Links steht ein kleines Hütterl, daneben führt ein verschneiter Weg leicht nach oben, darauf sind Skispuren zu sehen. Links und rechts stehen Bäume.
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Wird zum Teil untertunnelt und durch ein Förderband ersetzt: der alte Seillift zwischen Kreuzeck und Längenfelder.

1,5 Millionen Euro für mehr Komfort

Trotz massiver Corona-Einbußen: Zugspitzbahn baut Skitunnel in Garmisch-Partenkirchen

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Etwa 25 Millionen Euro Umsatz macht die Bayerische Zugspitzbahn normalerweise in einem Winter. Fast alles fiel weg. Dennoch: Das Unternehmen investiert. Für 1,5 Millionen Euro baut es einen Skitunnel und ersetzt einen Seillift im Skigebiet Garmisch-Classic.

Garmisch-Partenkirchen – Niemand kann ihn leiden. Sogar Vorstand Matthias Stauch nervt er gewaltig, der alte Seillift zwischen Längenfelder und Kreuzeck. Ersetzen wollte ihn die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) durch einen Zauberteppich, die Pläne standen. Aber: „Alles, was Luxus ist, wird verschoben“, hieß es im Dezember 2020, als Corona bereits voll zugeschlagen hatte – bei der BZB aber zumindest noch Hoffnung auf Skibetrieb bestand, auf ein bisschen Geld in den Kassen. Erfüllte sich bekanntlich nicht. Kein Skibetrieb, kein Geld. Nicht einmal Corona-Hilfen von der Bundesregierung – aber ein Zauberteppich. Denn der wird nun doch umgesetzt – als Teil eines sehr viel größeren Bauprojektes.

Bauprojekt in Garmisch-Partenkirchen: 45 Meter langer Skitunnel geplant - inklusive 45 Meter Galerie

In der jüngsten Aufsichtsratssitzung haben die Verantwortlichen entschieden: Sie bauen nahe der Kreuzeckbahn-Bergstation einen 45 Meter langen Skitunnel plus einer 45 Meter langen Galerie, sie verbreitern den bestehenden Skiweg im Bereich des Zugbringerlifts in Richtung Kreuzeck. Und ersetzen bei der Gelegenheit auch den alten Seillift (Baumaßnahme siehe Kasten). Alles in allem für 1,5 Millionen Euro.

Mit etwa 25 Millionen Euro Umsatz hat die Zugspitzbahn in diesem Winter gerechnet. Doch bis auf die 15 Euro Parkgebühr, die sie seit Ende Dezember 2020 erhebt, und die 3,10 Euro für ein Ticket für die Fahrt mit der Zahnradbahn zwischen Garmisch-Partenkirchen und Grainau, blieb der Umsatz bei null. Bei dieser Bilanz denkt man an vieles – sicher nicht an ein Bauprojekt, das BZB-Sprecherin Verena Altenhofen zufolge vor allem der Modernisierung dient und den Komfort für Gäste erhöht. Vermeintlicher Luxus, auf den man im Pandemie-Jahr verzichten wollte. Dieses Projekt jedoch zu verschieben, war für die BZB eine schlechte beziehungsweise keine Option.

Umsatz im Corona-Winter fast bei Null: Bauprojekt ließ sich kaum verschieben

Der Lageplan für das Bauprojekt: Oben rechts sieht man den Ausstieg Hexenkessel-Lift. Grün markiert die neue Zufahrt zum Förderband, von der Hochalm kommend. Der pinkfarbene Abschnitt zeigt den Tunnel plus die Galerie mit Förderband in Richtung Hexenkessel-Hang. Die Abfahrt für Skifahrer in Richtung Osterfelder/Hochalm erfolgt analog der Forststraße.

Seit Jahren plant das Unternehmen, die Engstelle im Skigebiet Garmisch-Classic am Skiweg Richtung Längenfelder beziehungsweise Kreuzeck zu entschärfen. Das Thema Sicherheit spielt für den Technischen Leiter Karl Dirnhofer dabei eine wichtige Rolle, denn die Kollisionsgefahr werde künftig im Kreuzungsbereich am Seillift über eine parallel geführte Trasse reduziert. Um all das aber hätte man sich auch kümmern können, wenn man sich von den Pandemie-Schäden etwas erholt hat. Aber: Die bestehende Baugenehmigung läuft aus. Und es war nicht leicht, diese zu bekommen.

In den vergangenen Monaten legte die BZB Dirnhofer zufolge zwölf Varianten für den Bau vor. Die aktuelle bekam im komplexen Genehmigungsverfahren von allen Seiten ihren Segen, auch vom Naturschutzbeirat des Landratsamtes. „Wir sind froh, jetzt eine finale Lösung zu haben“, sagt Dirnhofer. Die gibt man nicht mehr so einfach her.

Skitunnel in Garmisch-Partenkirchen: Im Mai könnten Arbeiten starten - Vier Monate Bauzeit

Die Angebote der Baufirmen liegen ebenfalls schon alle vor. Zudem hatten die Gemeindewerke, deren Tochter die BZB ist, großes Interesse daran, das Projekt umzusetzen. Sie muss Wasser- und Abwasserleitungen von der Hochalm und der Alpspitzbahn-Bergstation Richtung Kreuzeck verlegen. Über ein Förderprogramm werden die Arbeiten bezuschusst. Dies jedoch gilt nur noch in diesem Jahr. Aus all diesen Gründen „haben wir uns entschieden, doch noch in diesem Sommer zu bauen“, sagt Dirnhofer.

Starten wollen er und sein Team nach der Schneeschmelze, vermutlich im Mai. Vier Monate etwa sollen die Arbeiten dauern. Damit würden die Wintersportler in der Saison 2021/22 bereits durch den neuen Tunnel fahren. Während der Bauarbeiten ergeben sich für Wanderer rund ums Kreuzeckhaus leichte Veränderungen. Denn der Wanderweg wird temporär verlegt, führt teilweise über die Baustelle. Bei besonderen Arbeiten kann es kurzzeitig auch mal zu Sperrungen kommen.

Galerie, Tunnel und Förderband: Das Bauprojekt im Skigebiet

Das 1,5-Millionen-Euro-Projekt umfasst eine neue, zum Teil untertunnelte Skiweg-Trasse, eine Galerie, einen verbreiterten Skiweg und einen neuen Zubringerlift. Karl Dirnhofer, Technischer Leiter der Bayerischen Zugspitzbahn, erklärt die Details. Demnach wird im Bereich des aktuellen Zugbringerlifts in Richtung Kreuzeck etwa 50 Meter nach der Wegkreuzung eine Trasse parallel zum Bestandsweg in Richtung Westen errichtet. Somit entsteht zum Einstieg des Liftes eine eigene Zufahrt mit geringem Gefälle. Hierdurch wird die Kollisionsgefahr von Skifahrern reduziert. Der neue Skiweg, also die Zufahrt zum Liftzustieg, ist mit sechs Metern Breite geplant, der bestehende Skiweg wird um zwei Meter verbreitert. Ein Förderband, das zum Teil im Tunnel verläuft, wird den aktuellen Seillift ersetzen, seine Trasse aber verändert sich leicht, um vor allem die ungünstige Kreuzungs-Situation (Skiweg vom Kreuzeckhaus in Richtung Längenfelder-Lift versus Ausstieg Seillift) zu verbessern. Der Einstieg auf das Förderband wird sich in etwa am bestehenden Einstieg zum Seillift befinden. Für den Skifahrer bedeutet das: Er hält sich links talseitig, betritt das Förderband und unterfährt den aktuellen Skiweg. Der Ausstieg wird vorgelagert und befindet sich rechter Hand des Hexenkessel-Hangs in Richtung Kreuzalm. Die Tunnelkonstruktion umfasst dabei eine 45 Meter lange Galerie (halbseitig geöffnet auf Talseite Garmisch-Partenkirchen) und 45 Meter Tunnel, der unter dem Skiweg hindurchführt. (kat)

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