer und Frauen der ersten Garde waren bei der Öko-Partei ebenso Fehlanzeige wie bei den Freien Demokraten. Für Martin Schröter, der auf einen Listenplatz verzichtet hat und nur als Direktkandidat antritt, machte FDP-Landes-Chef Albert Duin seine Aufwartung in Mittenwald. Martin Zeil, ehemaliger bayerischer Wirtschaftsminister, stieg für Schröter in Garmisch-Partenkirchen in den Ring und ritt einige Attacken gegen die CSU. In Murnau war Alexander Graf Lambsdorff, Vizepräsident des Europa-Parlaments, aktiv.

Die richtig kleinen Parteien haben’s noch schwerer. Politprominenz? Fehlanzeige. Einen Ausreißer gibt’s allerdings. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat Garmisch-Partenkirchen für sich entdeckt. Partei-Chefin Frauke Petry war schon mal da, Beatrix von Storch auch. Vor wenigen Wochen gab AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland im „Rassen“ Einblick, wes Geistes Kind er ist. Nicht ausgeschlossen, dass die Rechts-Partei zweitstärkste Kraft wird im Wahlkreis. Direktkandidatin Edeltraud Schwarz wird Dobrindt wahrscheinlich einige Erststimmen kosten, ernsthaft gefährden kann sie ihn wohl nicht.

Die Dominanz der Christsozialen hat eine lange Tradition. CSU-Übervater Franz Josef Strauß holte zwischen 1949 und 1983 zehnmal in Folge das Direktmandat. Dann durfte bei den Schwarzen mit Michaela Geiger eine Frau ran, was in der damals noch sehr patriarchalisch geprägten CSU einem Wunder gleichkam. Deren Erbe trat Dobrindt 2002 an, der das Direktmandat bereits viermal gewonnen hat. Und wohl auch ein fünftes Mal.

Ob er in einer neuen Bundesregierung noch einmal das Amt des Verkehrsministers erhält, ist eher fraglich. Insider wollen wissen, dass er nach der Wahl die CSU-Landesgruppe im Berliner Parlament führen soll. Harald Kühn, ein enger Freund Dobrindts, will davon nicht wissen. „Warten wir doch erst einmal ab. Mir ist davon nichts bekannt.“

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