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Im Glaspalast spielen Tatjana Pokorny und ihr Ensemble vom Kleinen Theater rund 100 Vorstellungen pro Jahr.

Wasserschäden im Glasanbau

Die Heimat ist in Gefahr: Chefin des Kleinen Theaters sorgt sich um ihre Spielstätte

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Seit 20 Jahren spielt das Kleine Theater im Glasanbau des Kongresshauses. Allerdings geht beim Ensemble und Direktorin Tatjana Pokorny die Angst um, dass das Gebäude ebenfalls wie das Kongresshaus abgerissen wird. Die Bekenntnisse der Mitglieder des Tourismusausschusses zum Kleinen Theater konnten Pokorny nicht beruhigen.

Garmisch-Partenkirchen – Schauspielerin ist Tatjana Pokorny. Schenkt man Kritikern, die von diesem Metier etwas verstehen, Glauben, dann eine recht gute. Zudem ist die 42-Jährige eine gefragte Synchronsprecherin, die zum Beispiel die deutsche Stimme von Clémence Poésy, die in Harry Potter und der Feuerkelch, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 und 2 spielte. In beiden Berufen schlüpft sie in viele verschiedene Rollen, muss sie wandelbar wie ein Chamäleon sein. Sie selbst war Pokorny bei ihrem Auftritt im Tourismusausschuss des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats. Es war eine emotionale Vorstellung, die sie als Chefin des Kleinen Theaters lieferte. Pokorny, die in dritter Generation das Haus am Richard-Strauss-Platz führt, fürchtet um dessen Bestand, falls das Gebäude im Zuge des Kongresshaus-Abrisses ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht wird. Die Spekulationen, die seit dem Beschluss des Gemeinderats zum Neubau eines Kongresshauses ins Kraut schießen, sind Pokorny zufolge „leider kein Gerücht. Wir wären dann in unserer Existenz bedroht“.

Während die Gemeinderäte Pokorny mit einer Beruhigungspille – „wir haben nur über das Kongresshaus abgestimmt“, sagten Apotheker Hermann Guggemoos und Internist Dr. Günter Steinebach (beide CSU) gleichlautend – versuchten, die Angst zu nehmen, misslang Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) die Ruhigstellung. Statt Valium verabreichte sie einen Cocktail aus Ungewissheit und Zweifel. „Das sind doch alles ungelegte Eier“, sagt sie. Jetzt folge erst einmal ein Architektenwettbewerb. Sie stellte klar, dass es „mit dem Anbau Probleme gibt. Probleme mit Feuchtigkeit“. Das bestätigte Markus Schneider, der Chef des Kulturbeutels, der ebenfalls das Gebäude für seine Kleinkunstbühne U1 nutzt. „Bereits der Putz ist massiv betroffen und in Mitleidenschaft gezogen.“

Sollte der Kongresshausanbau ebenfalls in den nächsten Jahren der Abrissbirne zum Opfer fallen – derzeit schützt noch die Zuschussbindung, die erst 25 Jahre nach der Eröffnung abläuft, das Gebäude –, träfe dies das Kleine Theater viel härter als den Kulturbeutel. „Wir könnten auf andere Spielorte wie die Aula des Werdenfels-Gymnasiums ausweichen“, sagt Schneider. „Für das Kleine Theater ist das nicht möglich. Das ist an den derzeitigen Ort gebunden.“

Pokorny und ihr Ensemble spielen bereits seit 69 Jahren in Garmisch-Partenkirchen, davon fast 20 im „Glaspalast“. „Das ist unsere Heimat“, sagt Pokorny. Man lagere dort Kostüme, Requisiten und Bühnenbilder. Rund 100 Vorstellungen müssen pro Jahr über die Bühne gehen, damit das Kleine Theater die Fördermittel, die zum großen Teil vom Freistaat und privaten Gönnern kommen, nicht verliert. Die Gemeinde stellt die Spielstätte unentgeltlich zur Verfügung und gibt ebenfalls eine kleine Finanzspritze. „Sind die Subventionen einmal weg, kommen die nie wieder“, fürchtet Pokorny. Als sie nach ihrer Präsentation den Tourismusausschuss verließ, waren ihre Befürchtung nicht zerstreut. „Ich bin nicht beruhigt“, sagte sie und schaute dabei etwas bedrückt drein. Und das trotz der einhelligen Bekenntnisse aller Ausschussmitglieder für das Kleine Theater, „über die ich mich sehr gefreut habe“.

Die Botschaft, die der Gemeinderat aussendete, hörte sie wohl, allein es dürfte ihr etwas der Glaube fehlen – trotz der zahlreichen positiven Aussagen. Die freundlichsten kamen von SPD-Gemeinderat Harald Helfrich, der ebenfalls aus einer Theaterdynastie stammt: „Zwei so tolle Bühnen sind ein Geschenk für den Ort, die sollte man nicht einfach wegschmeißen.“

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