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Mitarbeiter-Screening am Eingang: (v.l.) Marion Hofmann und Edmund Geigl testen Gudrun Stadler.

Auch die Mitarbeiter werden getestet

Corona: Alltag in Kliniken hat sich gravierend verändert 

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Tausende verschobene Eingriffe, doppelte Aufgabenbereiche für Mitarbeiter und stets die allgegenwärtige Angst vor dem Virus, die wie ein Damoklesschwert über den Mitarbeitern schwebt: In den Kliniken im Landkreis ist nichts mehr wie es einmal war. 

Landkreis – Not macht bekanntlich erfinderisch. Angehörige hatten während der vergangenen Wochen trotz des Besuchsverbots Wege gefunden, mit ihren Liebsten im Klinikum Garmisch-Partenkirchen zu kommunizieren. Sie standen in die Gärten rund um das Gebäude und tauschten sich mit den Patienten aus, die auf den Balkonen standen, sie wünschten ihnen Genesung und gaben ihnen auf diesem Wege Hoffnung und Zuversicht. „Die Bevölkerung reagierte einfallsreich“, sagt Klinikumssprecherin Gudrun Stadler. Bis zum 9. Mai galten die Besuchsbeschränkungen. Angehörige hätten „weitestgehend verständnisvoll“ auf die neuen Umstände reagiert, die seit dem globalen Ausbruch des Coronavirus nötig geworden waren.

Rund 1000 Eingriffe verschoben

Momentan sind 35 Betten auf der Isolierstation und 22 Intensivplätze für Corona-Patienten in Garmisch-Partenkirchen reserviert. „Die inzwischen gebremste Verbreitung des Virus ermöglicht es, schrittweise in den Regelbetrieb zurückzukehren“, erklärt Stadler erleichtert. Momentan wird ein Stufenplan ausgearbeitet, um auch elektive, also nicht dringliche Behandlungen wieder durchführen zu können.

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Bisher mussten rund 1000 Eingriffe und Operationen verschoben werden. Nur ambulante und stationäre Notfälle werden derzeit im Klinikum behandelt.

Das finanzielle Ausmaß der Einbußen ist noch nicht absehbar. Allerdings gelang es der Klinikumsleitung, dass kein einziger ihrer Mitarbeiter aufgrund der Krise in Kurzarbeit oder gar ausgestellt werden musste. „Es sind alle Ärzte und Pflegekräfte im Einsatz“, versichert Stadler. Lediglich Mehrarbeitsstunden oder einzelne Urlaubstage wurden abgebaut. Kein Wunder. Die Arbeit ist eigentlich die doppelte geworden: Da Bereiche und Patienten strikt für jene mit und ohne Covid-Infektion getrennt werden müssen, sind für jede Aufgabe auch immer zwei gleichqualifizierte Mitarbeiter nötig.

Soldaten helfen bei Einlasskontrollen

Die Trennung beginnt schon am Haupteingang: Wer ins Krankenhaus will, muss zuerst durch einen sogenannten Screening-Container hindurch. Dort wird eingeteilt in infektiöse und nichtinfektiöse Patienten, zu unterscheiden an der Farbe des Armbands. Letztere erhalten ein blaues. Damit dürfen sie das Klinikum regulär betreten und fast alle Aufzüge zu ihren Stationen benützen. Ein gelbes Armband kennzeichnet die Covid-Verdächtigen. Sie betreten das Gebäude über die Covid-Einheit im ambulanten OP-Zentrum neben der Notaufnahme, vorübergehend als Schleuse umfunktioniert. Sie dürfen ausschließlich mit dem Aufzug C zur Isolierstation fahren.

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Auch die Mitarbeiter werden getestet. Physiotherapeuten zum Beispiel messen mit Wärmebildkameras die Temperatur der Kollegen, erst dann dürfen diese zu ihren Arbeitsplätzen. „Bei Auffälligkeiten müssen sie das Screeningverfahren wie die Patienten durchlaufen“, erklärt Stadler das Prozedere. Soldaten der Bundeswehr vom Standort Mittenwald unterstützen momentan mit acht Sanitätern die Eingangskontrollen.

Auch sonst ist der Alltag im Haus nicht mehr der, wie er vor dem Ausbruch der Atemwegserkrankung mit der Bezeichnung Covid-19 war. Welche Maßnahmen fix bleiben werden, ist noch nicht klar. „Darüber können wir zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren.“

Unfallklinik betreut drei Landkreise

Im der Unfallklinik Murnau liegt die Bettenauslastung derzeit gerade mal bei 55 Prozent. Auch hier wurden alle medizinisch nicht notwendigen Eingriffe bis auf Weiteres verschoben, teilt Klinikum-Sprecherin Maria Mayer mit. Zumal Murnau seit Wochen aufgrund des ausgerufenen Katastrophenfalls in den drei Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Bad-Tölz-Wolfratshausen alle Schwerverletzten zentral versorgen muss, damit in anderen Häusern genug Platz für Covid-19-Patienten ist. „Die finanziellen Auswirkungen sind in ihrer endgültigen Größenordnung noch nicht absehbar.“ Fest stehe jedoch, dass „die Freihaltepauschale die tatsächlich entstandenen Kosten nicht komplett abdecken wird“. Der Unfallklinik Murnau entsteht also ein finanzieller Schaden. „Gegenwärtig befindet sich unser Antrag in der Bearbeitungsphase im Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.“

Besuchsverbot: Psychologische Betreuung möglich

Die Personalsituation ist dennoch seit Beginn der Krise stabil. „Durch gezielte Planung konnte eine Über- als auch Unterbesetzung verhindert werden.“ So wurden beispielsweise Pflegekräfte von Normalstationen durch Schulungen für den Einsatz auf den Intensivstationen vorbereitet. „Auch das Thema Kurzarbeit war zu keinem Zeitpunkt relevant.“

Seit März haben die Patienten aufgrund des Besuchsverbots die Möglichkeit auf psychologische Betreuung. Für Angehörige steht eine Hotline des Psychologischen Dienstes zur Verfügung, „um in dieser schwierigen Situation Hilfestellung zu geben“.

Beide Kliniken warten nun gebannt auf die neue Allgemeinverfügung, die am 16. Mai in Kraft treten wird. Dann wird es auch nähere Infos geben, wie der Alltag in den Kliniken künftig aussieht.

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