Am Wochenende kann es in den bayerischen Alpen zu Lawinen kommen.
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Am Wochenende kann es in den bayerischen Alpen zu Lawinen kommen.

Auch gespurte Loipen sind tabu

Corona-Ski-Streit: Bürgermeisterin warnt Söder vor großer Gefahr in den Alpen - „lehne jegliche Verantwortung ab“

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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  • Thomas Eldersch
    Thomas Eldersch
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Wegen Corona stehen in ganz Bayern bis vorerst zum 10. Januar 2021 die Lifte still. Das stellt besonders die Bergretter vor besondere Herausforderungen.

  • Die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen hat sich an Ministerpräsident Söder gewandt.
  • Sie fordert von ihm eine Stellungnahme darüber, wie Rettungskräfte und Lawinenkommission ohne Bergbahnen arbeiten sollen.
  • Wegen Corona* bleiben die Lifte noch bis in den Januar hinein geschlossen.

Garmisch-Partenkirchen - Seit der Ministerpräsidentenrunde am Mittwoch (2. Dezember) ist klar, die strengen Corona-Maßnahmen werden bis zum 10. Januar verlängert. Neben Gastronomie, Hotellerie und Kulturbetrieb trifft das vor allem eine für Bayern entscheidende Branche: den Skitourismus. Deshalb wandten sich jetzt auch zahlreiche Bürgermeister in einem Brandbrief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Nicht unterzeichnet hat die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, Elisabeth Koch (CSU). Sie richtete jetzt aber trotzdem eine wichtige Bitte an den Landeschef.

Garmisch-Partenkirchen: Die Lawinenkommission kann ohne Bergbahn nicht ihre Arbeit erfüllen

Am Donnerstag (3. Dezember) schrieb Koch einen offenen Brief direkt an ihren Parteichef in der Staatskanzlei. Der Grund: Trotz des Verbots des Skitourismus geht sie davon aus, dass zahlreiche Skitourengeher in den kommenden Tagen und Wochen in den Alpen unterwegs sein werden. Vor allem, wenn es, wie vorhergesagt, am Wochenende ergiebig schneien soll. Für einen Skifahrer gebe es „nichts Schöneres, als im Tiefschnee seine Spuren zu ziehen“, schreibt die Rathauschefin. Sollte es jedoch bei diesen Touren zu Unfällen kommen, hätten es die Rettungskräfte bei abgestellten Liften schwer, zur Unfallstelle zu kommen.

Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch fordert eine Stellungnahme von Ministerpräsident Markus Söder.

Ohne Bergbahnen sei unklar, wie angesichts steigender Zahlen von Tourengehern Rettungskräfte bei Unfällen am Berg rasch zu Verletzten kommen sollten, schrieb die CSU-Politikerin ihrem Parteichef. Und auch die Arbeit der Lawinenkommission sei durch die Stilllegung der Lifte stark beeinträchtigt.  „Zudem stellt sich die Frage, wie die Lawinenkommission tätig werden soll, ohne mittels Seilbahn auf den Berg gelangen zu können“, heißt es in dem Schreiben. Die Kommission sei zwar nur dort zuständig, wo die Sicherheitsbehörde in der Verantwortung stehe, das sei abseits von Pisten und Loipen nicht der Fall. Aber aufgrund fehlender Skifahrer nutzen immer mehr Tourengeher die Pisten zum Aufstieg.

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Garmisch-Partenkirchen: Schon am Wochenende könnte die Situation gefährlich werden

„lch darf Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, darauf hinweisen, dass wir in den nächsten Tagen mit erheblichen Schneefällen rechnen“, mahnte Koch. Das könnte Tourengeher anlocken. Für Söder also nicht viel Zeit zu reagieren. Sollte es am kommenden Wochenende bereits zu Vorfällen mit Skitourengehern kommen, ginge das nicht auf die Kappe der Bürgermeisterin. Denn Koch schreibt weiter: Der Markt Garmisch-Partenkirchen lehne jegliche Verantwortung ab, „sollte es zu Lawinenereignissen auf unserer Flur kommen und hierdurch Skitouristen zu Schaden kommen“.

Der Streit um die Ski-Saison in Bayern könnte sich allerdings noch weiter ziehen. Die aktuellen Regelungen im Freistaat lassen den begeisterten Wintersportlern wenige Alternativen. In der jüngsten Infektionsschutzverordnung steht der nüchterne Satz: Der Betrieb und die Nutzung von Sporthallen, Sportplätzen, Fitnessstudios, Tanzschulen und anderen Sportstätten ist untersagt. Auf Nachfrage beim für die Spitzfindigkeiten dieser Verordnung zuständigen Gesundheitsministerium wird klar, wie weit die Definition der Sportstätten gefasst ist: Dazu zählen etwa auch Langlaufloipen. Bedeutet: Die gespurte Loipe ist tabu. Querfeldein dürfte der Langlauf hingegen erlaubt bleiben. Und für die Skigebiete stellt das Gesundheitsministerium klar: Auch für Skitouren dürfen die Pisten derzeit nicht genutzt werden. Individualsport – und dazu zählt das Tourengehen – sei nur außerhalb von Sportstätten erlaubt. Bleibt also nur die Tour im freien Gelände.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) muss in seiner Funktion als Sport- und Naturschutzverband den Spagat zwischen Breitensport und Rücksicht auf die Natur meistern. „Wir wollen niemanden aussperren“, betont Roman Ossner von der DAV-Sektion München. „Ziel muss sein, den Andrang zu entzerren.“ Jeder solle sich fragen: Kann ich in diesen Zeiten auch mal auf eine Tour verzichten? Muss ich wirklich am Wochenende in die Berge? Kann ich dank Homeoffice meine Tour nicht auch an einem Wochentag machen? Oder gibt es nicht eine Alternative für Sport an der frischen Luft in der Nähe meines Wohnorts? Schließlich seien die Berge nicht nur ein Erholungsort. Sondern auch Lebensraum. Für die Tiere. Aber auch für die Einheimischen vor Ort.

(tel/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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